FERNSEHGOTTESDIENST

ZDF überträgt ersten Queer-Gottesdienst – aus Münster

Ende Oktober zeigt das ZDF einen Gottesdienst aus Münster live im Fernsehen. Welche Kirche ausgewählt wurde und wie es überhaupt dazu kam.

Das ZDF überträgt am 26. Oktober einen Gottesdienst aus Münster live im Fernsehen – allerdings nicht aus einer Pfarrei, sondern die Messe der Queergemeinde Münster. Seit einigen Monaten bereiten sich die Engagierten darauf vor. „Das ist sehr spannend für uns, alle freuen sich darauf“, sagt Bernd Voschepoth im Gespräch mit Kirche+Leben. Er ist Teil der queeren Gemeinde und hat den Fernsehgottesdienst mit vorbereitet.

Die Eucharistiefeier in Münster ist die erste ZDF-Übertragung eines queeren Gottesdienstes, sagt Susanna Juchem. Sie ist Redakteurin bei der Katholischen Hörfunk- und Fernseharbeit der Deutschen Bischofskonferenz. Im Austausch mit der Queergemeinde Münster und dem ZDF bereitet sie den Gottesdienst vor.

Rundfunkbeauftragte schlagen Gemeinden vor

Doch wie wird eigentlich entschieden, aus welcher Kirche ein Fernsehgottesdienst übertragen wird? Juchem erklärt: Die Redakteurinnen und Redakteure der Katholischen Hörfunk- und Fernseharbeit nehmen Kontakt zu den Rundfunkbeauftragten der einzelnen Bistümer auf.

„Die kennen ihre Gemeinden und die Pfarrer sehr gut und wissen oft schon vorher, welche Gemeinde sich das vorstellen könnte“, erzählt Juchem. Und so habe schließlich auch das Bistum Münster vorgeschlagen, den Gottesdienst der Queergemeinde Münster zu übertragen.

Queergemeinde ohne Pfarrei

Die Gemeinde ist keiner Pfarrei zugeordnet. Sie hat somit keine eigene Kirche und die Gottesdienste werden von verschiedenen Priestern zelebriert – meist in der Krypta der Antoniuskirche in Münster. Deshalb war die Vorbereitung des Fernsehgottesdiensts laut Juchem eine ungewöhnliche Herausforderung. Für die ZDF-Übertragung seien sie jetzt allerdings in der St.-Anna-Kirche in Münster-Mecklenbeck zu Gast.

Auch die Gestaltung des Gottesdiensts ist besonders, sagt Voschepoth. Pfarrer Karsten Weidisch stehe zwar als Zelebrant der Messe vor. Doch anstelle einer Predigt allein von ihm werde es ein Predigtgespräch zwischen Weidisch und zwei weiteren Personen geben.

Keine Livesendung ohne Drehbuch

Juchem schrieb schließlich zusammen mit der Queergemeinde das Drehbuch für den Gottesdienst. „Man kann natürlich nicht unvorbereitet in eine Livesendung gehen“, sagt die Redakteurin. Zumal die meisten Beteiligten keine Medienprofis seien, sondern Laiinnen und Laien. Da müsse alles gut vorbereitet und abgesprochen werden.

Teilweise seien durch die Liturgie gewisse Abläufe vorgegeben – so etwa die Lesungstexte des Sonntags.

Thema: „Wer bin ich – für dich?“

Gleichwohl stellt die Queergemeinde Münster ihren Gottesdienst unter das Motto „Wer bin ich – für dich?“. Voschepoth sagt: „Diese Frage stellt sich jeder immer wieder im Leben – ob in der Partnerschaft oder auch in der Kirche.“ Einerseits könnten Gläubige die Kirche und Gott fragen: „Wer bin ich als queerer Mensch für dich?“ Aber auch aus der Sicht Gottes ergäben sich Fragen an die Gläubigen: „Wer bin ich für dich? Spiele ich noch eine Rolle in deinem Leben?“

Die Liveübertragungen der ZDF-Fernsehgottesdienste verfolgen jeden Sonntag etwa eine halbe Million Menschen in Deutschland, so Redakteurin Susanna Juchem. Nach der Ausstrahlung bieten die Pfarrgemeinden einen Telefondienst an. Die Zuschauenden können anrufen und mit Gemeindemitgliedern über den Gottesdienst sprechen.

Nicht nur positives Feedback

Juchem bereitete die Engagierten darauf vor, dass ein queerer Gottesdienst vermutlich nicht nur positives Feedback bekomme.

Auch Voschepoth ist sich dessen bewusst. Der queere Gottesdienst wolle jedoch nicht provozieren, sondern Offenheit zeigen. Diese Absicht unterstreicht auch Juchem. Es gebe mehrere Queergemeinden in Deutschland, die seit vielen Jahren aktiv seien. „Somit gehören sie zu unserer katholischen Bandbreite, die wir abbilden wollen“, so Juchem.

Die Live-Übertragung des ZDF-Gottesdienstes der Queergemeinde Münster beginnt am Sonntag, 26. Oktober, um 9.30 Uhr in der Kirche St. Anna, Dingbängerweg 61 in 48163 Münster-Mecklenbeck. Wer daran teilnehmen möchte, muss bis 9 Uhr in der Kirche sein. Danach ist kein Zutritt mehr möglich, weil die Dreharbeiten vorbereitet werden. Jeden zweiten Sonntag im Monat feiert die Queergemeinde Münster in der Krypta der Antoniuskirche Gottesdienst.

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