Jugendliche aus ganz Eruopa beim Jahrestreffen der Gemeinschaft in Breslau

„14.000 Taizé-Freunde sind stärker als spalterischer Populismus“

Im polnischen Breslau kommen über den Jahreswechsel rund 14.000 Jugendliche zusammen, um gemeinsam zu singen, zu beten und zu diskutieren. Das Taizé-Treffen ist ein Fest des Glaubens und des gelebten Zusammenhalts.

Matteo Salvini, Boris Johnson und andere kontroverse Politiker sind beim Taizé-Treffen in Breslau nicht mit dabei. „Und das ist gut so“, sagt der 23-jährige Pablo aus Spanien. Er ist gemeinsam mit einigen Freunden nach Polen gekommen. Einen ganzen Tag hätten sie für die Reise gebraucht. „Hier wollen wir zu uns selbst finden und unseren Glauben mit anderen leben“, erzählt der Spanier. Er sei neugierig und voller Vorfreude auf die vielen Begegnungen mit anderen Kulturen.

Nach Angaben der Gemeinschaft von Taizé steht das diesjährige Treffen in Breslau für gemeinsames Beten und Begegnung mit der Ortskirche. Der Prior der ökumenischen Bruderschaft, Frère Alois, hat für die Teilnehmer fünf „Vorschläge für 2020“ formuliert. Sie tragen den Titel: „Immer unterwegs, nie entwurzelt“. Das Unterwegssein sei es, so der Prior, das zum Frieden und zur Versöhnung unter den Völkern führe. Die Vorschläge drehen sich auch um Gastfreundschaft und Nächstenliebe, um die eigenen Grenzen und um Großzügigkeit. Begegnung und Gastfreundschaft brächten Menschen verschiedener Religionen mit unterschiedlichem Weltbild und gegensätzlicher politischer Gesinnung zusammen.

Jugendliche aus 60 Nationen sind in Breslau

Wer sich auf das Taizé-Treffen einlässt, geht während der Veranstaltung zum täglichen Abendgebet, sitzt auf dem Boden und gibt sich der Stille, der Musik und dem Gesang hin. So wie viele andere hier. Tausende Jugendliche singen, beten und lernen sich kennen. Unter ihnen ist auch die 21-jährige Lucretia aus Italien. Europa habe viele Probleme und ständige Auseinandersetzungen wegen der Flüchtlingspolitik, sagt sie. Das Treffen sei aber ein Zeichen des Zusammenhalts. „14.000 junge Menschen, die Völkerverständigung leben - das ist viel stärker als jeder spalterische Populismus“, meint die junge Frau.

5.500 Teilnehmer kommen aus Polen, 1.500 aus der Ukraine, 1.100 aus Deutschland, 700 aus Kroatien, 700 aus Frankreich, 400 aus Italien und 400 aus Spanien. Einige sind sogar aus Hongkong, Japan oder Korea angereist. Insgesamt seien 60 Nationen vertreten.

Wie junge Gläubige Flüchtlingen helfen

Der Weg zum Treffen führt oft durch mehrere Länder. Für Joao (20) aus Portugal gleicht die Reise einer Europa-Tour. Von Lissabon aus hat er sich mit seiner Gruppe mit dem Zug nach Polen aufgemacht. Über Madrid, Montpellier, Paris, Hannover und Berlin. In seiner Heimat engagiert sich der Mathematik-Student bei den Aktionen der Bewegung „Fridays for Future“. Zugfahren, sagt er, sei für ihn „einfach Pflicht“.

Vielseitige Workshops in Breslau widmen sich dem Thema gegenseitige Verantwortung. Es geht um Spiritualität, Kirche, Solidarität und Gesellschaft, Kunst und Glauben. So berichten die Brüder von Taizé und polnische Familien über ihre Erfahrungen mit Flüchtlingen. Zum Beispiel erzählt Tommec, dass er, seine Frau und Kinder zum Halt für zwei junge Syrer geworden seien. „Aus dem 'Wir' und 'Ihr' ist ein 'Uns' geworden“, sagt er.

„Mix aus Glaube und Lebensart“

In einem Workshop setzten sich die Teilnehmer mit der Frage auseinander, wie man zugleich ein guter Christ und ein guter Staatsbürger sein könne. Menschen, die mit Flüchtlingen arbeiten, stellen dabei ihre Geschichte vor. Eine andere Gruppe befasst sich damit, wie Arbeits- und Privatleben gut zu vereinbaren sind.

Christina aus München hat ein „Mix aus Glaube und Lebensart“ ins „sehr kalte Breslau“ gezogen, wie sie sagt. „Taizé klärt meinen Blick auf mich selbst“, meint sie. Herkunft, Religion oder gar die Hautfarbe seien nicht so wichtig. „Wir sind doch einfach alle zunächst mal Menschen.“ Der Rest komme danach. Das Jugendtreffen sei eine Chance, Menschen aus anderen Ländern kennenzulernen und seinen Horizont zu erweitern. Sie freue sich vor allem über „die Offenheit, die mir hier begegnet“. Gespräche entstünden schneller und seien gleich „auf einer tieferen Ebene“.