SICHTWEISEN

Wurmfraß

Die kleinen Kriecher können für mächtig Schäden sorgen. Und ekelig sind sie für die meisten auch. Die Bibel findet sie sogar höllisch!

16. September 2026

Text: Pater Daniel Hörnemann OSB | Foto: Frank Sorge (Imago)

Von Würmern angestochen, befallen, zerfressen. Vom Apfel über Bücher bis zu Möbeln – alles ist zerstörerischen Würmern ausgesetzt. Hier sitzt der Wurm drin! Mit Würmern assoziieren wir etwas Unangenehmes, Ekliges, Kriechendes, im Dunklen Wirkendes. Als Computer- oder Handybenutzer machen einem sogenannte „Würmer“ das Leben zur Hölle: Ein Computerwurm verbreitet sich über Netzwerke, etwa durch das Versenden infizierter E-Mails, und richtet gewaltige wirtschaftliche Schäden an. Diese nur virtuelle Realität ist ein Stück „Hölle“ für Computerbenutzer und eine ganze Industrie versucht alles, um sich vor den Schädlingen zu schützen.

Würmer gehören bereits in der Biologie zu den Destruenten, Zerstörern, die etwa Leichenteile zu Mineralstoffen zersetzen. Jesus treibt mit übertriebenen Bildworten seine Botschaft auf die Spitze und provoziert seine Zuhörer damit. So spricht er von der „Hölle, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt“ (Mk 9,48). In radikaler Schärfe wendet er sich gegen jede Bedrohung des Glaubens. Es gibt von außen Gleichgültigkeit und Unverständnis Außenstehender bis hin zur Anfeindung des Glaubens. Aber es gibt sehr wohl die Gefährdung von innen, die Verdunstung des Glaubens und das Dahinschwinden der Glaubensgemeinschaft.

Hölle!

SICHTWEISEN
Ein Wort, ein Bild, ein Gedanke – das sind die „Sichtweisen“, die einmal in der Woche ins Nachdenken bringen wollen, Welten eröffnen, Leben entdecken, Gott suchen helfen. Menschenlebensnah und gottverbunden. Jeder Monat wird von einer Autorin oder einem Autoren textlich gestaltet; die Redaktion von Kirche+Leben sucht zu dem jeweiligen Stichwort frei ein Foto.

Da ist der „Wurm“ drin! Die schockierenden Bilder wollen aufrütteln. „Wurm“, „Feuer“ und „Hölle“ nach dem Evangelium sind eindeutig negative besetzte Symbolwörter. Aber sind sie „nur“ symbolisch zu verstehen? Keines der Worte Jesu hat deswegen weniger Gewicht, nur weil er in Gleichnissen und Symbolen gesprochen hat. Ganz im Gegenteil, wir können uns der Herausforderung gerade seiner Bildworte nicht entziehen.

Die Hölle wird als Ort unauslöschlichen Feuers vorgestellt, wo der Wurm – Symbol der Verwesung der Leichen – nicht stirbt, das heißt die Vernichtung andauert. Lass es nicht dahin kommen, dass du dort landest, wo die doppelte Vernichtung – Wurm und Feuer – wirkt, wo es nur noch Tod und Gottesferne gibt. Diese furchtbare Möglichkeit soll mit allen Mitteln und Kräften ausgeschlossen werden. Vielmehr soll die Gottesbeziehung über alle Grenzen, selbst die von Tod und Vernichtung, hinweg bewahrt bleiben.

Die wahren Schätze

Jesus will uns in aller Radikalität an die zerstörerischen Kräfte erinnern, die in uns und um uns herum am Werk sind. Jesus warnt vor der Gefahr der endgültigen Gottesferne. Er benutzt solch drastische Bilder, um uns vor Augen zu führen, dass das Leben in der Beziehung zu Gott so wertvoll ist, dass sich dafür jeder Einsatz lohnt. Alle Ursachen für einen Glaubensabfall sollen beseitigt werden, alles Skandalträchtige, was Anstoß gibt, was den Abfall vom Glauben und den endgültigen Heilsverlust verursacht. 

Die Forderung zielt darauf, alles aufzugeben, was von Gott trennen kann. Jesus will uns vor dem Gottesverlust bewahren und unmissverständlich darauf hinweisen, wo unsere wahren Schätze liegen. Sie bestehen nicht aus Kleiderstoffen oder Edelmetallen, erst recht nicht aus unrechtmäßig erworbenen Gütern. Da ist der Wurm drin. Die Bibel spricht Klartext, ob uns das gefällt oder nicht.