„Ankomme, Freitag, den 13., um 14 Uhr, Christine“ – ein Chanson von Reinhard Mey aus dem Jahr 1969, das manche sicher noch kennen. Eine alltägliche Situation wird erzählt, in der ein Telegramm, das die Ankunft der Freundin ankündigt, den Adressaten angesichts des chaotischen Zustands seiner Wohnung unter enormen Druck setzt, bis dieser schließlich merkt: Er hat sich im Datum geirrt und es bleibt noch ein Tag Zeit für die Vorbereitung auf Christines Besuch.
„Ankommen“ im übertragenen Sinn ist oft noch wichtiger. Durch unsere vernetzte Welt und die oft Maßstäbe setzenden Größen im Film-, Musik- und Modegeschäft ist es nicht so leicht, unbeeinflusst vom Mainstream zu bleiben, sich nicht darum zu kümmern, ob mein Outfit, meine Meinungen beziehungsweise ich selbst bei anderen gut ankommen. Die Zahl der Follower auf Social-Media-Kanälen gibt Aufschluss darüber, wer gut ankommt und im Rampenlicht des allgemeinen Interesses steht oder wer ohne Community durchs Raster fällt.
Sehnsucht unter Sorgen
SICHTWEISEN
Ein Wort, ein Bild, ein Gedanke - das sind die “Sichtweisen”, die einmal in der Woche ins Nachdenken bringen wollen, Welten eröffnen, Leben entdecken, Gott suchen helfen. Menschenlebensnah und gottverbunden. Jeder Monat wird von einer Autorin oder einem Autoren textlich gestaltet; die Redaktion von Kirche+Leben sucht zu dem jeweiligen Stichwort frei ein Foto.
Indem Jesus menschliches Leben annahm, zeigte Gott, dass er bei uns ankommen will. Er kleidete sich in die Gestalt eines Menschen und könnte nicht besser ausdrücken, wie sehr ihm an uns gelegen ist, wie sehr er die Nähe des Menschen ersehnt hat. Die Menschwerdung Gottes im historischen Jesus von Nazareth damals – ein Auftakt. Und heute? Ich glaube, dass Gott weiterhin ankommen will: im Herz eines jeden Menschen. Davon sprechen die (Lebens-)Zeugnisse von Menschen, die Gottes Wirken in ihrem Leben erfahren haben – vor vielen Jahren und auch heute noch.
Die drängende Bitte im Advent überhaupt: „Komm, Herr Jesus!“, spricht von der menschlichen Sehnsucht nach Gott, die oft unter Sorgen, Angst und Leid begraben liegt. Und die Ankündigung des Herrn, bald zu kommen, löst möglicherweise in dem einen oder anderen Menschen einen vergleichbaren Schrecken aus, wie Reinhard Mey dies in seinem Chanson schildert. Der Advent lenkt den Blick nicht nur einseitig auf Gottes Kommen vor mehr als 2.000 Jahren und in Zukunft am Ende der Zeit. Vielmehr gilt es auch heute, handelt es sich doch um ein wechselseitiges Geschehen zwischen Gott und Mensch. Wie steht es mit meiner persönlichen Willkommenskultur? Wieviel Aufmerksamkeit verwende ich darauf, um Gottes Wirksamkeit in unserer Welt und Gesellschaft, in meinem persönlichen Leben zu suchen und zu entdecken? Deshalb wohl die Mahnung im Advent: Seid wachsam! Seid bereit! Das Hier und Jetzt ist die Gelegenheit, Gott wahrzunehmen. Oder Martin Buber dazu: „Der Augenblick ist das Gewand Gottes.“
Berührende Zeichen
Anstatt mich im Vielerlei zu verlieren, will ich lieber auf die Zeichen achten, die mich im Innersten berühren, die mir Freude schenken oder auch solche, die mich infrage stellen.
Jeder Advent und jedes Weihnachtsfest öffnen unsere Herzen füreinander und auch für Gott. Und das gilt nicht nur für die frohen, unbeschwerten oder besinnlichen Stunden. Die ausgebreiteten Arme Jesu am Kreuz laden uns in jeder Situation ein: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid!“