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Benediktinerpater will dennoch nicht zurückkehren

300 Marienfelder zeigen Solidarität mit entpflichtetem Pater Gottfried

  • Rund 300 Menschen haben im Harsewinkeler Ortsteil Marienfeld gegen die Entpflichtung von Pater Gottfried Meier OSB demonstriert.
  • Das Bistum Münster hatte den zur Abtei Gerleve gehörenden Priester nach 19 Jahren von seinen Aufgaben entpflichtet. Gründe seien "jahrelange Probleme in der Zusammenarbeit" mit der Pfarreileitung.
  • In einem bei der Kundgebung verlesenen Brief kündigte Pater Gottfried an, nicht wieder nach Marienfeld zurückzukehren.
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Rund 300 Menschen haben im Harsewinkler Ortsteil Marienfeld ihre Solidarität mit dem vom Bistum Münster entpflichteten Pater Gottfried Meier OSB demonstriert. An der ruhig, enttäuscht, aber auch besinnlich verlaufenen Kundgebung im Klosterhof der ehemaligen Abtei Marienfeld nahmen auch viele junge Menschen, Familien und Kinder teil. Der Geistliche selbst hält sich seit einigen Tagen an einem unbekannten Ort auf.

Hintergrund der Demonstration ist die Entscheidung des Bistums Münster, den zur Benediktinerabtei Gerleve gehörenden Priester von seinen Aufgaben in der Pfarrei St. Lucia Harsewinkel zu entpflichten. In einer gemeinsamen Erklärung von Bistum und Abtei vom Karfreitag werden "heftige Auseinandersetzungen" genannt, "deren Gründe in den jahrelangen Problemen in der Zusammenarbeit von Pater Gottfried mit der Pfarrei und den verantwortlichen Leitungen lagen."

Der Hintergrund

Pater Gottfried war vor 19 Jahren als Seelsorger und Mönch in die ehemalige Zisterzienserabtei Marienfeld gekommen, um dort neues klösterliches Leben zu beginnen. Zuletzt gehörte er als Priester zum Pastoralteam der Pfarrei in Harsewinkel, in deren Gebiet das Kloster liegt. Am Gründonnerstag hatte Pater Gottfried die Entscheidung des Bistums und seine Kritik an der nach seiner Darstellung unabgesprochenen Beendigung der Zusammenarbeit in einem emotionalen Video bekanntgegeben.

In der Folge hatte es vor allem in den Sozialen Netzwerken massive Kritik sowohl an der Entscheidung als auch an der Art der Kommunikation gegeben. Der Leitung des Bistums Münster wurde Machtmissbrauch vorgeworfen.

Pater Gottfried: Ich komme nicht zurück

Zu Beginn der Solidaritäts-Kundgebung las Albrecht Pförtner als "Freund von Pater Gottfried" einen Brief des Geistlichen vor, den er am Nachmittag erhalten habe. Darin teilt der Benediktiner mit: "Ich werde nicht mehr nach Marienfeld zurückkehren." Das sei "für alle Beteiligten besser so". Sein Video habe überwältigend viel Aufmerksamkeit erfahren, gleichwohl wolle er nicht spalten und "nicht zum Aufruhr" aufrufen. Womöglich sei das Video etwas "naiv" gewesen.

Die vielfältigen Rückmeldungen darauf zeigten ihm, "dass mein Wirken in den letzten 19 Jahren nicht vergeblich war". Er entschuldige sich bei allen, denen gegenüber er sich nicht richtig verhalten habe. Die versammelten Menschen - "ob gläubig oder ungläubig" - wolle er ermutigen: "Bitte schaut nach vorn, gebt der Barmherzigkeit Raum." Der Brief endet mit dem Gebet "Herr, mach mich zum Werkzeug deines Friedens."

"Ein Feuer des Glaubens" entfacht

Daniel Loermann, Mitglied des Kirchenvorstands, dankte Pater Gottfried "für seine Seelsorge und für seine messerscharfen und intellektuellen Predigten", mit denen er "ein Feuer des Glaubens" entfacht habe. Die Entpflichtung des Priesters mache ihn traurig, sagte Loermann. "Wo ist die demokratische Beteiligung, von der die Bischöfe immer wieder sprechen?"

Er frage sich, ob die Institution doch wichtiger sei als der Mensch, die Organisation wichtiger als die Verkündigung. Pater Gottfried habe gezeigt: "Die Kirche ist besser als die Weise, in der wir sie derzeit erleben."

"Wo ist die Barmherzigkeit in der Kirche?"

An Bischof Felix Genn gewandt, fragte Loermann: "Wo ist die Barmherzigkeit in der Kirche?" Er erwarte "klare Antworten, eine Entschuldigung und Pater Gottfried zurück". Das soll auch eine Unterschriftenliste unterstreichen. Zudem wurden Postkarten in großer Zahl verteilt, auf denen diese Forderungen an das Bischofshaus in Münster geschickt werden sollen.

Hermann Hecker, ein weiteres Mitglied der Gemeinde von Marienfeld, mahnte in seiner kurzen Ansprache: "Seid nicht zornig!" Diese Bitte wie auch die um das Gebet habe Pater Gottfried in seinem Video geäußert. Entsprechend endete die Kundgebung mit dem gemeinsam gesprochenen Vaterunser und einem Spaziergang um die alte Klosterkirche.

Das sagt die Abtei Gerleve

Bistum und Abtei hatten in ihrer Stellungnahme von Karfreitag der Darstellung Pater Gottfrieds widersprochen und bedauert, dass der Geistliche entgegen der Vereinbarung schon vor Ostern die Öffentlichkeit informiert habe.

Auf Anfrage von "Kirche-und-Leben.de" betonte Kloster Gerleve heute, es habe nach der Veröffentlichung des Videos vom Gründonnerstag ein Gespräch mit Pater Gottfried über seinen weiteren Weg gegeben. "Solche Gespräche gab es zudem mehrfach mit Abt Andreas schon seit seiner Wahl zum Abt im August 2020", erklärte Pater Marcel Albert, Pressesprecher des Klosters.

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