Zugegeben, die Sonnenblumen-Saison ist noch nicht so richtig in Schwung gekommen, aber es gibt kein anderes Gewächs in Gottes großem Garten, das derart laut und überzeugend „Sommer! Sommer! Sommer!“ zu rufen scheint. Ein rundes, freundliches, goldiges Gesicht, das sich nicht nur fraglos zur Sonne hin ausrichtet, sondern das auch so aussieht wie sie: gelb, strahlend – und warm ums Herz wird einem auch.
Endlich steht er also im Kalender, der Sommer, und verspricht drei Monate lang Wärme, blauen Himmel, bunte Blumen, pures Wohlfühlen. Ob es so weit kommt, ist eine andere Frage. Aber erst einmal steht da das Versprechen überm neuen Quartal: „Sommer“. Man soll sich nicht verrückt machen oder sich von Skepsis und Pessimismus runterziehen lassen. Dafür ist der Winter besser geeignet.
Grönland und der Sonnenschutz
Nachdenklich sollte bestenfalls die Tatsache machen, dass der 21. Juni, an dem der Sommer das Regiment übernimmt, im deutschsprachigen Raum zugleich der „Tag des Sonnenschutzes“ ist. Natürlich sind zweistellige Schutzfaktoren unerlässlich – aber muss man denn gleich am ersten Sommertag auf die Schattenseiten der Saison zu sprechen kommen? Ist doch schon traurig genug, dass ab dem 21. Juni die Tage schon wieder kürzer und die Nächte länger werden.
Dass der 21. Juni auch der Nationalfeiertag des eisigen, aber auch wunderbar widerspenstigen Grönland ist – damit kann man leben. Zum einen ist Grönland weit genug weg, zum anderen kann der Gedanke ans Ewige Eis vielleicht etwas Kühlung in überhitzte Gemüter und schwitzende Körper fächeln.
Lungern, dösen, pennen
SICHTWEISEN
Ein Wort, ein Bild, ein Gedanke - das sind die “Sichtweisen”, die einmal in der Woche ins Nachdenken bringen wollen, Welten eröffnen, Leben entdecken, Gott suchen helfen. Menschenlebensnah und gottverbunden. Jeder Monat wird von einer Autorin oder einem Autoren textlich gestaltet; die Redaktion von Kirche+Leben sucht zu dem jeweiligen Stichwort frei ein Foto.
Was ist sonst noch los am 21. Juni? Auf den ersten Blick nicht viel. Der „Internationale Tag der selbstgemachten Musik“ wäre zu nennen oder der „Welthumanistentag“. Interessant ist der „Weltyogatag“; ganz ähnlich, aber viel passender und sicherlich beliebter aber der nur in Deutschland zu begehende „Tag des Schlafes“! Das lasse ich mir doch gefallen am 21. Juni!
Der Sommer mag viele zu den tollsten Aktivitäten animieren – aber er ist und bleibt vor allem die Zeit der Ferien, des Urlaubs, des Ausruhens: nichts tun, faulenzen, auf der Sonnenliege lungern, dösen, träumen, pennen – her damit! Mag es im Tierreich den Winterschlaf geben, ich kenne definitiv auch den Sommerschlaf. Und ich liebe ihn! Was gibt es Schöneres, als im Schatten liegend die Augen zu schließen, sich den warmen Wind um die Nase wehen zu lassen und alle Anspannung der ersten Jahreshälfte aus den Knochen zu schlafen!
Der üble Mittagsdämon
Manchen Mönchsvätern übrigens war das unheimlich. Sie sahen im Nickerchen während der ärgsten Hitze sogar den „Mittagsdämon“ am Werk – jenen Teufel, der die Mönche in der Mitte des Tages befällt. Psalm 91 spricht sogar von einer „Seuche, die wütet am Mittag“.
Später nahmen die Mönche diese teuflische Trägheit aber auch humorvoll. Ein gewisser Johannes Climacus etwa schreibt im siebten Jahrhundert schmunzelnd über derart befallene Brüder: „Während des Stundengebets schafft der Dämon Angstzustände, Kopfschmerzen, Fieber und Übelkeit. Beim Nahen der neunten Stunde aber, der Stunde der Mahlzeit, tritt beim Bettlägerigen eine kleine Besserung ein. Ist der Tisch gedeckt, springt er von seiner Matratze. Naht sich jedoch die Zeit des Gebets, wird sein Leib aufs neue schwer.“
Die göttliche Siesta
Teufel, Seuche, Dämon? Jeder Italiener oder Spanier würde seine Mama und den Papst darauf verwetten, dass der liebe Gott persönlich die Siesta erfunden hat: eine ordentliche Mittagspause zwischen zwölf und vier Uhr. Mindestens. Doch nicht umsonst sagen die Römer: „Während der Siesta im Sommer sieht man auf der Straße nur Hunde – und Deutsche.“
Es scheint uns eben nicht im Blut zu liegen, einfach Fünfe gerade und den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen. Aber wir können uns ja ändern! Ganz im Sinn einer europäischen Inkulturation, die sich den Sitten (Süd-) Europas anpasst, wäre der Sommer die ideale Trainings-Zeit. Egal also, wo: Schlafen Sie schön!