STERBEN, TOD, TRAUER

Kapelle zu teuer: Wie Friedhöfe eine Pfarrei finanziell an Grenzen bringen

Das Gebäude in Hauenhorst ist seit einigen Jahren geschlossen. Was dahinter steckt und welche Rolle der Wandel der Bestattungskultur dabei spielt.

Aus Sicherheitsgründen geschlossen: Seit gut drei Jahren bleiben die Türen der Friedhofskapelle auf dem katholischen Friedhof in Hauenhorst (Kreis Steinfurt) zu. Zukunft: ungewiss. Denn in der Pfarrei St. Johannes der Täufer, zu der der Friedhof gehört, fehlt das Geld. Was auf wie ein lokales Problem wirkt, zeigt ein strukturelles Problem: Betreiben Pfarreien mehrere kleine Friedhöfe, wird es schnell knapp in der Kasse.

Thomas Hüwe, leitender Pfarrer im Süden der Stadt Rheine, und sein Kirchenvorstand stehen dabei vor einer Aufgabe. Zur Pfarrei gehören die drei Gemeinden St. Johannes Baptist Mesum, St. Ludgerus Elte und St. Mariä Heimsuchung Hauenhorst – mit insgesamt fünf Friedhöfen. Jeder hat einen eigenen Haushalt und muss sich selbst tragen. Und genau darin liegt das Problem.

Hohe Kosten, begrenzte Einnahmen

„Ob ich einen Friedhof habe oder fünf, macht einen erheblichen Unterschied“, sagt Hüwe. Denn jeder Standort verursacht Kosten: Wege müssen instandgehalten, Flächen gepflegt, Vorschriften eingehalten werden. Gebäude wie Kapellen, Trauerhallen und Aufbahrungsräume kommen dazu. Gleichzeitig sind die Einnahmen begrenzt.

Besonders deutlich wird das auf dem Friedhof in Hauenhorst. Die etwa 40 Jahre alte Kapelle wurde 2023 aus Sicherheitsgründen geschlossen, nachdem Teile der Holzdecke heruntergefallen waren. Außerdem fand man Asbest im Dach, Schäden durch Feuchtigkeit und eine Dämmung fehlt. Eine Sanierung oder ein Neubau wären notwendig – aber teuer.

Keine Zuschüsse

Erste Planungen lagen deutlich über einer halben Million Euro. Selbst reduzierte Varianten blieben kostspielig, erklärt Hüwe. Für eine einzelne Pfarrei mit mehreren Friedhöfen kaum zu stemmen. Denn die Finanzierung erfolgt ausschließlich über die Friedhofsgebühren. Zuschüsse aus dem Kirchenhaushalt, vom Bistum oder der Stadt gibt es nicht.

Dass die Pfarrei mehrere kleine Friedhöfe betreibt, verschärft die Situation. In manchen Jahren gebe es auf dem Friedhof in Elte zum Beispiel nur etwa 15 Beerdigungen. „Davon kann sich ein Friedhof nicht tragen“, sagt Hüwe deutlich. Die Einnahmen decken kaum den laufenden Betrieb – geschweige denn größere Investitionen.

Friedhöfe sollen bleiben

Hinzu kommt ein Wandel der Bestattungskultur. Immer mehr Menschen entscheiden sich für Urnenbestattungen oder pflegeleichte Grabformen. Diese sind günstiger und bringen weniger Einnahmen. Für die ohnehin angespannten Friedhofshaushalte zusätzliche Einbußen.

Die Folge: Während große Friedhöfe durch mehr Bestattungen finanziell stabil bleiben, geraten kleine Friedhöfe unter Druck. „Wir haben mehrere Gebäude, die alle irgendwann saniert werden müssen“, sagt Hüwe. Prioritäten zu setzen, sei unausweichlich. Trotzdem betont er „Der Kirchenvorstand und ich wollen unsere Friedhöfe erhalten. Auch deshalb, um die Bestattungskultur mitgestalten können.“

Eigene Sanierung ein Risiko

In Hauenhorst führt das zu schwierigen Abwägungen. Einige Gemeindemitglieder wünschen sich den Erhalt der Kapelle – auch aus emotionalen Gründen. Hüwe weiß: Die Friedhöfe sind Ausdruck gewachsener Strukturen und wichtiger lokaler Identität. Engagement aus der Gemeinde gebe es, sagt der Pfarrer, doch eine Sanierung in Eigenleistung wie vor 40 Jahren sei aus Sicherheits- und Haftungsgründen heute schlicht nicht mehr möglich.

Gleichzeitig hat sich die Praxis bereits verändert, beobachtet Hüwe. Trauerfeiern werden oft in der Kirche abgehalten, die Beisetzung anschließend auf dem Friedhof. Viele Angehörige hätten sich daran gewöhnt. Das stellt die grundsätzliche Frage: Braucht es an jedem Friedhof eine eigene Kapelle?

Lösung gesucht

Die Pfarrei sucht nach einer Lösung, die einen würdevollen Abschiedsort und eine tragfähige Finanzierung verbindet. Klar ist: Ein Neubau oder eine umfassende Sanierung sind unrealistisch. Stattdessen soll ein Ort geschaffen werden, „der die würdevolle Verabschiedung auf dem Friedhof“ ermöglicht. Aber auch für die favorisierte Aussegnungsstätte gibt es eine Kostenobergrenze. Und um eine Anpassung der Beerdigungskosten werde man auch dann nicht herumkommen, sagt Hüwe.

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