Bischof Felix Genn dankt nach der Amokfahrt den Helfern der Opfer

2.000 Menschen beim Gedenkgottesdienst im Dom von Münster

Mit mehr als 2.000 Menschen hat Bischof Felix Genn in einem ökumenischen Gottesdienst im St.-Paulus-Dom in Münster der Opfer der Amok-Fahrt in der Altstadt gedacht. Dabei stellte er die Frage nach dem „Warum“ einer solchen Tat in den Mittelpunkt. Keiner könne diese Frage letztlich beantworten, sagte der Bischof in seiner Predigt. Umso wichtiger sei ein Raum, in dem sich die Menschen diese Frage gemeinsam stellen könnten.

Hier finden Sie eine Aufzeichnung des Gottesdienstes durch das Bistum Münster.

Diesen Raum wolle die Kirche geben. „Glaube und Religion sind keine Agentur für die Antworten auf Lebensfragen“, sagte Genn. „Auch für Glaubende gehört zu ihrer Lebenswirklichkeit, das auszuhalten, auf das es keine Antworten gibt.“ Christen glaubten in diesen Situationen, dass sie auch dann bei Gott gut aufgehoben seien.

Gebet für die Opfer und deren Familien

Die vielen Menschen, die in den Dom gekommen seien, könnten sich die Frage nach dem „Warum“ in großer Solidarität stellen, sagte der Bischof. „Auch wenn es kaum auszuhalten ist, dass es keine wirkliche Antwort gibt.“ Trotzdem sei es wichtig, sie zu formulieren. „Denn wenn ein Mensch etwas so Furchtbares erlebt, kann er nicht stumm bleiben, er muss schreien, der Ohnmacht, der Angst und der Wut Raum geben.“ In der großen Gemeinschaft bringe dies die Erfahrung, dass man mit seinen Fragen nicht allein sei.

Genn bedankte sich bei allen Helfern und betete für die Opfer und deren Familien. In seine Gedanken nahm er ausdrücklich auch den Amokfahrer und seine Familie auf. „Auch im Leben dieses Mannes ist ein Schrei zu vermuten.“

Hunderte Kerzen werden entzündet

Zum Gedenken an die Opfer brachten Bischof Genn und weitere Geistliche das Licht der Osterkerze zu den Gottesdienstbesuchern, die es von Kerze zu Kerze weiterreichten. Unter ihnen Superintendent Ulf Schlien vom Evangelischen Kirchenkreis Münster und Münsters Stadtdechant Jörg Hagemann, die den Gottesdienst mitfeierten. Auch der für Münster zuständige Regionalbischof Stefan Zekorn, Dompropst Kurt Schulte und Annethres Schweder von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen waren zugegen.

An dem Gottesdienst nahmen auch die aus dem Münsterland stammenden Bundesbildungsministerin Anja Karliczek, NRW-Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking und NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann sowie Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe (alle CDU) und Polizeipräsident Hajo Kulisch teil.

Auch die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die vor zwei Jahren Opfer eines Messer-Attentats wurde, sowie Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und Veranstalter des Katholikentags im Mai in Münster, sowie Notburga Heveling, Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken, waren in den Dom gekommen. Zahlreiche Mitglieder der Feuerwehr und anderer Rettungs- und Sicherheitsdienste feierten den Gottesdienst ebenfalls mit.