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Wieder herrscht Gewalt im Nahen Osten. Der Benediktiner-Chef spricht von einer Katastrophe. In Israel gibt es unterdessen immer wieder Luftalarm.
Der deutsche Benediktiner-Abt Nikodemus Schnabel von der Jerusalemer Dormitio-Abtei hat sich bestürzt über die jüngsten Kriegshandlungen in der Region geäußert. Er sei erschüttert, dass der „Mythos der Erlösung durch Gewaltanwendung“ wieder Aufwind erlebe und dass Politiker meinten, Frieden durch Gewalt schaffen zu können, sagte er am Samstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Schnabel: Katastrophe für das Heile Land
Für das Heilige Land und besonders für das Leben der Christen sei der neue Gewaltausbruch eine Katastrophe, so der Abt. In den letzten Monaten habe es einen leichten Aufschwung im Pilgertourismus gegeben, von dem 60 Prozent der einheimischen Christen lebten.
„Gerade sie werden von der neuen Entwicklung am härtesten getroffen“, sagte Schnabel. Zudem könnten „im Schatten dieses Krieges radikal-extremistische Siedler weiter wüten“. Diese hätten in den vergangenen Wochen auch den Christen in den Palästinensergebieten das Leben äußerst schwer gemacht, fügte der Abt hinzu.
Schnabel befürchtet, dass zum bevorstehenden Osterfest nicht so viele ausländische Pilger ins Heilige Land kommen werden wie erwartet. Es habe in den letzten Wochen viele Stornierungen in christlichen Gästehäusern gegeben.
Viele Verletzte in Tel Aviv
Unterdessen hat der Iran in der Nacht zum Sonntag seine Vergeltungsschläge gegen Israel fortgesetzt. Mehrmals mussten die Einwohner wegen Luftalarms Schutzräume und Bunker aufsuchen. In Tel Aviv wurden bei einem Angriff 50 Gebäude beschädigt, wie die Zeitung „Haaretz“ unter Berufung auf die Stadtverwaltung meldet. Mehr als 200 Anwohner seien in drei Hotels in Sicherheit gebracht worden. Zuvor hatten israelische Rettungsdienste 94 Verletzte in Zusammenhang mit dem Beschuss gemeldet.
Nach israelischen Angaben hatten die Streitkräfte des Landes am Samstag mit rund 200 Kampfflugzeugen etwa 500 Ziele im gesamten Iran angegriffen – darunter Verteidigungssysteme und Abschusseinrichtungen für Raketen. Medien sprachen vom größten Luftwaffeneinsatz der israelischen Geschichte.
Polizei schließt Heilige Stätten in Jerusalem
Unterdessen ordnete die Jerusalemer Polizei in der Altstadt die Schließung aller Heiligen Stätten für Gläubige und Besucher an. Auch die Checkpoints zwischen Jerusalem und den besetzten Palästinensergebieten im Westjordanland waren zunächst geschlossen; am Sonntagmorgen konnte der Übergang von Bethlehem jedoch wieder benutzt werden, berichteten Augenzeugen.