POLITIK

Kirche muss politisch sein - insbesondere in Sachen Migration

Die Kritik an den Migrationsplänen der Union hat für Aufsehen gesorgt. Dabei ist auch Bischof Bätzing sehr klar, wenn es um die Position an sich geht.

Wie politisch darf Kirche sein? Gar nicht, sagen die einen, vor allem die aus der Politik, denen die Kirche zuletzt mit ihrem Schreiben zur Migrationspolitik auf die Füße gestiegen ist. Manch einer, wie etwa der bayerische Ministerpräsident, der sein Christsein bewusst auch in der Politik zum Thema macht, droht gar: Wenn ihr nicht nett seid, sind wir nicht mehr eure Freunde. Aber auch aus den Reihen der Kirchen kommt Widerspruch, wie etwa jüngst das Schreiben dreier Leiter katholischer Büros zeigt, das während der Vollversammlung der Bischofskonferenz in Kloster Steinfeld öffentlich wurde. Die Kritik zielt auf die Art der Intervention, nicht aber auf die Position selbst.

Und die werde man immer wieder deutlich machen, sagt Bischofskonferenz-Vorsitzender Georg Bätzing. Das ist richtig und wichtig. Warum? Das bringt ein am Mittwoch veröffentlichtes Wort des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) auf schlanken neun lesenswerten Seiten auf den Punkt. Die Ebenbildlichkeit Gottes, die Überzeugung, dass alle Menschen Kinder Gottes sind, verbietet eine Unterscheidung zwischen einem „Wir“ und „Die“.

Kirchen müssen klare Grenzen ziehen

Der Autor:
Christian Wölfel ist Redakteur in der Redaktion Religion und Orientierung des Bayerischen Rundfunks. Er absolvierte die katholische Journalistenschule ifp.

Und gleichzeitig macht das EKD-Wort aber auch deutlich: Es braucht von Christinnen und Christen stets die Bereitschaft zum offenen Austausch, zur Selbstkritik und auch zu Kompromissen – mit einer klaren Grenze, die dann erreicht ist, wenn „Menschenfeindlichkeit und Abwertung beharrlich als Argumente genutzt werden“.

Genau das muss die Richtschnur für das Handeln der Kirchen sein. Wohin es führt, wenn diese verloren geht, zeigen die USA, wo Präsident Donald Trump die Unterscheidung zwischen „Wir“ und „Die“ zum politischen Programm erhoben hat. Wenn sich dann noch Bischöfe wie etwa Robert Barron, der nun auch mit dem Josef-Pieper-Preis geehrt werden soll, bereitwillig an die Seite Trumps stellen, spaltet das auch die Kirchen.

In unseren Gast-Kommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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