Heiner Wilmer ist Herz-Jesu-Priester. Sein Oberer Stefan Tertünte sagt, was Münsters neuen Bischof ausmacht und welche Spiritualität er pflegt.
Herr Provinzial, wie haben Sie auf die Wahl Ihres Ordensbruders Heiner Wilmer zum Bischof von Münster reagiert?
Ehrlich gesagt: mit Überraschung. Ich hätte gedacht, dass seine Wahl zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz erst einmal genug neue Aufgaben mit sich bringt. Umso unerwarteter kam jetzt diese Ernennung. Gleichzeitig habe ich mich sehr gefreut, weil ich überzeugt bin, dass er ein guter Bischof für eine ausgesprochen spannende Diözese sein wird.
Was bringt er aus der Spiritualität der Herz-Jesu-Priester in dieses Amt ein?
Er hat in den vergangenen Monaten deutlich gemacht, wie wichtig ihm Spiritualität ist. Und zwar eine Spiritualität, die auf das Herz schaut: auf das Herz Jesu und auf das, was Gottes Herz bewegt. Diese Perspektive prägt ihn zutiefst. Daraus erwächst auch seine besondere Aufmerksamkeit für Menschen mit gebrochenen, verwundeten Herzen. Das zieht sich durch seine ganze Biografie: in seiner Zeit an einer schwierigen Schule in New York ebenso wie im Kontakt mit Betroffenen sexualisierter Gewalt in der Kirche. Was ihn darüber hinaus auszeichnet, ist eine seltene Kombination aus Bodenständigkeit und Weitsicht – intellektuell wie spirituell. Das macht ihn zu einem ebenso interessanten wie wertvollen Gesprächspartner.
Sie kennen ihn seit vielen Jahren aus Ihrer Gemeinschaft. Wie erleben Sie ihn persönlich?
Ich habe ihn in unterschiedlichen Phasen kennengelernt – gegen Ende seiner theologischen Ausbildung in Freiburg, später als Provinzial und schließlich als Generaloberer unserer Gemeinschaft. In all diesen Rollen war er ein Mensch, der sehr zugewandt ist: aufmerksam, interessiert, wirklich beim Gegenüber. Und das ist auch als Bischof so geblieben. Er interessiert sich weiterhin für das Leben in der Provinz, auch für die kleinen Dinge, und bleibt mit den Mitbrüdern eng verbunden.
Können Sie dafür ein konkretes Beispiel nennen?
Besonders eindrücklich ist das für mich, wenn ein Mitbruder stirbt. Dann schreibt er persönliche, ausführliche Briefe, in denen er schildert, wie er diesen Menschen erlebt hat und was ihn an ihm bewegt hat. Und selbst heute versucht er, wenn es irgendwie möglich ist, die Gemeinschaften zu besuchen. Trotz seines vollen Terminkalenders nimmt er sich Zeit für den Einzelnen. Das ist eine große Stärke.
Gibt es noch etwas, das Sie besonders an ihm hervorheben möchten?
Seine Haltung gegenüber Menschen. Für ihn ist der „Herr Meier von nebenan“ genauso wichtig wie jemand in einer verantwortungsvollen Leitungsfunktion. Diese Gleichwertigkeit im Blick auf den Menschen prägt sein Handeln.
Was wünschen Sie ihm für seine neue Aufgabe in Münster?
Ich wünsche ihm, dass ihn genau das weiterhin trägt, was ihn auszeichnet: diese Verbindung aus geistiger Tiefe, spiritueller Verwurzelung, Bodenständigkeit und Weitsicht. Wenn ihm das erhalten bleibt, wird das für viele Menschen zum Segen werden.