Der direkte Verwandte von Wölfen, Schakalen und Haushunden lebt eher nicht im Rudel, sondern als Einzelgänger. Der Fuchs gilt seit der Antike in Märchen und Fabeln als hinterlistiger und gerissener Schlawiner. Die Redewendung „schlau wie ein Fuchs“ ist dem spitzgesichtigen Räuber keineswegs nur durch Geschichten angedichtet. Wo sich andere Tiere zurückziehen, lernt er nicht nur in freier Wildbahn, sondern auch im städtischen Raum durch kluge Taktiken zu überleben.
Er verfügt über ein hochentwickeltes Problemlösungsverhalten, lernt schnell aus Erfahrungen, erfasst Zusammenhänge und kann sein Wissen in raffinierte Strategien umsetzen. Ein bekanntes Beispiel für seinen Überlebensinstinkt ist der strategische Höhlenbau mit mehreren Notausgängen, um bei Gefahr jederzeit aus dem Fuchsbau fliehen zu können.
Geniale Lügengeschichten
SICHTWEISEN
Ein Wort, ein Bild, ein Gedanke – das sind die „Sichtweisen“, die einmal in der Woche ins Nachdenken bringen wollen, Welten eröffnen, Leben entdecken, Gott suchen helfen. Menschenlebensnah und gottverbunden. Jeder Monat wird von einer Autorin oder einem Autoren textlich gestaltet; die Redaktion von Kirche+Leben sucht zu dem jeweiligen Stichwort frei ein Foto.
Der Rotfuchs ist in Europa der am meisten vertretene Wildhund. Als „Reineke Fuchs“ figuriert er als Hauptfigur eines Epos, das bis ins Mittelalter zurückreicht. Der Übeltäter Reineke rettet sich durch geniale Lügengeschichten und ausgesuchte Bosheiten aus allen prekären Lagen und setzt sich am Ende gegen seine Widersacher als Sieger durch. Der Fuchs taucht in Volksliedern und Kinderreimen auf, die seine Intelligenz und Wachsamkeit, sein schnelles Rennen oder sein rotes Fell beschreiben.
In den biblischen Geschichten zeigt der Fuchs oft Eigenschaften wie List, Täuschung und zerstörerischen Einfluss. Die Bibelstellen lehren uns, aufmerksam zu sein, kleine Probleme ernst zu nehmen, Wahrheit von Irrtum zu unterscheiden und verantwortungsvoll zu handeln. Die Symbolik des Fuchses bleibt aktuell und hilfreich für das persönliche und geistliche Leben.
Simson und Herodes
Simson nutzte Füchse für eine feurige Rache durch dreihundert Füchse, die er mit brennenden Fackeln in die Felder der Philister laufen ließ, damit das Korn, ebenso die Weingärten und die Ölbäume verbrannt würden (Ri 15). Im Hohenlied (2,15) klagt der Geliebte, die kleinen Füchse verwüsteten die Weinberg. Sie stehen symbolisch für die kleinen Probleme und Sorgen, die die zarte Liebe (den „Weinberg“) zerstören. Der Prophet Ezechiel vergleicht die falschen Propheten mit „Füchsen in den Ruinen“ (13,4) und kritisiert ihren Opportunismus.
Jesus prangerte scharf die Arglist des Herodes und seine Unrechtmäßigkeit als Herrscher an, indem er ihn beleidigend als „Fuchs“ bezeichnet (Lk 13,32). Einem Schriftgelehrten, der ihm spontan nachfolgen will, verdeutlicht er, wie radikal und heimatlos sein Wanderleben ist. Selbst Tiere haben ihren sicheren Rückzugsort, während er selbst wohnsitzlos umherzieht: „Die Füchse haben ihre Höhlen, aber der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann“ (Mt 8,20).
Ein wunderbarer Naturfilm „Der Fuchs und das Mädchen“ (2007) zeigt ein viel positiveres Bild dieses Tieres. Lila zieht vom schlauen Fuchs die Lehre: Liebe hat nichts mit Besitzen zu tun. Wer jemanden liebt, muss seine Lebensweise respektieren und darf ihm niemals die Freiheit rauben.