970 Mitglieder und sie wächst weiter: Warum die Kolpingsfamilie Saerbeck als Erfolgsmodell gilt – und was andere von ihr lernen können.
Die Kolpingsfamilie Saerbeck (Kreis Steinfurt) gehört zu den erfolgreichsten Kolpinggemeinschaften im Bistum Münster. Während viele Gruppen Nachwuchssorgen haben oder aufgeben, gehören zur Gemeinschaft in Saerbeck inzwischen 970 Mitglieder – Tendenz steigend. Seit 2021 ist Stefan Winkeljann Vorsitzender der Kolpingsfamilie. Mit Kirche+Leben sprach er über die wichtigsten Gründe für den Erfolg.
Angebote für jede Generation
Seit 1926 gibt es die Kolpingsfamilie in Saerbeck. Zunächst entwickelte sich die Gemeinschaft wie viele andere, erklärt Winkeljann: Zuerst ein reiner Männerverein, wurden in den 60ern auch Frauen aufgenommen. Die Gemeinschaft hatte rund 200 Mitglieder. Lange blieb alles zentral organisiert – mit Veranstaltungen für alle.
Die Wende kam in den 1980er-Jahren. Damals habe die Kolpingsfamilie – ähnlich wie heute – mit älter werdenden Mitgliedern und fehlendem Nachwuchs gekämpft. Der langjährige Vorsitzende Alfons Bücker reagierte darauf mit neuen Strukturen.
„Man hat nicht mehr alles für alle gemacht, sondern Angebote speziell für die jüngeren Mitglieder, speziell für Familien, speziell für Ältere entwickelt“, sagt Winkeljann. Statt eines zentralen Vereins entstanden Untergruppen: Familienkreise, Seniorenarbeit, Karneval, Musik oder Jugendarbeit. Damit traf die Kolpingsfamilie unterschiedliche Interessen – und wurde wieder attraktiv.
Familienkreise als Erfolgsmodell
Besonders prägend seien die Familienkreise. Sie bringen bis heute junge Eltern in ähnlichen Lebenssituationen zusammen. „Das ist eine neue Clique von Menschen, die alle in der gleichen Lebensphase sind“, beschreibt Winkeljann. Inzwischen sei ein Kreislauf entstanden: Kinder aus den ersten Familienkreisen gründen heute selbst neue Gruppen. „Jedes Jahr kommen zehn bis 15 Familien dazu“, berichtet der Vorsitzende.
Davon profitiere auch die Jugendarbeit. Viele Kinder kommen nach der Erstkommunion in die Gruppenstunden, bleiben über Jahre verbunden und übernehmen später selbst Verantwortung. „Die einzige größere Lücke entsteht bei uns zwischen Anfang 20 und Anfang 30“, sagt Winkeljann. Über die Familienkreise kehrten jedoch viele später zurück.
Ein verjüngter Vorstand
Zur Person:
Stefan Winkeljann ist selbst mit der Kolpingsfamilie groß geworden. Bereits als Neunjähriger kam der heute 33-Jährige über die Gruppenstunden zur Gemeinschaft, später leitete er Jugendgruppen und Ferienlager, war Vorsitzender der Kolpingjugend. Seit 2021 steht er an der Spitze des Gesamtvereins.
Einen Wendepunkt erlebte die Kolpingsfamilie zwischen 2020 und 2023: Der Vorstand wurde deutlich jünger. Das Durchschnittsalter sank von etwa Ende 50 auf Mitte 30. Winkeljann übernahm den Vorsitz. Der Wechsel sei bewusst von Alfons Bücker vorbereitet worden, erzählt Winkeljann. Der heutige Ehrenvorsitzende habe früh erkannt, dass ein Generationenwechsel nötig sei. „Es reicht nicht, wenn nur der Vorsitzende wechselt.“ Einige langjährige Vorstandsmitglieder mussten Platz machen, damit jüngere Teams nachrücken konnten.
Viele der jüngeren Vorstandsmitglieder kennen sich seit Jahren. „Die Aktiven müssen Lust haben, miteinander zu arbeiten“, sagt Stefan Winkeljann. Die Vorstandsarbeit funktioniere, weil sie freundschaftlich geprägt und kein Pflichtjob sei. Der neue Vorstand setzt stärker auf digitale Kommunikation, neue Veranstaltungsformate und Kooperationen mit anderen Vereinen. „Was gut ist, das bleibt – und was nicht mehr funktioniert, das geht“, sagt Winkeljann. Nach und nach sollen in den nächsten Jahren auch die Leitungsposten der Gruppen jünger werden.