SICHTWEISEN

Vorrat

Was macht unser Leben reich? Und: Wissen wir um den bleibenden Reichtum? Eine Einladung in besondere Schatzkammern.

25. Februar 2026

Text: Vera Krause | Foto: Markus Nolte

Museen empfinde ich als wunderbare Orte. Zum Entdecken, zum Lernen, zum Staunen, zum Träumen… Zeit vergessen, weil ich mich mitreißen lasse von dem, was sich zeigt. Historische Zusammenhänge verstehen oder einfach eintauchen in Farbe oder Formen. Einer Pinselführung folgen. Risse wahrnehmen. Sensibel werden auch für das Unsichtbare, für die Geschichte hinter einem Werk: Zeitumstände. Lebensläufe. Schicksale. Motivationen. Ideen. Bereitwillig lasse ich mich entführen in vergangenen Welten. Oder in die Gegenwart, von der ich alltäglich ja immer nur einen kleinen Ausschnitt mitbekomme.

Ich genieße es, im Museum stets mehr zu sehen, als es mir allein möglich wäre. Die Ausstellungsmacher:innen nehmen mich mit, lassen mich aus einem bestimmten Blickwinkel schauen oder mit einer bestimmten Fragestellung unterwegs sein. Ich bin dankbar um die Perspektiven, die Einblicke, Erfahrungen und Erkenntnisse, die ich so dazugewinne.  Mich erreicht das im Innersten. Ein Schatz, der sich nach und nach ansammelt. Unbezahlbar. Wunderbar.

Museum statt Arztbesuch

SICHTWEISEN
Ein Wort, ein Bild, ein Gedanke - das sind die “Sichtweisen”, die einmal in der Woche ins Nachdenken bringen wollen, Welten eröffnen, Leben entdecken, Gott suchen helfen. Menschenlebensnah und gottverbunden. Jeder Monat wird von einer Autorin oder einem Autoren textlich gestaltet; die Redaktion von Kirche+Leben sucht zu dem jeweiligen Stichwort frei ein Foto.

Die tiefe, berührende Kraft, die das (auch für mich) hat, bringt Thomas Schlesser in seinem Roman „Monas Augen“ ins Wort. Da übernimmt auf Bitten der Eltern ein Großvater die Begleitung seiner Enkelin zu ihrem wöchentlichen Besuch beim Kinderpsychiater. Die Verunsicherung über den noch unklaren Verlauf einer Erkrankung des Mädchens beherrscht den Moment. Der Großvater entscheidet sich anstatt des Arztbesuchs zum wöchentlichen Besuch der großen Pariser Museen. Er sagt sich: „Falls das Unglück wollte, dass Mona eines Tages für immer erblindete, könnte sie so wenigstens auf einen Vorrat an visuellen Schätzen in den Tiefen ihres Geistes zurückgreifen.“

„Ein Vorrat an visuellen Schätzen in den Tiefen meines Geistes…“ Auch diese Worte sind für mich Geschenk. Denn sie bringen mich unmittelbar in Berührung mit noch einem anderen visuellen Schatz, aus dem ich tatsächlich lebe, an guten wie an schlechten Tagen: den (Gottes-)Bildern der Bibel.  

Bilder-Geschichte Gottes

Von der ersten bis zur letzten Seite erzählt die Bibel von Gott. Zwischen Offenbarung und Mysterium bleibt es spannend. Menschen erfahren Gott größer oder kleiner, lauter oder leiser, näher oder ferner. Häufig anders als gedacht, befürchtet, ersehnt. Und doch ist es ein Gott, der Augen hat und Ohren, Herz und Verstand, Mund und Hände. Er schafft und spricht, sieht und hört, schreit und verstummt, rettet und verwirft. All das fasst die biblische Überlieferung in eine Vielzahl großartiger, wunderbarer Bilder: Fels, Hirte, Liebhaber des Lebens, Quelle, Töpfer, Kriegsherr, Licht, unsere Gerechtigkeit, Knecht, König, Löwe, meine Zuflucht, Sturm, Gefährte. 

Aus Bildern, so bunt oder so grau wie das Leben, knüpfen die Schreiber:innen aus alter Zeit behutsam einen ganzen Bilderteppich. Und in diese große Bilder-Geschichte Gottes mit den Menschen darf ich meine kleine Bilder-Geschichte mit Gott hineinweben. Auch das: Unbezahlbar. Wunderbar – und immer für eine Überraschung gut.