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Katholische Kirche als Beobachterin in Karlsruhe dabei

350 Kirchen vertreten: Weltkirchenrat tagt erstmals in Deutschland

  • In Karlsruhe kommen ab dem 31. August Vertreterinnen und Vertreter von 350 christlichen Kirchen aus aller Welt zusammen.
  • Auch hier wirft der Krieg seine Schatten – es werden Delegationen aus der Ukraine und aus Russland erwartet.
  • Die katholische Kirche ist als Beobachterin bei der Versammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen dabei.
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Der Schatten des Ukraine-Kriegs fällt auch auf das Treffen des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) vom 31. August bis 8. September in Karlsruhe. Und so werden rund 4000 Christinnen und Christen – 800 Delegierte plus Berater und Gäste – von allen Kontinenten nicht nur über Feinheiten ökumenischer Theologie beraten, sondern auch darüber, wie trotz des Kriegs ein Dialog zwischen Christen aus der Ukraine und aus Russland möglich bleiben soll. Kirchen aus beiden Ländern entsenden Delegationen.

ÖRK-Sprecherin Marianne Ejdersten verspricht keine blumigen Friedensbotschaften, erinnert aber an den Wert, überhaupt im Gespräch zu bleiben: „Wer außer uns könnte Christen aus aller Welt an einen Tisch bringen?“ Dem 1948 gegründeten Weltkirchenrat gehören heute rund 350 christliche Kirchen und Gemeinschaften an. Nach eigenen Angaben vertritt der ÖRK damit weltweit mehr als 500 Millionen Christen.

„Kirche als dialoginteressiert erlebbar machen“

Wegen Corona wurde die Vollversammlung, die erstmals überhaupt in Deutschland tagt, um ein Jahr verschoben. Die Stadt Karlsruhe und die badische evangelische Kirche organisieren ein umfangreiches Kultur- und Begegnungsprogramm mit Musik, Gottesdiensten und Diskussionen.

„Wir wollen Kirche als offen und dialoginteressiert erlebbar machen“, sagt Bischöfin Heike Springhart. Über dem Karlsruher Schloss weht derzeit die ÖRK-Flagge. Ein bisschen erinnert sie an die Olympischen Ringe, zeigt aber Kreuz und Friedenstaube.

Binnenkirchliche und soziale Fragen

Hauptaufgabe der Vollversammlung, ihrer Ausschüsse und Untergruppen ist, Themen und Schwerpunkte für die weltweite Ökumene-Arbeit der kommenden Jahre zu beschließen. Hier sind die Grenzen zwischen binnenkirchlichen und sozialpolitischen Fragestellungen fließend.

Welche Antworten geben christliche Gemeinschaften auf sich verschärfende Hunger- und Armutskrisen weltweit? Was ist die christliche Antwort auf Migration, was auf global ungerecht verteilte Lebenschancen? Am kirchlichen „Tag der Schöpfung“ am 1. September sollen christliche Perspektiven im Kampf gegen Klimawandel und für Natur und Artenvielfalt öffentliche Wirkung entfalten – etwa mit einem Gottesdienst auf dem zentralen Marktplatz.

Sorge wegen erwarteter Nahost-Debatte

„Wenn wir unser Verhalten nicht ändern, wird unser Planet in 50 Jahren unbewohnbar sein. Wir müssen jetzt handeln“, sagt ÖRK-Generalsekretär Ioan Sauca. Christen sollten für die „Heilung der gesamten Schöpfung“ eintreten.

Für ziemliche Unruhe sorgt die für Karlsruhe erwartete Debatte über den Nahostkonflikt. Besonders die deutschen Delegierten wollen Beschlüsse verhindern, die als israelfeindlich oder gar antisemitisch verstanden werden könnten. Daneben gibt es im ÖRK starke Stimmen, die mehr Unterstützung für christliche Gruppen im Nahen Osten fordern. Besonders auf jüdischer Seite in Deutschland ist die Anspannung hoch.

Problem für konkrete Beschlüsse

Beobachter raten aber zu Gelassenheit angesichts der Aufregung, die über die Sozialen Medien ventiliert wird. Schon das Konsensprinzip des ÖRK, wonach alle Entscheidungen von allen Delegationen gebilligt werden müssen, schütze vor extremen Positionen.

Da die theologische wie gesellschaftspolitische Bandbreite der ÖRK-Mitgliedskirchen sehr groß ist, könnten allerdings alle konkreten Beschlüsse schwierig werden, nicht nur beim Thema Nahost. Möglich, dass eher unverbindlich bleibende Papiere verabschiedet werden.

Warum die katholische Kirche kein Mitglied ist

Nach Karlsruhe reist auch eine aus 20 Personen bestehende katholische Delegation, vor allem aus dem Vatikan und aus Deutschland. Allerdings ist die römisch-katholische Kirche kein ÖRK-Vollmitglied, versteht sich jedoch als enger Partner des Weltkirchenrats.

Einer katholischen Mitgliedschaft stehen theologische und kirchenpolitische Grundhaltungen entgegen, etwa zu Amtsverständnis, zur Eucharistie oder zur Vorrangstellung des Papstes. Hinzu kommt die schiere Größe der römischen im Vergleich zu den anderen Kirchen – schließlich gibt es weltweit mehr als eine Milliarde Katholiken. Papst Franziskus hat eine Grußbotschaft angekündigt.

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