Der ganze Monat Mai gehört Maria. Anlass genug für Frauen-Bilder an dieser Stelle. Aus der Kunst - für das Leben.
Es gehört nach wie vor zu den Eigenarten der katholischen Kirche, dass ihre Leitung vornehmlich aus Männern besteht, die wiederum gern von der Kirche als Mutter sprechen, während nach wie vor Frauen ohne Amt das Gemeindeleben nachhaltig tragen und prägen. Vor nicht allzu langer Zeit erst hat der frühere Bischof von Würzburg, Friedhelm Hofmann, allen Ernstes gemeint, der Rücktritt aus dem aktiven Kirchendienst fühle sich an wie die Trennung von einer Frau: „Ein Bistum ist so etwas wie eine Frau, die man verlässt.“ Woher auch immer der Herr Bischof das weiß. Lassen wir das lieber.
Ungeachtet aller psychologischen Deutungen, die es dazu gibt, seit es psychologische Deutungen gibt, ist das griechische Urwort für die Kirche in der Tat weiblich: „ekklesia“, ein grammatikalisches Femininum. Tiefer gehend tauchen Bilder von der Kirche als „Braut Christi“ auf, noch tiefer eine Verwandtschaft mit Jerusalem, der heiligen Stadt, von der sowohl das letzte Buch der Bibel als auch das Erste Testament in weiblicher Form erzählen.
Mutter Kirche
SICHTWEISEN
Ein Wort, ein Bild, ein Gedanke - das sind die “Sichtweisen”, die einmal in der Woche ins Nachdenken bringen wollen, Welten eröffnen, Leben entdecken, Gott suchen helfen. Menschenlebensnah und gottverbunden. Jeder Monat wird von einer Autorin oder einem Autoren textlich gestaltet; die Redaktion von Kirche+Leben sucht zu dem jeweiligen Stichwort frei ein Foto.
Und so kommt es, dass zur großen Sprachfamilie der „Mutter Kirche“ auch die „Mutterkirche“ in jedem Bistum gehört – nämlich die Kathedrale, die Bischofskirche, die geistliche Zentrale einer Diözese (auch weiblich).
Die Kirche ist definitiv weiblich. Sie selber ist die „Mutter Kirche“, ihre zentralen Gotteshäuser sind Mütter, nämlich besagte „Mutterkirchen“, und schließlich wacht eine Frau über ihrer aller Geschick, die „Mutter der Kirche“: Maria.
Vater Staat
So gesehen kann es nicht verwundern, dass in Zeiten von Emanzipation und Freiheit im „Vater Staat“ Forderungen nach mehr Mitbestimmung für Frauen in der Kirche aufkommen, nach mehr Wahrnehmung der Frauen für ein ganzheitliches, Geschlechter übergreifendes Kirchenbild – entsprechende Autorität inklusive.
Diese Aufgaben auf rein karitative, abseits sakramentaler Weihen zu beschränken, halten längst nicht nur tollkühne Theologinnen für zu kurz und eng gefasst. Ganz zu schweigen von unausdenkbarer Frauenpower im angeblich so düsteren Mittelalter, von der Kirchengeschichtler in Gestalt mächtiger Äbtissinnen und anderer durch und durch geistlicher Frauen zu erzählen wissen.
Dame mit Tiara
Und doch soll hier anders gedacht werden. Unser Foto etwa ist aufgenommen in einer Seitenkapelle der wunderbaren römischen Basilika Santa Maria in Trastevere. Es stellt deutlich sichtbar mehrere bunt gekleidete Frauen in den Vordergrund, während im Hintergrund auffällig viele und ausschließlich in düsteren Farben gewandete Männer zu sehen sind. In der Frauengruppe offenkundig eine Päpstin: die Dame trägt die Tiara, die dreifache Papstkrone. Vielleicht die legendenumwobene Johanna?
Tatsächlich ist es eine allegorische Darstellung eben besagter „ekklesia“, also der Kirche – in nicht nur grammatikalischer Weiblichkeit. Umgeben ist sie von den sieben Tugenden, auch sie werden weiblich dargestellt. Die im Hintergrund tagende Herrenrunde zeigt die letzte Sitzung des Konzils von Trient am 4. Dezember 1563. Es hatte sich vor allem mit den Forderungen und Lehren der Reformation zu beschäftigen. Klingt merkwürdig vertraut.
Küken und Glucke
Wie steht es real, erlebbar um das Mütterliche der Kirche – jenseits von Bild, Grammatik, geistlicher Idee? Papst Franziskus hat es einmal in einer Predigt über die Kirche klargemacht: „Eine gute Mutter hilft den Kindern, aus sich selbst herauszukommen, nicht bequem unter den mütterlichen Fittichen zu bleiben wie eine Brut von Küken unter den Fittichen der Glucke.“
Das Beste für ihre Kinder zu wollen – und nicht das, was sie selbst für das Beste hält. Dass sie leben können und glücklich werden: eine große Aufgabe. Dazu gehört: frei geben! Zutrauen und Gottvertrauen. Gilt für alle Mütter, für die Mutter (der) Kirche – und, natürlich, für alle Väter auch.