Sinkende Ressourcen, gestresste Eltern, gelangweilte Kinder: Wir zeigen, wie Gemeinden sich neu auf die Erstkommunion vorbereiten.
Die Zahlen sind deutlich: 2014 gingen im Bistum Münster noch rund 17.300 Kinder zur Erstkommunion, im vergangenen Jahr waren es knapp 13.500. Vor dem Hintergrund sinkender Anmeldungen und knapper Ressourcen entwickeln Pfarreien neue Konzepte, um Kinder und ihre Familien zu erreichen. Drei Beispiele.
St. Marien Ahaus: Glaube beginnt in der Familie
In Ahaus im Kreis Borken ist die Familie zentraler Baustein der Kommunionvorbereitung. In der Pfarrei mit drei Gemeinden und sieben Kirchorten sollen Kinder ihren Glauben im direkten Umfeld erleben, erklärt Pastoralreferentin Anne-Marie Eising: „Kinder brauchen den Nahbereich, soweit das möglich ist.“ Die Katechese setzt bewusst auf Dezentralität. Kern ist ein verbindliches Basisprogramm aus Elternabend, Familienzeiten und Begleitheft.
Ziel ist, Glaubensgespräche im Alltag anzustoßen. „Kinder wachsen nur in den Glauben hinein, wenn sie von zu Hause aus etwas mitbekommen“, sagt Eising. Ergänzt wird das Basisprogramm durch ein freiwilliges Wahlprogramm mit Gruppenstunden und vier Gottesdiensten, die die Inhalte vertiefen. „Für die Kinder ist es wichtig, dass um den eigenen Kirchturm etwas stattfindet.“ Eine Herausforderung bleibt es, Ehrenamtliche zu finden, die Verantwortung übernehmen und zugleich das Gesamtkonzept im Blick behalten. Die Rolle der Hauptamtlichen verschiebt sich – weg von der direkten Arbeit mit allen Kindern, hin zur Begleitung der Eltern.
St. Gudula Rhede: Gemeinde als Erfahrungsraum
In Rhede im Kreis Borken hat die Pfarrei die Kommunionkatechese vor drei Jahren neu aufgestellt – weg von klassischen Gruppenstunden, hin zu mehr Freiwilligkeit und gemeinschaftlichen Erfahrungen. „Viele Eltern sehen sich nicht mehr in der Lage, eine Gruppe über längere Zeit zu begleiten“, sagt Pastoralreferent André Bösing. Auch Konzentration und Begeisterung der Kinder haben sich verändert. Eltern wollten sich engagieren – aber ohne Druck.
Das Konzept setzt statt auf regelmäßige Gruppenstunden vielmehr auf drei thematische Basistage sowie zahlreiche frei wählbare Angebote. An den Basistagen bereitet ein Team relevante Inhalte wie Nächstenliebe kreativ und spielerisch auf. Daneben bieten Gemeindemitglieder verschiedene freiwillige Angebote – vom Brotbacken bis zur Nachtwanderung. Eltern und Kinder entscheiden selbst, wann und wie oft sie teilnehmen.
Anmeldung und Organisation laufen per App. Das Ziel: weniger verschulte Katechese, mehr lebensnahe Zugänge zum Glauben. „Wir wollen zeigen, was es bedeutet, als Christ zu leben“, erklärt Bösing. Zugleich stärke dieser Ansatz das Gemeindeleben, indem er die Mitglieder sichtbar einbindet.
Der Ansatz reagiert nicht nur auf neue Lebensrealitäten in den Familien, sondern auch auf knapper werdendes Personal. Bösing: „Wir brauchen eine Form, die Ehrenamtliche sinnvoll einbindet.“ Sie seien die tragenden Säulen dieser Katechese, das Interesse am Menschen mache die Qualität dieses Vorbereitungsweges aus.
St. Nikomedes Steinfurt: Module mit Wahlfreiheit
Auch in Steinfurt reagierte die Pfarrei St. Nikomedes auf veränderte Bedingungen. „Erstkommunion verändert sich, das Umfeld der Kinder wird säkularer“, erklärt Diakon Tobias Beck. Viele Eltern fühlten sich durch klassische Gruppenstunden überfordert. „Sie sollten etwas vermitteln, das sie selbst kaum erklären können“, ergänzt Pastoralreferentin Charlotte Wiemeler.
Die Pfarrei startete neu. Beck beschreibt das Ziel so: Die Gemeinde sei „wie ein Planet“, den viele Familien zur Erstkommunion nur vorübergehend besuchen. Wichtig sei, dass sie sich willkommen fühlen und wissen: „Wenn ich etwas habe, kann ich wieder dort hingehen.“
Im neuen Konzept arbeitet die Pfarrei mit vier thematischen Modulen. Jedes kann entweder mit Material in der Familie erarbeitet werden – oder die Kinder schließen sich einer vorbereiteten Gruppenstunde an. Themen aus dem Religionsunterricht treten dabei in den Hintergrund. Stattdessen gehe es darum, wie Kirche als Erfahrungsraum wahrgenommen wird. Jedes Modul schließt mit einem Wortgottesdienst ab, zu dem alle rund 120 Kinder und ihre Familien zusammenkommen.
Eine zweite Säule bildet die Vernetzung mit Gemeindemitgliedern: In freiwilligen Angeboten und Formaten lernen Kinder gelebten Glauben vor Ort kennen. Dabei bleibt der Anspruch bewusst niedrigschwellig: „Minimalziel“ sei, so Beck, dass die Kinder verstehen, „dass das Brot, das sie essen, ein besonderes Brot ist“.