Die junge britische Künstlerin begeistert im Kölner Dom Tausende – auch wegen Instagram und Co. Das birgt Chancen auch für die christliche Botschaft.
Die Bilder aus Köln verbreiteten sich in der vergangenen Woche rasant: Tausende begeisterte Menschen drängten sich im Kölner Dom – sie saßen auf den Bänken und in den Gängen, hockten zwischen Säulen und standen allgemein auf jeder freien verfügbaren Fläche. Alles, um die britische Organistin Anna Lapwood auf der großen Domorgel spielen zu hören.
Die 29-Jährige ist als Musikerin keine ganz Unbekannte. Sie spielt als Organistin in der Royal Albert Hall, hat den Preis „Echo Klassik“ gewonnen und – in diesem Fall deutlich relevanter – erreicht mit ihren Videos und ihrer Leidenschaft für die Orgel inzwischen Millionen Fans in den sozialen Medien. Das kostenlose Konzert im Dom erwähnte sie dort nebenbei und löste damit in Köln eine ganze Völkerwanderung aus, sodass sie am Ende nicht eins, sondern gleich zwei Konzerte spielte.
Der Kölner Dom – voll wie lange nicht
Die Stimmung unter den Besuchern im Dom war eine außergewöhnliche, schrieb auch unser Kollege Markus Nolte, der sich das Konzert live anhören konnte. Neben der sicher eindrucksvollen Musik hat mich als Christin vor allem eine Sache an den vielen, vielen Videos des Abends bewegt: Den Dom, immerhin die größte Kirche unseres Landes, einmal so voll zu sehen.
Pessimisten mögen nun anmerken, das habe weniger mit der Kirche und mehr mit der Auswahl populärer Filmmusiken zu tun, die Anna Lapwood für die Besucher spielte. Trotzdem: Die Vertreter der immer leerer werdenden Kirchen in Deutschland können von der Britin noch einiges lernen.
Authentisch und emotional
Immerhin schafft es die junge Organistin über ihre Social-Media-Kanäle, die Leidenschaft für ihr Instrument so authentisch und lebendig zu vermitteln, dass ihre Videos Millionen Menschen begeistern. Und das, obwohl manche der Orgel wohl eher ein verstaubtes, antiquiertes und in ihrer räumlichen und musikalischen Verortung sehr kirchennahes Image attestieren würden.
Soziale Medien sind inzwischen nicht nur bei Jüngeren Sozialraum, Kommunikationsort und Informationsgeber in einem. Trotz ihrer nicht zu vernachlässigenden Schattenseiten können authentische Botschaften, können echte Emotionen hier über alle gesellschaftlichen Grenzen hinweg Menschen bewegen. Für Kirche ist das eine kaum zu überschätzende Chance – sie muss sie nur endlich nutzen.