Unzählige Lieder haben ihn besungen: „Somewhere over the rainbow“, „irgendwo jenseits des Regenbogens“ werden Träume wahr. Der Regenbogen ist ein Naturschauspiel, das immer noch größten Eindruck hinterlässt. Auch wenn wir vielleicht wissen, dass der wohl bekannteste Photometeor nach Regen- oder Gewitterschauern durch Sonnenlichtreflexion in den je wie ein winziges Prisma wirkenden Regentropfen entsteht.
Der Betrachter sieht mit der Sonne im Rücken auf die Regenwand. Der Bogen versammelt bis zu sieben Spektralfarben in sich, sieben ungemischte, reine, nicht weiter zerlegbare Farben von Rot über Orange, Gelb, Grün, Blau und Indigo bis Violett. Über das wissenschaftlich erklärte Phänomen hinaus faszinieren Regenbögen.
Was Regenbögen symbolisieren
Sie strahlen eine besondere Harmonie aus. In den religiösen Vorstellungen der Menschheit verbinden sie Götter und Menschen, Himmel und Erde und symbolisieren Versöhnung.
Für die Inkas äußerte sich im Regenbogen die Erhabenheit der Gottheit Sonne. In der griechischen Mythologie stieg die Götterbotin Iris auf dem Regenbogen zur Erde nieder. Im alten Indien galten die sieben Farben als sieben Schleier der Maya, hinter denen sie die bunte Welt erschuf. Ähnlich in Ägypten als sieben Schleier der Isis, einer anderen großen Mutter.
Was der Volksglaube besagt
SICHTWEISEN
Ein Wort, ein Bild, ein Gedanke – das sind die „Sichtweisen“, die einmal in der Woche ins Nachdenken bringen wollen, Welten eröffnen, Leben entdecken, Gott suchen helfen. Menschenlebensnah und gottverbunden. Jeder Monat wird von einer Autorin oder einem Autoren textlich gestaltet; die Redaktion von Kirche+Leben sucht zu dem jeweiligen Stichwort frei ein Foto.
In China wird der Regenbogen als Vereinigung von Yin und Yang gesehen, der einander entgegengesetzten und doch aufeinander bezogenen Kräfte, als Zeichen für die Harmonie des Universums. Buddha benützt die siebenfarbige Treppe für den Abstieg vom Himmel. Im Islam stehen die sieben Regenbogenfarben als Zeichen für die auf die Erde gespiegelten göttlichen Qualitäten.
Der Volksglaube deutet den Regenbogen als Glücksbringer, insbesondere für Liebende. Dort, wo er die Erde berühre, seien Schüsseln voller Gold zu finden. Den heutigen Menschen gilt der Regenbogen als Symbol für Ganzheitlichkeit, Harmonie, Frieden und Naturschutz. Er verbindet Himmel und Erde, er wirkt weltumspannend und vereinend. Diese Naturerfahrung spricht die Sinne direkt an.
Das Zeichen des Bundes
Im Ersten Testament wird er als Zeichen des Friedensbundes Gottes mit den Menschen angesehen und zugleich als Erinnerung und Auftrag, diese große Gabe zu bewahren. Nach der verheerenden Sintflut, die alles Leben auf Erden dahinraffte – bis auf die Arche Noachs – setzt den Regenbogen in die Wolken als Geste der Versöhnung und des Bundes: „Das ist das Zeichen des Bundes, den ich stifte zwischen mir und euch und den lebendigen Wesen bei euch für alle kommenden Generationen: Meinen Bogen setze ich in die Wolken; er soll das Bundeszeichen sein zwischen mir und der Erde.“ (Gen 9,12f). Wenn dieser Bogen erscheint, erinnert sich Gott beim Anblick des Versöhnungssymbols an den Bund zwischen ihm und den Menschen, so dass nie mehr die Vernichtung über die Erde zieht.
Wenn Donner und Blitz, dunkle Wolken und furiose Gewitter uns Angst machen wollen, dann erscheint zum Ausgleich in die danach werdende Ruhe und die erfrischt aufatmende Natur hinein der Regenbogen in seiner Schönheit. Das Unheimliche hat seine Zeit, aber keine Dauer. Es wird abgelöst vom Schönen und Guten.
Diese Naturerfahrung hat man gerne auf Gott übertragen: Hinter allem Fremden, Fernen, Unverständlichen steht der uns zugeneigte Gott, der seinen Kriegsbogen in die Wolken hängt, mit dem er die Chaosmassen zurückgedrängt hat, und ein Ende des Kampfes und eine neue friedliche Ordnung signalisiert. „Wilde Stürme, Kriegeswogen rasten über Hain und Dach; ewig doch und allgemach stellt sich her der bunte Bogen“ (Johann Wolfgang von Goethe).