„Da werde ich mich beschweren!“, – so lautet ein meist mit Nachdruck formulierter gängiger Satz, wenn sich jemand über dies oder das ärgert und seinem Ärger endlich einmal Luft machen will bei jemandem, von dem erwartet wird, das Ärgernis beseitigen zu können. Im Stillen denke ich dann manchmal: Sich zu beschweren, macht es nicht leichter. Wer sich beschwert, so unsere Sprache, muss am Ende mit noch größerem Verdruss rechnen und trägt womöglich Beschwerden davon.
Die Beschwerdebox bereits in Kitas, der Kummerkasten im Klassenzimmer, gelegentlich auch Meckerkiste genannt, das Beschwerdemanagement in Unternehmen oder auch Rezensionen im Internet zu Praxen und Krankenhäusern, Hotels und Restaurants und in vielen anderen Bereichen zeigen, wie sehr das Beurteilen, Beschweren und Klagen zu unserem Alltag gehört. Weniger emotional und eher sachlich orientiert, ist dagegen eine Feedbackkultur, bei der durch gezielte Fragen eine Reflexion gelenkt wird. Dennoch: Auch dabei nutzen manche die Gelegenheit, um erst einmal deutlich „abzurechnen“ und ihr Missfallen auszudrücken.
Von Negativem bestimmt
SICHTWEISEN
Ein Wort, ein Bild, ein Gedanke - das sind die “Sichtweisen”, die einmal in der Woche ins Nachdenken bringen wollen, Welten eröffnen, Leben entdecken, Gott suchen helfen. Menschenlebensnah und gottverbunden. Jeder Monat wird von einer Autorin oder einem Autoren textlich gestaltet; die Redaktion von Kirche+Leben sucht zu dem jeweiligen Stichwort frei ein Foto.
Klagen und das Sich-beschweren sind an der Tagesordnung, selbst wenn gelegentlich eingestanden wird, es handle sich um ein Klagen „auf hohem Niveau“.
Ein völlig anderer Ansatz begegnet uns am 3. Adventssonntag. Er steht unter dem Aspekt der Freude, wie es seine lateinische Bezeichnung „Gaudete!“ nahelegt. Ins Deutsche übersetzt heißt es genau „Freut euch!“ und stellt damit eine eindringliche Aufforderung dar. Das ist im Hinblick auf den Klagemodus, der unser Reden prägt, dringend erforderlich, denn wir lassen uns doch oft stark von Negativem bestimmen.
Eine Frage der Entscheidung
Noch warten wir auf Weihnachten. Bekanntlich ist jedoch Vorfreude die schönste Freude, wie es der Volksmund weiß. So wirft der Advent am dritten Sonntag schon einen Blick auf das Entscheidende dieser Zeit: der Geburtstag eines Kindes steht nahe bevor. Zwar müssen wir uns noch gedulden, aber die Ankunft des Gottessohnes, die Erfüllung unserer Sehnsucht rückt in greifbare Nähe. Diese Zeit will uns einstimmen auf das bevorstehende Fest, damit wir nicht unsere alten Klagelieder singen, sondern wir als frohe Menschen neue Lieder anstimmen.
Die Entscheidung liegt bei jeder und jedem Einzelnen: Bleibe ich Negativem verhaftet oder wende ich mich ab von ärgerlichem Kleinkram, der mir die Stimmung verhagelt? Es ist sicher nicht immer so einfach, meine Gedanken bewusst auf etwas Positives zu lenken, auf Schönes, auf all das, was in mir lebt, was mir gelungen ist. Es bedarf einer klaren Absage gegenüber den Beschwernissen. Stattdessen will ich mich mit dem befassen, was mich erfreut, wodurch mir das Herz aufgeht und womit ich andere beglücken kann.
Ich selbst wähle für die Zeit bis Weihnachten Schriftworte, die mich im Meditieren in die Freude einüben:
„Die Freude am Herrn ist eure Stärke.“ (Neh 8,10)
„Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Eure Güte werde allen Menschen bekannt. Der Herr ist nahe.“ (Phil 4,4f)