Es war ein begeistertes Johlen und Pfeifen und Klatschen samt Standing Ovations wie nach einem großen Popkonzert, als das vorerst letzte Stück gespielt war. Anna Lapwood bedankt sich – sie hüpft und springt wieder – und sucht dann im Publikum nach einer gewissen Janina. Schnell ist sie gefunden. Janina hat heute Geburtstag. „Also“, sagt Anna Lapwood, „ich spiele noch ein Stück, wenn ihr auch etwas für mich tut: Wir singen gemeinsam ‘Happy Birthday’ für Janina!“ Der Applaus zeigt das Okay des Publikums, und schon zieht Lapwood buchstäblich alle 143 Register. Ein kurzer Akkord – und dann singt der ganze Dom, begleitet vom vollen Tutti der Orgel, „Happy Birthday“ für Janina.
Als auch die Zugabe verklungen ist, verlassen nach einer knappen Stunde alle, wie Domkapitular Bosbach erbeten hatte, geordnet zum Nord- und Südportal die Kathedrale. Draußen im goldenen Sommerabendlicht sieht man glückliche Menschen auf dem Roncalliplatz, die sich anstrahlen – fast ungläubig, wie überwältigend die Realität sein kann. Und damit ist wohl nicht nur die bezaubernde Anna Lapwood, sondern auch dieses Musik-Erlebnis in Kölns Kathedrale gemeint. Bald darauf geht es in die zweite Konzertrunde – für die nächsten 3.800 Gänsehäute.
Kritik an der Organisation
Das ändert allerdings nichts daran, dass auch danach mehrere Tausend keine Chance hatten, in den Dom zu kommen. Lapwood selber schreibt von weiteren 5.000 Menschen. Noch am Abend wird Kritik an der Organisation laut, von „Chaos“ ist die Rede. Menschen hätten sich problemlos an den geduldig Wartenden vorbeigeschummelt, was von den Verantwortlichen nicht verhindert worden sei.
Auch wird moniert, dass offenbar falsch eingeschätzt wurde, welche Massen ein Social-Media-Star wie Anna Lapwood mobilisieren würde. Um das einigermaßen in den Griff bekommen zu können, wäre es sinnvoll gewesen, kostenpflichtige Tickets vorab zur Verfügung zu stellen, so die Kritik vor allem in den sozialen Netzwerken.
So reagiert Anna Lapwood
Die Künstlerin zeigt sich auf Social Media bekümmert und entschuldigt sich. Sie habe erst eine halbe Stunde nach dem zweiten Konzert erfahren, dass dennoch so viele Menschen keine Chance hatten: „Seitdem fühle ich mich schlecht.“
Zugleich bittet sie um Nachsicht für das „Cathedral Team“: „Sie haben einen unglaublichen Job gemacht, angesichts der Situation so schnell wie möglich zu reagieren, haben zusätzliches Personal besorgt.“ Lapwoods Konsequenz: „Ich habe gelernt: Ich werde künftig sicherstellen, dass es ein Ticket-System gibt.“ Und äußert ihre Hoffnung, schon bald erneut „dieses außergewöhnliche Instrument zu spielen“.
Nächstes Konzert in Hamburg
Vorher aber, nämlich schon morgen (Donnerstag, 17.07.2025), spielt Anna Lapwood in der nächsten deutschen, katholischen Kathedrale: im St.-Marien-Dom von Hamburg. Für das Konzert gab es einen Vorverkauf. Tickets aber, schreibt Andreas Herzig, Medienchef des Erzbistums, auf Facebook, gibt es nicht mehr – sie sind restlos ausverkauft.
UPDATE 16.07.2025, 11:40: Ergänzt um Reaktionen von Besuchern und Anna Lapwood zur Organisation. | mn
UPDATE 16.07.2025, 14:25: Zuschauerzahlen nach Polizei-Angaben korrigiert. | mn