Die Dommusik brachte ihn zum Glauben

20-jähriger Münsteraner lässt sich zu Ostern taufen

Wenn Coraghessan Maria Steinbach in der Osternacht im Dom zu Münster getauft wird, ist das ein Heimspiel für den 20-Jährigen. „Der Dom ist meine zweite Heimat“, sagt er. Seit zwölf Jahren singt er in der Capella Ludgeriana, dem Knabenchor am Dom.

Regelmäßig unterstützt er auch die Schola mit seinem Gesang. Er ist Mitglied im Domchor und mehreren Projektchören. Und er arbeitet seit einem Jahr sogar in der Dommusik. Dort absolviert er ein Freiwilliges Soziales Jahr.

Er hat viel über die Taufe nachgedacht

Oft hat er darüber nachgedacht, sich taufen zu lassen, hat viele Gespräche mit Dompropst Kurt Schulte und Domkapellmeister Alexander Lauer geführt – über kirchliche Strukturen und Glaubensinhalte. „Jetzt stimmt mein Bauchgefühl“, ist Steinbach überzeugt.

Über viele Dinge hat der junge Mann mit dem Dompropst und Frank Schüssleder, Sänger im Domchor und Seelsorger in der Raphaelsklinik, zur Vorbereitung auf die Taufe gesprochen. Auch die Rolle der Dommusik in seinem Leben war Thema. Werte wie Nächstenliebe und Zusammenhalt hat Steinbach hier erlebt. „Meine Verbindung zu Gott ist die Musik“, sagt der junge Mann. Das eint ihn mit Domkapellmeister Alexander Lauer, der sein Taufpate sein wird.

Erst Nein, dann Ja zur Taufe

Steinbachs Eltern haben ihm und seinen sieben Geschwistern die Entscheidung überlassen, ob sie sich einer Religionsgemeinschaft anschließen möchten. Steinbachs Vater ist katholisch, auch seiner Mutter ist der Glaube wichtig.

Der 20-Jährige erinnert sich an einen Zeitpunkt, an dem er kurz davor stand, eine Entscheidung zu treffen. „Meine jüngeren Zwillingsgeschwister haben sich taufen lassen, als ich in der siebten Klasse war. Ich habe mich mit ihnen auf die Taufe und die Erstkommunion vorbereitet – und mich letztlich doch dagegen entschieden.“

Respekt vor anderen Religionen

Ein Grund: Er hat viele Freunde, die anderen Religionsgemeinschaften wie dem Islam, Judentum oder Hinduismus angehören. „Es fiel mir schwer, mich zu positionieren. Ich war eher in einer Vermittlerrolle“, erinnert er sich.

Seine Entscheidung gegen die Taufe fiel damals nicht aus Desinteresse, im Gegenteil: „Ich habe mich so sehr für das Thema Religion interessiert, dass ich diese Entscheidung nicht willkürlich treffen wollte.“

Er lebt jetzt in einer WG im Priesterseminar

Im vergangenen Jahr ist sein Kontakt zur Kirche noch enger geworden. Zu Beginn des Freiwilligendienstes zog er mit anderen jungen Leuten in eine Wohngemeinschaft ins Priesterseminar. Ein Satz von Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, habe seine Entscheidung bestärkt, sich taufen zu lassen: „Religion darf nicht Ursache des Problems, sondern muss Teil der Lösung sein.“

Steinbach: „Damit werden die Gemeinsamkeiten der Religionen und nicht die Unterschiede betont. Sobald man sich zu etwas bekennt, wo es um die Vermittlung von Werten geht, finden wir einen gemeinsamen Nenner“, sagt er.