SICHTWEISEN

Metanoia

Ein griechisches Wort, übersetzt: Umkehr. Doch ist das verständlicher? Ein erhellender Gedanke zur Bußzeit.

11. März 2026

Text: Hendrik Roos | Foto: Frauke Scholz (imagebroker / Imago)

„Kehre um und glaube an das Evangelium!“ – vielleicht begleitete Sie dieser Satz bei der Spendung des Ascherkreuzes hinein in die Fastenzeit.

Das Wort Umkehr wird vom griechischen Begriff Metanoia abgeleitet, doch wie so häufig verbirgt sich hinter diesem griechischen Wort viel mehr, als wir letztlich im Sprachgebrauch anwenden. So bedeutet es auch so viel wie: ein neues Denken, ein neues Wahrnehmen, ein inneres Neuausrichten – weg von dem, was mich gefangen nimmt, hin zu dem, was Leben verheißt. Umkehr hingegen verbinde ich unmittelbar mit einem Zurückkehren an einen bestimmten Punkt. Und das irritiert mich aus zweierlei Gründen.

Zwei Irritationen

Ich möchte zum einen gar nicht behaupten, dass ich nicht an diese Punkte gerate, an denen ich mich falsch beziehungsweise für einen Irrweg entschieden habe und auch gewiss noch entscheiden werde. Es kommt vor, dass ich Wege gehe, die nicht gut für mich sind. Dann lasse ich mich ablenken, bin zu bequem oder unaufmerksam. Dennoch ist es geschehen und nicht korrigierbar – im Gegenteil: Jeder Irrweg ist ebenso Teil meines Lebensweges wie jeder andere Wegabschnitt auch. Selbst wenn ich umkehren würden, ist das nicht umzukehren. 

Zum anderen werde ich doch nicht zum Ungläubigen, nur weil ich für einen kurzen Moment schwach war. Noch viel weniger mag ich mir vorstellen, dass Gott an einem solchen Punkt einfach stehen bleibt und mich allein weiterlaufen lässt, sollte ich den falschen Weg nehmen. Ich bete, dass es nicht so ist.

Ein Gott, der mitgeht

SICHTWEISEN
Ein Wort, ein Bild, ein Gedanke - das sind die “Sichtweisen”, die einmal in der Woche ins Nachdenken bringen wollen, Welten eröffnen, Leben entdecken, Gott suchen helfen. Menschenlebensnah und gottverbunden. Jeder Monat wird von einer Autorin oder einem Autoren textlich gestaltet; die Redaktion von Kirche+Leben sucht zu dem jeweiligen Stichwort frei ein Foto.

Mein Vertrauen in Gott rührt darin, dass er nicht einfach an Scheitelpunkten meines Lebens wartet, bis ich den Weg zurückgefunden habe, sondern dass er mit mir geht, vor allem dann, wenn ich mich falsch entscheide. Denn dann benötige ich ihn als Kompass doch am dringendsten. Ginge er nicht mit und ließe mich allein, was brächte dann mein Innehalten und Hinhören? 

So lehren doch die biblischen Geschichten, dass Jesus die vielen Menschen nicht erst nach ihrer Umkehr angenommen hat, sondern seine Zuwendung der Grund für zahlreiche lebendige Zeugnisse der Umkehr war. Seine Nähe hat einen neuen Weg geöffnet, nicht eine Sackgasse aufgezeigt.

Ja sagen zu Gott

Es ist gut, dass wir Riten und Zeiten wie die Fastenzeit haben, die uns anstoßen, unsere Ausrichtung zu überprüfen. Genauso wichtig ist es auch, uns gegenseitig daran zu erinnern, dass wir uns immer wieder neu auf Gott hin ausrichten dürfen. Denn Gott will mit uns durchs Leben gehen. Damit ich mir dessen bewusst werde, da bin ich mir sicher, lässt er mich seine Gegenwart spüren. Das schließt nicht aus, dass ich mich nicht zu falschen Entscheidungen verleiten lassen. Die Herausforderung liegt im Hinhören, nicht im Entscheiden.

Metanoia heißt für mich: Raum für Gott geben und mit ihm gehen, denn er steht bereits neben mir – wo immer ich auch stehe – und lädt mich ein, gemeinsam weiterzugehen. Eine gesegnete Fastenzeit!