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Nach Auseinandersetzungen ist der Begegnungsort im Kreis Warendorf eröffnet worden – ein starkes Zeichen gelebter Ökumene.
„Vertraut den neuen Wegen“: Unter diesem Leitgedanken ist am Sonntag, 17. Mai, das Columba-Forum in Oelde (Kreis Warendorf) im Schatten der St.-Johannes-Kirche mit einem ökumenischen Gottesdienst eröffnet und gesegnet worden. Eine scheinbar unendliche Geschichte nahm nach jahrelangem Ringen und viel Gegenwind ein glückliches Ende. Die katholische und evangelische Kirchengemeinde setzten zudem mit der Einweihung der ökumenischen Wohngemeinschaft, einem gemeinsamen Büro im Bernardushaus und Beratungsangeboten im Alten Pastorat ein Zeichen für gelebte Ökumene.
Schon vor Beginn der Feierlichkeiten nahmen Besucher die neuen barrierefreien Räumlichkeiten in der ehemaligen Marienkapelle bewundernd in Augenschein. „Ein Träumchen“ – so und ähnlich lauteten die Kommentare der Neugierigen zum neuen Ort der Begegnung. Dabei war das Projekt alles andere als unumstritten, weil in dem Anbau der Kirche auch eine öffentliche Toilette entstehen sollte.
Fördermittel machen Investition in Oelde möglich
Einige Gemeindemitglieder wollten das mit einem Viertelmillionen-Euro-Zuschuss der Stadt geplante Vorhaben, im Anbau der Johanneskirche eine WC-Anlage zu errichten, deshalb 2024 mit einem Bürgerbegehren verhindern. Die Initiatoren wollten an dem denkmalgeschützten Gebäude, in dem öffentliche Toiletten ohne barrierefreien Zugang für Bürger beispielsweise mit Kinderwagen oder Rollator sind, ein öffentliches WC errichten, das nur Inhaber eines Euro-WC-Schlüssels nutzen können – auch aus Kostengründen.
Diese Idee stand der vom Rat und von den Gremien der Pfarrei St. Johannes getragenen Lösung gegenüber, ein barrierefreies WC, zwei barrierearme WCs, Wickelmöglichkeiten sowie einen multifunktional nutzbaren Raum mit Küchenzeile zu errichten. Der Stadtrat nahm nach dem erfolgreichen Bürgerbegehren die Förderzusage zurück, die Planung indes ging weiter. Dank 250.000 Euro Fördermitteln des Landes NRW aus dem „LEADER-Programm“ und Mitteln der katholischen Kirche konnte die 455.000 Euro teure Investition umgesetzt werden.
Unruhige Vorgeschichte
„Miteinander Zukunft denken ist manchmal nicht leicht“, erinnerte die evangelische Pfarrerin Melanie Erben an die Vorgeschichte mit „erhitzten Gemütern und Verletzungen“. Es sei etwas Wunderbares und Richtungweisendes entstanden – dank der richtigen Menschen, der richtigen Idee und der richtigen Chemie, sagte der katholische Pfarrer Mike Netzler über das „Vorzeigeprojekt“. Ein Werk werde immer gut, wenn viele zusammenwirkten. „Dann kann Großes entstehen“, betonte der Priester. „Aus einer erbitterten Situation hat sich etwas Konstruktives entwickelt“, so Netzler mit Blick auf die Vorgeschichte: „Es kommt immer darauf an, wie man streitet.“ Die Würde der nie geweihten ehemaligen Marienkapelle sei gewahrt worden, betonte der Pfarrer.
Mit viel Vertrauen hätten sich die beiden Kirchen gemeinsam mutig auf den Weg der Ökumene gemacht. Erben wünsche sich, dass es weiter gelinge, immer wieder neue Schritte zu wagen. Von einem Etappenziel sprach ihr katholischer Kollege, verbunden mit der Hoffnung auf weitere Freiheit und Kreativität für den ökumenischen Weg, der auch mit der gemeinsamen Bürogemeinschaft eingeschlagen worden sei.
Bei der Ökumene vorne
„Oelde ist in Sachen Ökumene ganz weit vorne“, lobte Superintendent Frank Schneider aus Gütersloh die Zusammenarbeit der beiden Kirchen. „Der pfingstliche Geist weht“, sagte er, „und etwas neues Spannendes entsteht.“ Das könne angesichts von Kirchenschließungen wegweisend sein. Das Projekt sei ganz im Sinn der Jahreslosung der Evangelischen Kirche in Deutschland: „Siehe, ich mache alles neu!“
Oeldes Bürgermeisterin Karin Rodeheger (parteilos) machte anschließend deutlich: „Wieder ist ein Schlussstein gesetzt. Es ist der Schlussstein, der einem Gewölbe seinen Halt verleiht.“ Das Bauwerk im Herzen der Stadt stehe für Veränderung und schaffe Verbindungen. „Es gibt auf viele Fragen wunderbare Antworten“, sagte die Politikerin. Niemand habe die Gefühle Gläubiger verletzen wollen, betonte sie. Mit diesem Vorzeigeprojekt könnten jetzt alle ihren Frieden machen. Ein Kaffee nach dem Gottesdienst, eine Lesung, Konzerte und Kinderkirche: Das Columba-Forum biete Raum für Begegnungen jeglicher Art. Rodeheger ermunterte die beiden Kirchen, den „Wind der Veränderung“ auch für weitere Vorzeigeprojekte und die Ökumene wehen zu lassen.
Der Name Columba-Forum erinnert übrigens an die heilige Columba, die bis 1652 Hauptpatronin der Kirche war. Eine im Turm hängende Glocke ist ihr geweiht. Johannes der Täufer wurde 1652 Patron der Kirche. Auf der Südseite vor dem Chorraum befindet sich ein Kirchenfenster, auf dem in der Mitte die Märtyrerin umgeben von Flammen mit dem Schwert in der Hand dargestellt ist. Ihr lateinischer Name bedeutet Taube – das christliche Symbol für den Heiligen Geist und Sinnbild für das Pfingstfest. Als symbolische Vermittlerin zu Gott hat Columba, die Pfingsttaube, die Christen in Oelde im Vertrauen auf einen neuen Weg wohl ebenfalls beflügelt.
Update, 27. Mai: Entgegen einer ersten Version des Artikels sind die Absätze vier und fünf präzisiert und aktualisiert worden. Dementsprechend ist auch der Vorspann neu gefasst und präzisiert worden. (jdw)