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Nicht nur in den USA ist die Demokratie in Gefahr – mehr noch: das Menschenbild von der Gottesebenbildlichkeit aller, warnt Ulrich Waschki.
Die USA stehen am Scheideweg. Präsident Donald Trump ist dabei, die liberale Demokratie in eine Autokratie umzubauen. Er lügt, erklärt politische Gegner zu Feinden, schüchtert Kritiker ein und testet immer wieder die Grenzen seiner Macht. Die Ermordung des umstrittenen Aktivisten Charlie Kirk könnte die Entwicklung beschleunigen. Denn statt angesichts einer solchen unentschuldbaren Gewalttat verbal abzurüsten und die Menschen zusammenzuführen, polarisiert Trump weiter.
Trump ist nicht allein: Längst hat in Ungarn Viktor Orban eine „illiberale Demokratie“ errichtet, in Frankreich lauert Marine Le Pen darauf, an die Hebel der Macht zu kommen. Und in Deutschland hat sich die Putin-freundliche AfD im Parteiensystem etabliert.
Der Autor
Ulrich Waschki ist Geschäftsführer und Chefredakteur der Verlagsgruppe Bistumspresse in Osnabrück. Er stammt aus Rheine.
Für Rechtsextremisten sind nicht alle gleich
Alle, denen an unserer Demokratie gelegen ist, müssen aktiv sein. Das gilt vor allem für die Christen und ihre Kirchen. Denn die Haltungen und Verhaltensweisen von Despoten wie Trump sind mit dem Christentum nicht vereinbar. Rechtsextremisten gehen eben nicht davon aus, dass alle Menschen gleich sind. Das Gemeinwohl ist für sie nicht das Wohl aller, sondern nur das einer von ihnen definierten Gruppe. Und Solidarität gebührt maximal denen, die zu dieser Gruppe gehören. Für Christen ist dagegen jeder Mensch ein Ebenbild Gottes.
In den USA haben linke Kreise mit überheblicher Moral zur Polarisierung beigetragen. Auch bei uns gibt es ähnliche Tendenzen. Und die etablierten demokratischen Kräfte und Prozesse stellen auch nicht immer unter Beweis, dass sie in der Lage sind, Probleme anzupacken und das Leben der Menschen zu verbessern. Doch das rechtfertigt nicht, sich mit Gefährdern der Demokratie gemein zu machen.
Christentum ruft zu Respekt vor jedem auf
Das Christentum ist das Werkzeug gegen die Polarisierung: Es ruft zum Respekt vor jedem Menschen auf, nicht nur vor dem Armen und Hilfebedürftigen, sondern auch vor dem, der eine andere Meinung hat. Es zeigt den Weg zur Versöhnung.
Das sollte die Kirche lauter in Erinnerung rufen. Es ist zu hoffen, dass Papst Leo XIV. dies tut und dass die US-Bischöfe ihr Schweigen überwinden. In Deutschland haben sich Bischöfe und katholische Organisationen eindeutig gegen den völkischen Nationalismus der AfD positioniert. Doch sie müssen immer wieder ihre Stimme erheben, genauso wie Pfarrer und katholische Verbände. Und jeder Christ kann sich in einer Partei engagieren. Das mag oft mühsam sein, aber es ist der beste Weg, die Demokratie zu stärken.
In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.