Gremienwahlen und neue Pastorale Räume – die Pfarreien im Bistum Münster haben viel zu tun. Was ansteht, erklärt Prozessbegleiter Daniel Gewand.
Herr Gewand, bis Ende 2025 sollen die Leitungsteams in den Pastoralen Räume feststehen. Parallel dazu werden im nordrhein-westfälischen Teil des Bistums Münster die Pfarreiräte und Kirchenvorstände neu gewählt. Welche neuen Aufgaben fallen den Gremien hinsichtlich der Pastoralen Räume zu?
Die Gremien, also Kirchenvorstand und Pfarreirat, tragen in ihren unterschiedlichen Funktionen die Verantwortung für die Pfarrei. Dabei sollten sowohl die freiwillig Engagierten als auch die Hauptamtlichen den Blick über den Tellerrand werfen – und mit anderen Pfarreien in ihrem jeweiligen Pastoralen Raum kooperieren. Was, ganz nebenbei gesagt, auch schon vor der Einrichtung der Pastoralen Räume möglich und sinnvoll war. Gemeinsam gestalten die Gremien-Mitglieder mit den übrigen Gläubigen das kirchliche Leben im jeweiligen Pastoralen Raum.
In der Satzung für Pfarreiräte im Bistum Münster heißt es: „Die Pfarrei und ihre Gemeinden, die Pastoralen Räume, alle weiteren Struktureinheiten und Orte nehmen einander in der jeweiligen Eigenständigkeit wahr und unterstützen sich wechselseitig.“ Wie könnte das im Idealfall aussehen?
Die Situationen vor Ort sind sehr unterschiedlich und lassen sich kaum vergleichen. Gemeinsam sollen in den Gremien mögliche pastorale Felder, Themen und Aufgaben für eine Kooperation im Pastoralen Raum identifiziert und erarbeitet werden – und dann heißt es: Sich gemeinsam auf den Weg machen!
Was wünschen Sie sich hinsichtlich der Zusammenarbeit von Kirchenvorständen in einem Pastoralen Raum?
Auch hier kommt es auf die jeweilige Situation an. Alle sollten den Mut haben, nicht nur auf sich, sondern auch auf den Pastoralen Raum zu schauen und dessen Entwicklung im Blick zu haben. Außerdem können die Kirchenvorstände in ihren Verantwortungsbereichen eine engere Zusammenarbeit oder Kooperationen eingehen.
Welche Rolle sollen die Leitungsteams in den Pastoralen Räumen ausüben?
Sowohl die Ehren- als auch die Hauptamtlichen in den Leitungsteams sollen in der Startphase Impulsgeber und Moderatoren sein. Sie strukturieren und koordinieren die Aufgaben in den Pastoralen Räumen, sie steuern die Klärungs- und Entscheidungsprozesse innerhalb der Räume und kommunizieren diese nach innen und außen. Das Leitungsteam soll außerdem die pastorale Kirchenentwicklung im Pastoralen Raum fördern. Dabei ist die Option für eine dienende Kirche, so wie sie im Pastoralplan für das Bistum Münster festgeschrieben steht, wichtig. Das Leitungsteam entwickelt und gestaltet vor diesem Hintergrund das Miteinander des Pastoralen Raums und der darin nach wie vor eigenständigen Pfarreien sowie der weiteren Einrichtungen, Gruppierungen, Verbänden zu einem Raum, in dem es eine verbindliche Zusammenarbeit geben soll.
Welche Hilfestellungen können Sie den Gremien für eine vernetzte und innovative Pastoral geben?
Damit die Leitungsteams in den Pastoralen Räumen mit Beginn des neuen Jahres gut an den Start gehen, sind für Anfang 2026 Teamtage geplant. Bei den eintägigen Workshops stehen die Leitungsteams im Mittelpunkt. Zudem werden der Pastorale Raum und das Leitungsverständnis in den Blick genommen. Außerdem besteht für die Leitungsteams ab Januar die Möglichkeit, auf ein Coaching-Angebot zurückzugreifen. Vor allem aber geht es, wie bereits erwähnt, um den Mut, Neues auszuprobieren. Und vielleicht hilft ja der Gedanke: Es könnte gut werden…
Was Pastorale Räume bedeuten
Am 1. Januar 2024 wurde die Errichtung der Pastoralen Räume im Bistum Münster durch Bischof Felix Genn in Kraft gesetzt. Der Pastorale Raum ist eine kirchenrechtliche Größe mit einem vom Diözesanbischof beziehungsweise vom Bischöflichen Offizial in Vechta beauftragten Team, das den Pastoralen Raum unter Beteiligung von freiwillig Engagierten leitet. Der Pastorale Raum ist ein Zusammenschluss eigenständiger Pfarreien, um strukturell verbindliche Kooperationen zwischen diesen und anderen pastoralen Akteuren zu organisieren. Der Pastorale Raum bietet die Möglichkeit, pfarreiübergreifendes seelsorgliches Handeln gemeinsam zu gestalten – gerade dort, wo es allein nicht mehr möglich ist.