Ein Nachmittag in der Überwasserkirche

300 Menschen mit und ohne Demenz singen Kirchenlieder in Münster

Am liebsten mag Hedwig Hillmoth das Lied „Maria, breit den Mantel aus“ – sie kennt alle Strophen auswendig. Dass die 91-Jährige gern singt, merkt man ihr genauso an wie den anderen Menschen mit und ohne Demenz, die sich in der Überwasserkirche in Münster auf eine musikalische Kirchenlieder-Reise begeben.

Die „Hits“ aus dem Gotteslob wie „Großer Gott, wir loben dich“ haben die meist älteren Teilnehmer in ihrer Kindheit gelernt – und nie vergessen. Im Seniorenstift, sagt Hedwig Hillmoth, werde auch gesungen, doch in der Kirche sei es etwas Besonderes. Dieses Besondere hatten das Bischöfliche Generalvikariat, die evangelische Kirche und weitere Kooperationspartner vorbereitet.

„Schöne Momente wachrufen“

„Wenn im Alter viele Erinnerungen immer mehr verblassen, verbinden wir doch mit den Kirchenliedern wichtige Momente unseres Lebens: die Erstkommunion, die Osternacht oder die kirchliche Hochzeit“, sagt Angelika Giseke vom Referat Seniorenseelsorge des Generalvikariats laut Bischöflicher Pressestelle. „Diese schönen Momente wollen wir wachrufen.“

Mehr als 300 Menschen sind gekommen. Seniorenmessdienerinnen und -messdiener aus Beckum, Sendenhorst, Telgte und Westbevern nehmen sie in Empfang, geben Auskunft und begleiten sie zu ihren Bänken.

Zekorn: Lieder verwandeln das Herz

Lieder, findet Weihbischof Stefan Zekorn, können das Herz verwandeln. Bei schlechter Stimmung singe er oft leise ein Lied: „Dann legt sich die Traurigkeit, und der Ärger verschwindet.“

Das Singen in der Überwasserkirche unterstützt ein Projektchor unter Leitung der Musikgeragogen Hans Hermann Wickel und Hans-Josef Klaus. Klaus erläutert jeweils Entstehung und Inhalt jedes Liedes – und dann stimmt Andreas Wickel an, Kantor der Pfarrei Liebfrauen-Überwasser. Nach einer Stunde des Singens nehmen sich Weihbischof Zekorn und der Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Münster, Ulf Schlien, noch Zeit, die Menschen einzeln zu segnen.