Auf Märkten und in Kaufhäusern erklingen längst Weihnachtslieder, dabei hat auch der Advent musikalische Schätze. Kirche+Leben hebt vier von ihnen.
Macht hoch die Tür (Gotteslob 218)
Längst auch ein katholischer Klassiker, entstand der Text von Georg Weissel 1623 zur Einweihung einer evangelischen Kirche in Königsberg (Ostpreußen). Er geht zurück auf Psalm 24, der die Ankunft des „Königs der Herrlichkeit“ besingt. Für sie sollen sich die „uralten Pforten“ heben. Der Psalm wird nicht nur im Stundengebet des Advents gebetet (GL 633), er findet auch im Einzug Jesu in Jerusalem vor seiner Kreuzigung eine Parallele. Die heutige Melodie kam erst 1704 zum Text und entstand laut Gotteslob in Halle. Der Komponist ist nicht bekannt.
Die Nacht ist vorgedrungen (GL 220)
Der evangelische Theologe und Schriftsteller Jochen Klepper textete das Lied 1938. Angesichts der Behinderung seiner Arbeit wegen der jüdischen Herkunft seiner Ehefrau Johanna schrieb Klepper kurz vor der Entstehung des Gedichtes: „Es geschieht Hannis wegen. Ich glaube nicht an Aktionen. Gott will im Dunkel wohnen, und das Dunkel kann nur durchstoßen werden durchs Gebet.“ Als die Deportation seiner Ehefrau und ihrer jüngsten Tochter drohte, nahm sich die gesamte Familie in der Nacht vom 10. auf den 11. Dezember 1942 das Leben. Die Melodie komponierte Johannes Petzold 1939.
Maria durch ein Dornwald ging (GL224)
Ursprünglich ein Wallfahrtslied des 19. Jahrhunderts aus dem katholischen Eichsfeld, wurde es wenig später zum Adventslied: Maria wandert mit „einem kleinen Kindlein“ unter ihrem Herzen durch einen Wald voller Dornen – Sinnbild für Unfruchtbarkeit und Tod. Beim Vorübergehen von „Jesus und Maria“ aber erblühen die Rosen.
Hintergrund ist der biblische Besuch der schwangeren Maria bei trotz hohen Alters ebenso schwangeren Elisabeth. In der Urfassung schmückt das Lied die Verbindung von Jesus und Elisabeths Sohn Johannes dem Täufer weiter aus. Dichter und Komponist ist August von Haxthausen.
O Heiland, reiß die Himmel auf (GL 231)
Der Text spielt mit dem Jesaja-Bild „Tauet, ihr Himmel von oben, die Wolken mögen den Gerechten regnen“ (Jes 45,8). Er stammt vom Jesuiten Friedrich Spee, der ihn 1622 schrieb. Fürchterliche Erfahrungen spielen dabei eine Rolle: Kurz nach seinem Eintritt in den Orden 1610 brach die Pest in seiner Heimat Trier aus, acht Jahre später der Dreißigjährige Krieg. Auch wenn er davon in seinem Lied nicht konkret spricht, ist die Sehnsucht nach Tröstung „hier im Jammertal“ und Erlösung übergroß – und darum auch heute so berührend. Die Melodie ist seit 1666 belegt, der Komponist unbekannt.