ESSEN UND TRINKEN

Für eine christlich motivierte Lebensweise

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Das Christentum kennt keine ausgefeilten Speisegebote. Warum wir trotzdem auf unsere Ernährung achten sollten, erklärt Markus Gehling. 

Jeder hat schon einmal von den Speisegeboten im Judentum und auch im Islam gehört. Als ich einmal einen jungen Muslim fragte, welche Unterschiede ihm zwischen unseren Religionen einfallen, war die Antwort: Du isst Schwein! Die jüdischen Speisegebote sind noch komplexer, so darf beispielsweise Fleisch und Milch nicht zusammen verzehrt werden, was dazu führt, dass in den Kaffee nach dem Mittagsessen keine Milch darf. 

Und vor Pessach muss auch der letzte Krümel Brot im Haus gefunden und entsorgt werden. Manche nehmen das so genau mit den Geboten, so dass auch Peppa Wutz als Kuscheltier im frommen muslimischen Haushalt fehlt, obwohl Peppa ja zu 100 Prozent aus Synthetik ist.

Fasten und Fleischverzicht

Jesus hat uns Christen mit einem einfachen Satz die Befolgung komplizierter Essensregeln erspart. „Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen.“ Der Kern der Speisegebote ist es, den Alltag zu heiligen und mit Gott zu verbinden. Gott ist immer da, auch wenn wir essen oder trinken. 

Das Christentum hat trotzdem keine Speisegebote eingeführt. Man spürte wohl, dass das strikte Einhalten bestimmter Gebote dogmatischer Selbstzweck werden kann. Bei uns ist der Verzicht auf bestimmte Speisen allenfalls als Fasten bekannt. Allgemein gilt ein Fleischverzicht am Freitag als Ideal.

Rückkehr der Speisegebote

Der Autor:
Markus Gehling ist Pastoralreferent in St. Peter und Paul Voerde mit eigenem Blog auf www.kreuzzeichen.blogspot.com.

Heute, wo das Christentum an Einfluss verliert, scheinen Speisegebote wieder zurückzukehren. Das vegetarische Leben hat auch eine lange christliche Tradition, bis heute ernähren die Mitglieder des Kartäuserordens sich komplett vegetarisch.

Inzwischen leben zunehmend mehr Menschen vegan, verzichten also auf jegliche Zutat tierischen Ursprungs. Hafermilch und Sojaprodukte führt heutzutage jeder Supermarkt. Im gewissen Sinne kehren damit Speisegebote wieder in unseren Alltag zurück.

Bedenkenswert finde ich das Motiv, das hinter all dem steht, nämlich ein sorgsamer Umgang mit der Schöpfung Gottes und vor allem mit den Tieren. Auch Pflanzen gehören in diese gute Schöpfung hinein, doch selbst vegane Ernährung hat deutliche Umweltfolgen. 

Wenn ich sehe, wie viel Kraft und Energie Veganer und Vegetarier in ihre Ernährung investieren – warum gibt es eigentlich bis heute keine christlich motivierte, tier- und umweltfreundliche Lebensweise und ein entsprechendes Label? Das wäre bitter nötig. Denn – dieses Gebot hat Jesus uns sehr wohl mitgegeben, dass wir mit Rücksicht auf die ganze Schöpfung und im Einklang mit ihr unser Leben gestalten.

In unseren Gast-Kommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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