RECHTSPOPULISMUS

Wegen Brosius-Gersdorf: Rüge für Aachens Bischof von Laien seines Bistums

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Laut Diözesanrat hat sich Bischof Helmut Dieser in rechte „Gesellschaft“ begeben – und bei anderen Themen zu wenig auf Menschenwürde gepocht.

Mit deutlichen Worten greift der „Diözesanrat der Katholik*innen im Bistum Aachen“ den Aachener Bischof Helmut Dieser an, der sich gegen eine Wahl der Verfassungsgerichts-Kandidatin Frauke Brosius-Gersdorf ausgesprochen hatte.

Dieser hatte angesichts der Position der Juristin zu Schwangerschaftsabbrüchen auf die „unantastbare Menschenwürde“ gemäß Artikel 1 des Grundgesetzes verwiesen. Diesen Hinweis nennt die Vertretung der Aachener Laien wohlfeil und „brandgefährlich“ im „Konzert mit ähnlich lautenden massiven Mail- und Medienkampagnen rechtsradikaler und christlich fundamentalistischer Kräfte, die gesellschaftliche Fortschritte zurückdrehen wollen“.

Diesers Position „an der Seite der Rechtspopulisten“

„In welche Gesellschaft begibt sich der Aachener Bischof?“, fragen die Laien seines Bistums. Sie verweisen ausdrücklich auf „einige konservativ-ideologische Bischofskollegen“ und „bedauerlicherweise auch“ auf Aussagen der Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Irme Stetter-Karp. Mit den Statements sei „untrennbar“ eine Positionierung „an der Seite der Rechtspopulisten“ verbunden.

Nach Ansicht des Diözesanrats geht es im Fall Brosius-Gersdorf „in erster Linie darum, eine Richterin am höchsten deutschen Gericht zu verhindern, die einem AfD-Verbotsantrag offen gegenübersteht“. Es werde „in einseitiger, populistischer und faktennegierender Weise versucht, eine qualifizierte Kandidatin für den Richterposten und ausgewiesene Demokratin politisch auszuschalten“.

„Kein Öl ins rechte Feuer gießen“

Wer sich – mit Blick auf das Thema Abtreibung – aus einer religiösen Überzeugung negativ zu Brosius-Gersdorf positioniere, befinde sich „in diesem Fahrwasser“, warnt die Aachener Laienvertretung.

Sie schreibt, die Laien erwarteten, dass „Bischöfe nicht mit aus der Sachdebatte gerissenen Wortmeldungen Öl ins rechte Feuer gießen, indem sie ideologische Positionierungen rechtsradikaler und fundamentalistischer Scharfmacher stärken“.

Laien: Zu Menschenwürde geschwiegen

Zugleich betonen die Laien, sie wünschten sich sehr, dass sich „unser Bischof und unsere Kirche“ zu Wort melden, wenn „die Würde des Menschen in Gefahr ist“. Das hätten sie zuletzt bei mehreren Themen vermisst.

Die Erklärung nennt Beispiele aus der Migrationspolitik, nämlich „das diskriminierende sogenannte Zustrombegrenzungsgesetz, die Einstellung der finanziellen Unterstützung ziviler Seenotrettung“ für Flüchtende im Mittelmeer und das Ende des Familiennachzugs für Geflüchtete mit subsidiärem Schutz: „Da haben wir wenig gehört.“

Scharfe Kritik an Dieser beim Thema Missbrauch

Scharf greifen die Aachener Laien Bischof Dieser beim Thema Missbrauch an: „Betroffene von sexualisierter Gewalt hätten sich vor einem Jahr sehr gewünscht, dass sich unser Bischof den Artikel 1 des Grundgesetzes zu Herzen genommen hätte, als es um die Einrede der Verjährung ging bei Taten, die zutiefst Menschenwürde verletzten.“ Dieser ist Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen des Missbrauchs.

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