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Mahnwache von KFD und „Maria 2.0“ am Weltfrauentag

100 Frauen fordern vor Xantener Dom Zulassung zum Diakonat

100 Frauen  haben in Xanten für Frauenrechte und Zulassung zum Diakonat demonstriert. Die Anlässe der Aktion von KFD und "Maria 2.0": Weltfrauentag und das Jubiläum "50 Jahre Ständiger Diakonat", das im Dom gefeiert wurde.

„Jetzt! Gleich und berechtigt!“ 100 Frauen vom Niederrhein haben sich zu beiden Seiten des Südportals am Xantener Dom aufgestellt und machen lautstark auf ihre Forderungen aufmerksam. Was sie fordern, steht in großen Buchstaben auf den Plakaten: Gleichberechtigung in der Kirche und die Zulassung zum Frauendiakonat. Schon seit zehn Uhr haben sie sich vor dem Dom aufgestellt, um die Frauen und Männer, die auf dem Weg in den Jubiläumsgottesdienst „50 Jahre Ständiger Diakonat“ sind, auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Kerzen in Weckgläsern, auf denen die Forderung nach Gleichberechtigung geschrieben steht, weisen den Weg zum Dom.

Organisiert haben diese Demonstration der Diözesanverband des Katholischen Frauenverbandes (KFD) und die Initiatorinnen von „Maria 2.0“. „Ich bin sehr froh, dass sich von beiden Seiten des Rheins Frauen nach Xanten aufgemacht haben, um sich unseren Zielen anzuschließen“, sagt Ulrike Göken-Huismann, Geistliche Leiterin im Bundesvorstand der KFD. Es gehe um einen Neubeginn, um Transparenz und Gleichberechtigung in der Kirche. Sie trete für eine Kirche ein, die niemanden ausschließe, sagt sie. Für Beatrix Bottermann, stellvertretende Diözesanvorsitzende der KFD, geht es darüber hinaus auch um die Situation in den Gemeinden.

Hildegard Kösters (69): Man versagt uns die Menschenrechte

Unter den Demonstrantinnen ist auch Hildegard Kösters aus Dingden. Die 69-Jährige wohnt neben der Kirche. In den 90er Jahren hat sie sich in der Kirche sehr engagiert, angezogen von den Themen „Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung“. „Dafür habe ich gebrannt“, erinnert sie sich. Aber im Lauf der Jahre habe sie aufgegeben. Die Sache verlief im Sand, resümiert sie die Entwicklung in der Kirche. „Jetzt kommen die Frauen wieder aus ihren Löchern. Vielleicht passiert ja doch noch einmal was“, meint sie. Es müsse den Männern doch wie Schuppen von den Augen fallen, dass sie in einer Blase lebten, die endlich aufbrechen müsse.

Hildegard Gaske (72): Jesus hat nicht Macht verteilt, sondern berufen

Auch Hildegard Garske hofft, dass nun die Zeit der Veränderung gekommen ist. Deshalb steht die 72-jährige Xantenerin in der Reihe der Frauen. „Bisher wurden die Frauen doch von Männern in der Kirche schwindelig geredet, wie wertvoll sie sind. Aber man versagt uns in der katholischen Kirche die Menschenrechte“, empört sie sich. Solange die Frauen den ihnen zugewiesenen Platz – dienen, freundlich sein, für Ausgleich sorgen und Mutter sein – ausfüllten, sei alles gut. „Doch wenn die Frauen diese Zone verlassen, wird es schwierig.“

Seit mehr als 30 Jahren engagiert sich Garske in der Eine-Welt-Arbeit. Seit drei Jahren ist sie in der KFD. „Ja, ich bin durch und durch katholisch sozialisiert. Jetzt bin ich dabei, weil man nicht immer nur meckern kann“, sagt sie. Man müsse sich auch engagieren. Doch viel Hoffnung hat sie nicht. „Die Männer werden von ihren Privilegien nicht lassen wollen“, seufzt sie. Dabei gehe es doch nicht um Macht und Ämter. Jesus habe auch nicht Macht verteilt, sondern Menschen berufen. „Viele sind berufen. Männer und Frauen“, sagt sie. Zum Schluss verweist sie noch auf die Gruppe der Teilnehmerinnen. „Sind da junge Frauen dabei? Kaum. Die Generation meiner Töchter bleibt doch schon lange weg.“

Zorn und Freude über Aktion

Der Dom hat sich gefüllt. Die Reaktion der Menschen, die sich zum Jubiläumsgottesdienst aufgemacht haben, ist unterschiedlich. Einige empören sich über die Art und Weise. Dass sie mit ihrem 94-jährigen Mann nicht ohne Schwierigkeiten in die Kirche habe kommen können, lässt Marie-Louise Jordans-Theussen zornig werden. Auch Theo Egging aus Xanten ist sehr gespalten. Es sei sehr belastend, hier durch das Spalier in den Dom zu kommen, meint er. Und: Er sei eben doch konservativ.

„Fantastisch!“, sagt Heinz Roters, der frühere Schulleiter der Viktor-Grundschule. Endlich sei auch durch die Frauen in Xanten Aufbruchstimmung zu verspüren. „Die Kirche muss sich nach vorne entwickeln. Der Synodale Weg darf keine Alibiveranstaltung sein.“ Er habe schon in seiner Büttenrede proklamiert: Maria 2.0 sei Spitze! Das dürfe man nicht als Meckerei abtun. Unterstützung bekommen die Frauen auch von Kaplan Christoph Potowski, der sie vor dem Gottesdienst herzlich begrüßt. Es sei an der Zeit, dass diese Themen endlich angesprochen würden.

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