BISTUM MÜNSTER

Rassistisch beleidigter Pfarrer Muziazia geht: Die Reaktionen in Emmerich

Im September machte Égide Muziazia Angriffe auf sich öffentlich – nun geht er. Kirche+Leben spricht mit dem Pfarreirats-Chef und dem Ortsvorsteher.

Der rassistisch angefeindete Pfarrer Égide Muziazia verlässt Emmerich – das löst in der Pfarrei und im Ort Trauer aus, aber auch Verständnis. „Wir sind endlos traurig“, sagt im Kirche+Leben-Gespräch Heinz Peelen, Vorsitzender des Pfarreirats von St. Vitus Emmerich mit den Kirchorten Elten, Hochelten und Hüthum im Kreis Kleve.

Muziazia, seit 2023 am Niederrhein tätig, sei „begeistert“ aufgenommen worden, erinnert sich Peelen. Der Pfarrer sei auf die Menschen und Gruppen der Pfarrei zugegangen, habe sich auch für örtliche Bräuche wie Schützenfest und Karneval interessiert: „Es sind ganz viele persönliche Verbindungen entstanden.“

Pfarreirats-Chef: Vorfälle gingen dem Pfarrer nahe

Dann machte der aus dem Kongo stammende Geistliche rassistische Angriffe auf sich öffentlich. Nach dem Pressegespräch im September 2024 habe Muziazia weitergearbeitet wie zuvor, sagt Peelen – „oft bis tief in die Nacht“. Und doch: „Im persönlichen Kontakt konnte man merken, dass ihm die Vorfälle nahe gingen, dass sie ihn weiter beschäftigt haben.“

Das gab der Pfarrer auch in der am Sonntag verbreiteten Meldung der Bischöflichen Pressestelle über seinen Abschied an: „Die Erfahrung wiederholter rassistischer Anfeindungen ist für mich zu einer großen seelischen Belastung geworden und lässt mich nicht mehr los.“ Der Pfarreirats-Vorsitzende Peelen sagt deshalb, für „den Menschen Égide“ sei der Weggang zur Jahresmitte „eine gute Lösung“.

Ortsvorsteher: Wir schämen uns

Pfarrverwalter in St. Vitus wird ab Juli laut Pressestelle „vorübergehend“ Bernd de Baey, Leitender Pfarrer von St. Christophorus und St. Johannes der Täufer Emmerich. Heinz Peelen sagt zu Kirche+Leben, in ersten Gesprächen mit Verantwortlichen des Bistums Münster sei bereits deutlich geworden, dass St. Vitus „nicht davon ausgehen“ solle, auf jeden Fall wieder einen eigenen Leitenden Pfarrer zu bekommen. Die Emmericher Pfarreien bilden gemeinsam mit drei Pfarreien aus Rees einen Pastoralen Raum.

Auch der Ortsvorsteher von Emmerich-Elten, Albert Jansen (CDU), bedauert den Weggang von Égide Muziazia. Zu Kirche+Leben sagt Jansen mit Blick auf die rassistischen Angriffe: „Wir haben immer gesagt: Das passiert hier nicht. Es ist passiert. Wir schämen uns.“

„Kann den Weggang unseres Pfarrers verstehen“

Im Dorf sei immer von „unserem Pfarrer“ die Rede gewesen, nicht von „dem Pfarrer“, beschreibt Jansen: „Wer unseren Pfarrer beleidigt, beleidigt uns alle.“ Der Ortsvorsteher ergänzt, auf ausdrücklichen Wunsch des Pfarrers habe er an dem Pressegespräch teilgenommen, bei dem Muziazia die Angriffe auf sich öffentlich machte.

Der Weggang des Pfarrers sei „eine Katastrophe“ für die Emmericher Ortsteile. Und doch: „Ich kann unseren Pfarrer verstehen.“ Auch, wenn die personelle Zukunft für St. Vitus nun ungewiss sei und einige „Baustellen“ – Jansen fällt spontan das Thema Kita ein – anstünden.

Neue Aufgaben für Égide Muziazia

Pfarrer Muziazia übernimmt im Juli laut Bischöflicher Pressestelle Aufgaben in Münster. Er werde unter anderem in der Pfarrei St. Petronilla tätig und im Generalvikariat im Referat für die Priester der Weltkirche mitarbeiten. Zudem vertritt er bereits ab 1. April – im Sommersemester – am Institut für Religionspädagogik und Pastoraltheologie der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster die Professur von Judith Könemann.

Anzeige

Komplet - der Abend-Newsletter von Kirche+Leben

JETZT KOSTENLOS ANMELDEN



Mit Ihrer Anmeldung nehmen Sie die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis.