HEILIGES LAND

Israel: So geht es den hebräischsprachigen Katholiken im Heiligen Land

Der Geistliche Pater Piotr Zelazko betreut seit einigen Jahren diese Gruppe als Patriarchalvikar. Mit Kirche+Leben sprach er über ihre Situation.

Angesichts des 7. Oktober 2023 und des Kriegs in Gaza: Wie nehmen Sie die Situation im Heiligen Land wahr, Pater Zelazko?

Die Lage im Heiligen Land ist nach wie vor äußerst schmerzhaft und komplex. Die Ereignisse vom 7. Oktober und der anhaltende Krieg haben unermessliches Leid verursacht. In Israel konnten wir uns kaum vom Konflikt mit Iran erholen, während die Alarmmeldungen und Raketenangriffe aus dem Jemen weiter anhalten. Das Trauma des 7. Oktober und die anhaltenden Geiselnahmen prägen unser Leben. Der Widerstand gegen die Entscheidungen der israelischen Regierung wächst und die Bestürzung über die Lage im Gazastreifen nimmt zu. Im Westjordanland berichten die Einwohner von größerer Feindseligkeit seitens der Siedler und verstärkten Aktivitäten der israelischen Armee. Das Ausbleiben der Touristen, der Pilger und der ausländischen Studenten hat die Wirtschaft erheblich beeinträchtigt. Meine größte Sorge gilt jedoch dem Gazastreifen. Obwohl wir nicht über alle Informationen verfügen, sind die Berichte von dort zutiefst beunruhigend – insbesondere hinsichtlich der Zerstörung und des Mangels an einer Grundversorgung.

Wie gehen Ihre Gläubigen mit der Lage im Gazastreifen um?

Unsere Gemeinschaft empfindet tiefes Mitgefühl für die Christen in Gaza. Wir beten regelmäßig für sie und beteiligen uns an Solidaritätsinitiativen, Spendenaktionen oder Lobbyarbeit. Ihr Leid liegt uns sehr am Herzen. Wie ich oft sage: Leid hat keine Flagge und keine religiöse Identität. Wir treffen uns auch mit den Familien israelischer Geiseln und beten für unsere muslimischen Brüder und Schwestern, die in Gaza leiden.

Als Patriarchalvikar sind Sie für die hebräischsprachigen Katholiken im Lateinischen Patriarchat von Jerusalem verantwortlich: Was für eine Gruppe ist das?

Die hebräischsprachige katholische Gemeinschaft ist eine kleine, aber lebendige Gruppe. Sie setzt sich hauptsächlich aus jüdischen Konvertiten, Migranten und langjährigen Einwohnern zusammen, die den katholischen Glauben angenommen haben. Sie leben in der israelischen Gesellschaft und versuchen, ihren Glauben in einem Umfeld zu leben, das sowohl herausfordernd als auch spirituell reichhaltig ist. Unsere Gläubigen verteilen sich auf sieben Gemeinden in ganz Israel. Wir sind Teil des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, bewahren jedoch unseren eigenen Glaubensausdruck – lokal verwurzelte Christen, die spirituell mit der alten Jerusalemer Gemeinde der Jünger Jesu verbunden sind, die von Jakobus geleitet wurde.

Was bietet das Vikariat den Gläubigen? Wie gestaltet sich das Glaubensleben in Ihrem Zuständigkeitsbereich?

Das Vikariat St. Jakobus bietet Messen in hebräischer Sprache, Katechese, seelsorgerische Begleitung und Gemeinschaftsveranstaltungen an. Das Glaubensleben konzentriert sich auf kleine Gemeinschaften, in denen die Menschen beten, die Heilige Schrift studieren und einander unterstützen. Zwei wesentliche spirituelle Ausrichtungen prägen unsere Seelsorge: Die jüdischen Wurzeln des Christentums und die heiligen Stätten, an denen wir unseren Glauben leben. Erstere spiegeln sich in unserem fortgesetzten Dialog mit dem Judentum und unserem Respekt für religiös-nationale Ereignisse in Israel wider. Zweitere haben als Zeugnisse der biblischen Geschichten einen großen Einfluss auf unsere tägliche Spiritualität.

Kämpfen Ihre Gläubigen in Israel mit Schwierigkeiten oder sogar Feindseligkeiten?

Unsere Gläubigen sind oft mit sozialen und kulturellen Herausforderungen konfrontiert. Dabei kommt es auch zu Missverständnissen und gelegentlichen Feindseligkeiten. Dennoch bleiben sie ihrem Glauben und ihrer Gemeinschaft treu. Es herrscht eine Stimmung der Beharrlichkeit, gestützt durch ein starkes Zugehörigkeitsgefühl und spirituelle Tiefe. Mir ist bewusst, dass einige prominente Kirchenmitglieder in Jerusalem möglicherweise zu der Wahrnehmung beigetragen haben, dass Christen ständig Feindseligkeiten ausgesetzt seien. Bei allem Respekt: Vielen dieser Personen fehlt es an pastoraler Erfahrung. Auch wenn einige von ihnen möglicherweise Vandalismus oder Ablehnung erfahren haben, muss ich als Verantwortlicher für mehr als tausend ansässige Christen sagen, dass wir uns sicher fühlen. Trotz der offensichtlichen Herausforderungen, die mit dem Minderheitenstatus verbunden sind, werden wir als Teil der Gesellschaft akzeptiert und geschätzt.

Wie ist das Verhältnis zwischen dem St.-Jakobus-Vikariat und der israelischen Regierung?

Die Beziehungen zu den israelischen Behörden sind im Allgemeinen von Respekt geprägt, wenn auch nicht ohne Schwierigkeiten. Ich bin nicht direkt für den Kontakt zwischen der Kirche und dem Staat Israel zuständig. Diese Aufgabe obliegt Kardinal Pierbattista Pizzaballa und dem Apostolischen Nuntius Adolfo Tito Yllana.

Sie sind im Heiligen Land von anderen Religionen umgeben: Wie ist ihr Verhältnis zu diesen?

Als hebräischsprachige Gemeinschaft sagen wir oft, dass wir „zu 100 Prozent katholisch und zu 100 Prozent israelisch“ sind. Wir pflegen eine offene Kommunikation und setzen uns für Religionsfreiheit ein. Der interreligiöse Dialog ist Teil unseres täglichen Lebens. Unsere Gläubigen haben jüdische Familienmitglieder, Freunde und Nachbarn. Viele nehmen am Leben in der Synagoge teil und unsere Kapellen werden oft von Rabbinern oder Rabbinatsstudenten besucht.

Wie sehen Sie die Zukunft der Katholiken und des Christentums im Heiligen Land?

Die Zukunft des Christentums im Heiligen Land hängt von Frieden, Gerechtigkeit und der Fähigkeit der Gemeinschaften ab, zusammenzuleben. Trotz aller Herausforderungen bleiben wir hoffnungsvoll. Die Kirche ist weiterhin Zeugin der Liebe Christi und eine Quelle der Hoffnung für alle Menschen in der Region. Unsere kleinen Gemeinschaften sind vollständig auf die Unterstützung christlicher Brüder und Schwestern im Ausland angewiesen. Eine monatliche Spende von nur zehn Euro – der Preis für drei Espressi – kann einen echten Unterschied machen.

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