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Schulseelsorger konzipiert Ausstellung „Meine 2 Gesichter“

100 Menschen zeigen Gesicht mit und ohne Maske in Ibbenbüren

  • Ein Schulseelsorger und ein Fotograf bilden 100 Menschen in Ibbenbüren mit und ohne Maske ab.
  • Für die Ausstellung „Meine 2 Gesichter“ wurden vier Stunden O-Ton-Material gesichtet und eingesprochen. Schüler melden zurück: „Wir tragen Maske aus Solidarität.“
  • Bis zum 1. November läuft die Ausstellung in der Kirche St. Mauritius - danach online.

Was verbirgt die Maske? Was nicht? Was bleibt vom Menschen, von seiner Kultur übrig, wenn nur die Hälfte seines Gesichts zu sehen ist? Diese Frage hat Christoph Moormann, katholischer Schul- und Jugendseelsorger in Ibbenbüren und Brochterbeck, beschäftigt: „Klar, wir müssen aufeinander achten und uns gegenseitig vor dem Corona-Virus schützen. Aber wir müssen auch auf unsere Seele achten. Sie darf nicht verkümmern“, sagt der Religionspädagoge zu „Kirche-und-Leben.de“.

Zu dem Bibelwort „weil es nicht gut ist, wenn der Mensch allein ist“ (Gen 2,18) aus der Schöpfungsgeschichte konzipierte er gemeinsam mit dem Osnabrücker Fotografen Stefan Schröder die Ausstellung „Meine 2 Gesichter“, die am Sonntag in der Ibbenbürener St.-Mauritius-Kirche eröffnet wird. Die Bilder von 100 Menschen aus Ibbenbüren mit und ohne Maske werden, unterlegt mit eigenen Aussagen, auf einer Leinwand gezeigt.

Drei Fragen an die Abgebildeten

Einzelne Porträts - vor hellem Hintergrund ohne Maske, vor dunklem mit - werden außerdem an den zwölf Säulen der Kirche aufgehängt: „Gott ist mit uns, in hellen und in den dunklen Zeiten“ lautet die Botschaft, aber auch „Kirche – das sind die Menschen, die sie tragen.“ „Dank der Unterstützung von unserem „Internet-Pfarrer“ Martin Weber ist die Ausstellung auch online abrufbar“, erklärt Christoph Moormann.

Für die Ausstellung, die auf einer Idee der evangelischen Christusgemeinde Hamburg-Altona beruht, wurden in drei Etappen 100 Menschen fotografiert. Drei Leitfragen dienten als Einstieg in die Gespräche, die Christoph Moormann für die Ausstellung mit seiner Familie vertont hat: „Wie erlebst Du die Pandemie? Wenn du auf die steigenden Zahlen schaust, was geht dann in deinem Herz, in deiner Seele vor? Wenn du Bürgermeister von Ibbenbüren wärst, was würdest du den Menschen sagen?“

Viele Gespräche entwickelt

Aus diesen Impulsen hätten sich viele tiefe Gespräche entwickelt: „Vom Oberarzt bis zum Studenten, vom Handwerker bis zum Senior haben die Leute mitgemacht“, berichtet Moormann.

Anfang August ging es los mit Aufnahmen und Gesprächen der Seelsorger, Sekretärinnen und Küster der Pfarrei St. Mauritius, Mitarbeiter der Caritas, des Sozialdienstes katholischer Frauen, aus dem Krankenhaus und den Beratungsstellen. In einer zweiten Etappe wurden Schüler und Lehrer der Anne-Frank-Realschule und der Janusz-Korczak-Schule fotografiert.

Kirche im Kaufhaus: „Das müssen wir öfter machen“

„Einer sagte zu mir: ,Wir haben keinen Bock auf den zweiten Lockdown. Aber bitte, sagen sie das nicht meinem Lehrer, dass ich die Schule vermisst habe!“ Viele Jugendliche fühlten sich außerdem in der öffentlichen Wahrnehmung ungerecht behandelt: „Junge Leute nehmen mit ihrem Partyverhalten die Corona-Situation nicht ernst – für Ibbenbüren kann ich sagen, das stimmt so nicht“, sagt Christoph Moormann. Die jungen Leute zeigten sich solidarisch, berichten, dass sie beispielsweise freiwillig ihre Masken in der Fußgängerzone tragen würden.

Bei einem abschließenden Shooting in einem ehemaligen Friseursalon eines großen Kaufhauses in Ibbenbüren kamen der Schulseelsorger und der Fotograf spontan mit Menschen ins Gespräch: „Meine Erfahrung nach den vielen Gesprächen mit den Menschen bei Marktkauf war: Das müssen wir als Kirche öfter machen.“

Nach Ablauf der Ausstellung am 1. November werden die Porträtbilder an die Personen, die mitgemacht haben, verschenkt. Auch das Datum Allerheiligen hat dabei Symbolcharakter: „Wir wollen zu diesem Feiertag den Menschen mitgeben: Jeder trägt etwas Heiliges in sich.“ Für Kinder gibt es außerdem eine Tüte mit dem Bibelimpuls und einer Packung Schokolinsen: „Das Leben ist bunt – trotz Corona-Virus.“

Die Ausstellung ist auch online zu sehen.

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