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Weihbischof Wilfried Theising: Die Boten sind die Bedürftigen

Auslegung der Lesungen vom 15. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr B

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Nichts als einen Wanderstab sollen die Apostel mitnehmen, als Jesus sie aussendet. Doch er ist bei ihnen und weiß, was sie erwartet. Weihbischof Wilfried Theising aus Vechta erläutert in seiner Schriftauslegung, worum es geht.

Es ist ein Skandal. Gott schickt Amos, einen Viehzüchter als Propheten zu seinem Volk. Für Amos eine Zumutung, mehr noch für die Menschen, die ihn hören. Insbesondere die Reichen und Mächtigen sind empört. Er kritisiert ihr Verhalten und droht in seiner Prophezeiung den Untergang an.

Wer geht als Prophet schon gerne mit schlechten Botschaften zu den Menschen? Das kann lebensgefährlich werden. Und ändern die Menschen auf ein solches Wort hin ihr Leben? Lohnt es sich, dafür Leib und Leben zu wagen?

Drohbotschaften kommen nicht gut an

Die Lesungen vom 15. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B) zum Hören finden Sie hier.

Widerstand bekommt Amos durch den Priester Amazja zu spüren. Er schickt ihn weg mit der Aufforderung, woanders seine unerträgliche Botschaft zu verkünden. Drohbotschaften kommen nicht gut an. Die Ablehnung des Amos verwundert nicht. Er lässt sich aber nicht mundtot machen, sondern verweist auf den Auftrag, den er vom Herrn erhalten hat.

Die Zwölf, von denen im Evangelium die Rede ist, haben es da nicht besser. Sie werden zwar zu zweit ausgesandt. Das gibt Sicherheit und die Möglichkeit, sich gegenseitig zu ermutigen, wenn es schwierig wird. Sie sind jedoch nicht für ihre Aufgaben ausgebildet. Mitnehmen dürfen sie materiell gesehen nichts außer einen Wanderstab und das, was sie am Leib tragen. Allerdings haben sie Vollmacht über die unreinen Geister. Die Zwölf sind auf Gastfreundschaft angewiesen. Sie brauchen Menschen, die ihnen vertrauen und ihnen Obdach, Essen und Trinken bieten.

Jesus selbst ist das Vorbild

Gastfreundschaft ist eine herausragende Form der menschlichen Begegnung. Jesus wird vielfach in der Bibel als der gezeigt, der Gastfreundschaft in Anspruch nimmt. Dabei gelingt es ihm immer wieder, das Herz des Gastgebers für die Frohe Botschaft zu öffnen. Wo Jesus bei den Menschen ist, haben die unreinen Geister keine Kraft mehr. Sie verlieren ihre Macht und vergehen.

Jesus selbst ist das Vorbild für die Zwölf. Sie sind mit ihm unterwegs und wissen, worauf sie sich einlassen. Ihre Armut ist ihre Stärke, ihre Bedürftigkeit der Schlüssel zu den Herzen der Menschen. Natürlich besteht die Möglichkeit, dass sie abgewiesen werden. „Iss dein Brot woanders“ kann man mit Amos 7, 12 sagen. Aber Ablehnung soll nicht zur Verzagtheit führen. Die Menschen sind frei in der Entscheidung, die Zwölf aufzunehmen oder nicht. Wer sie aufnimmt, wird vielleicht erst später wahrnehmen, nicht der Gebende, sondern der Beschenkte zu sein.

Überreich ausgestattet

Der Autor
Weihbischof Wilfried Theising.
Wilfried Theising, Weihbischof und Offizial des Offizialatsbezirks Oldenburg. | Foto: Johannes Hörnemann (bpv)

Wie ist das eigentlich heute, wenn die Boten Jesu zu den Menschen kommen? Welchen Auftrag und welche Botschaft haben sie? Werden sie noch als Bedürftige wahrgenommen? Ist die Begegnung nicht immer bereits im Kalender fest eingeplant und zeitlich begrenzt?

Vieles ist heute anders als zur Zeit der Zwölf. Aber die Grundfragen und -bedürfnisse der Menschen sind sicher geblieben. Die Gastfreundschaft ist weiterhin eine besonders schöne Weise menschlicher Begegnung. Auch heute werden dabei Herzen für die Frohe Botschaft geöffnet.

Bleiernes Schwergewicht

Die Gesandten Jesu kommen mit allem Segen des Geistes (zweite Lesung). Dadurch sind sie überreich ausgestattet und brauchen die materiellen Dinge nicht, die nur Ballast sind. Der Segen des Geistes hingegen beflügelt. Er ist nicht schwer zu tragen und ermüdet nicht. Die Zwölf tragen keine Last und bringen den Menschen keine Lasten.

Wer auf die heutige Situation der Kirche schaut, hat aber durchaus das Gefühl von Ballast und Schwere. Da ist vielfach nicht eine Unbeschwertheit wahrzunehmen, sondern bleiernes Schwergewicht. Die Ausgesandten tragen so viel mit sich herum, dass der Weg mühsam ist und es nicht recht vorangeht. Konzentration auf das Wesentliche scheint notwendig zu sein.

Mut zum Loslassen

Die Absicherung für alle Eventualitäten ist eine Versuchung, die nicht zum Ziel führt, sondern lähmt und unbeweglich macht. Natürlich gehört Mut dazu, loszulassen und sich mit dem Wanderstab zu begnügen. Aber das gibt zugleich Freiheit und Dynamik für den Weg und Offenheit für Überraschungen.

Wer für alles gerüstet sein will, der will im Grunde nichts Überraschendes erleben und begrenzt sich mit sich selbst und dem, was im Gepäck ist. Wer aber zu viel im Gepäck hat, will selber nicht mehr bedürftig sein und abhängig von der Zuwendung anderer Menschen.

In der Gemeinschaft mit Christus, so sieht es Paulus im Epheserbrief, liegt der Segen für die Zwölf und uns alle. Diese Gemeinschaft ist es, die unsere Gabe ist, die wir mit uns und in uns tragen. Das sollte genügen.

Sämtliche Texte der Lesungen vom 15. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B) finden Sie hier.

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