Wer aus dem Alltag aussteigen möchte, kann in der Zen-Kontemplation Stille und Ruhe erfahren. Justinus Jakobs praktiziert diese Übungen seit Jahren.
Herr Jakobs, was bedeutet Zen-Meditation?
Es gibt die schon fast klassisch gewordene Kurzdefinition von Pater Hugo Lassalle SJ, dem Pionier des Zen für Christen, der einmal sagte: „Sich in seinem Leibe aufrichten und in seinen Gedanken lassen.“ Und das macht deutlich, dass es im Zen nicht nur um die Übung des Sitzens in Meditationshaltung geht, sondern um eine Lebenshaltung, die den Alltag durchformt. Denn in all unserem Tun und Lassen geht es darum, sich leiblich aufzurichten und die Gedanken zu lassen. Die Übung des Sitzens im engeren Sinn, das sogenannte Zazen, ist zunächst eine Praxis des absichtslosen Daseins in Stille und darin auch eine Initiation dieser aufrichtigen und gelassenen Lebenshaltung. In keinem Fall dürfen wir Zen auf Sitzmeditation reduzieren. Es ist wichtig, dieses Sitzen im Alltag zu üben, aber noch wichtiger ist es, dass unser Alltag zu einer Übung wird.
Welche Vorzüge haben Meditationen für den Alltag?
Themenwoche: Wie Körper und Seele zur Ruhe kommen
In der Adventszeit sehnen sich viele Menschen bei all dem Trubel nach Ruhe und Besinnung. Aber wie kann das gelingen? Kirche+Leben hat mit Menschen gesprochen, die auf ganz unterschiedliche Wege setzen. In fünf Folgen unserer exklusiven Kirche+Leben-Themenwoche zeigen wir, wie Körper und Seele zur Ruhe kommen können – und wie der Glaube dabei hilft.
Dogen Zenji (1200-1253), einer der bedeutendsten alten Meister der Zen-Tradition, sagt über Zen: „Dies ist nicht nur Üben im Sitzen, sondern wie ein Hammer, der die Leere anschlägt – vorher und nachher klingt sein feiner Klang überall hin.“ Das ist eine sehr reale Erfahrung von Menschen, die mit Sitzmeditation vertraut sind: Dass eine gelöste und dichte Erfahrung, wirklich mit sich selbst, dem eigenen Leben und allen Wesen verbunden zu sein, mit denen wir unser Leben teilen, sich durch den Alltag zieht.
Sie leiten die Münsteraner Regionalgruppe des Programms „Leben aus der Mitte – Zen-Kontemplation“ und bieten damit einen Weg der Hinführung zur Stille-Meditation an. In der Integration von buddhistischer Zen-Tradition und christlicher Kontemplation soll der Weg der Glaubenserfahrung zu einem Lebensprogramm im Alltag werden. Wie ist diese Verbindung der buddhistischen und christlichen Meditation entstanden?
Indem ein Christ sich unter der Leitung eines weltoffenen buddhistischen Meisters von der östlichen Weise der Meditation ansprechen ließ. Dieser Christ war der schon angesprochene Pater Hugo Makibi Enomiya-Lassalle, ein Jesuit und Japan-Missionar. Und der Buddhist war Yamada Roshi, Leiter einer Zen-Laiengemeinschaft in Kamakura/Japan. Beide waren sie gezeichnet durch das Erlebnis der Atombombe von Hiroshima am 6. August 1945, deren Überlebende und Zeugen sie waren.
Was ist aus dieser Verbindung entstanden?