Christen betonen Wunsch nach Einheit der Kirchen

500 Jahre Reformation: Borkener feiern Ökumene-Fest mit Kabarett

Die volle Mahlgemeinschaft war es zwar noch nicht, so, wie das ökumenische Kirchenfest mit einem ökumenischen Gottesdienst mit Agape-Feier die Christen beider Konfessionen zusammenführte, kam es dem aber schon ziemlich nahe.

Eine Woche lang hatten die Christen in Borken und Gemen das Ökumenische Kirchenfest im Oktober unter dem Motto „Näher denn je“ gefeiert. Mit im Boot waren sieben Gemeinden: die katholischen Gemeinden St. Remigius Borken und Christus-König Gemen, die evangelischen Kirchengemeinden Borken und Gemen, die evangelisch-freikirchliche Gemeinde, die Apostolische Gemeinschaft und die Assyrische Kirche des Ostens „Mart Mariam“ in Borken.

Evensong bildet Auftakt

Ein starker Auftakt war der Evensong in der St.-Remigius-Kirche. 180 Sänger des Propsteichores, der Kammerchöre der Mädchen- und Knabenkantorei Borken, des Emmaus-Chores, des Assisi-Chores, des evangelischen Chores und des evangelisch-gemischten Chores Gemen gestalteten mit einem Bläserensemble unter der Gesamtleitung von Kantor Thomas König die Andacht.

Den Schlusssegen sprachen Propst Christoph Rensing, Pfarrer Andreas Lüke, Pastorin Barbara Werschkull, Pastor Ralf Groß, Nancy Talia von der Assyrischen Kirche, Gemeindeleiter Frank Leidig von der Apostolische Gemeinschaft und Pastoralreferent Heinrich Schick.

Verbotene Mischehen

Um konfessionsverbindende Ehen ging es bei einem Abend mit Markus Wonka, dem Leiter der Ehe-, Familien- und Lebensberatung im Bistum Münster. Der Referent meinte, die theologischen Dimensionen konfessionsverbindender Ehen seien noch längst nicht erfasst.

In einem Ausflug in die Geschichte stellte er dar, dass die Kirche die Heirat zunächst als Aufgabe vom aufgelösten römischen Staat übernommen habe, um Rechtssicherheit zu schaffen. Erst Jahrhunderte später wurde die Eheschließung zum Sakrament, und es wurde eine Formpflicht eingeführt.

Änderungen mit dem Konzil

Noch im 20. Jahrhundert gab es das Verbot der Mischehen auf katholischer Seite mit der Begründung, es bestehe die Gefahr, der katholische Teil könne vom Glauben abfallen. Erst das Zweite Vatikanische Konzil und das neue Kirchenrecht von 1983 habe einen Wandel herbeigeführt. Danach sei die konfessionsverbindende Ehe eine von der Kirche noch einzuholende Gemeinschaft der Christen.

Das Verständnis von Eucharistie und Abendmahl beleuchtete in einer anderen Veranstaltung Professorin Dorothea Sattler, Direktorin des Ökumenischen Instituts der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster, in der Borkener Martin-Luther-Kirche.

Streit um die Mahlgemeinschaft

„Dass es da noch keine Mahlgemeinschaft gibt, liegt am Amtsverständnis der katholischen Kirchenleitung“, so die der Ökumene-Expertin. Das Verbindende zwischen den Kirchen sei vor allem die Taufe. „Warum können wir dann nicht auch gemeinsam Abendmahl halten?“, so ihre Frage.

Das wiederum hänge mit dem Priester- und Bischofsamt zusammen. Die katholische Kirche begründe das mit der Apostolischen Sukzession, der ununterbrochenen Nachfolge von den Aposteln zu den heutigen Bischöfen.

Machtwort aus Rom

Die römische Glaubenskongregation habe noch vor einigen Jahren den übrigen christlichen Kirchen mangels Weiheamt die Eigenschaft als Kirche abgesprochen. „Theologisch sind wir da weiter. Der Geist wandelt die Gaben von Brot und Wein, nicht der Gottesdienstleiter“, sagte Sattler.

Bei der Diskussion zeigte sich, dass viele katholische Christen ihrer Kirchenleitung dabei nicht mehr folgen und durchaus auch das Abendmahl in einer evangelischen Kirche nehmen. „Wir müssen denen widersprechen, die nur auf den Traditionen beharren“, so ein Teilnehmer.

Familienfest mit Kindergärten

Derartige Probleme gab es beim Familienfest nicht, das von zahlreichen Kindergärten in Borken und Gemen gestaltet wurde und die St.-Remigius-Kirche, das Kapitelshaus, die Martin-Luther-Kirche und das Katharina-von-Bora-Haus räumlich verband.

In der St.-Remigius-Kirche erklärte Kanonikus Oliver Rothe Kindern und Erwachsenen Taufbecken, Altar und Geräte für die Messfeier. Zum Abschluss gab es Preise zu gewinnen und es stiegen Luftballons in den blauen Himmel.

„Hier stehe ich! Ich kann auch anders!“ – so hieß der Titel mit der Kabarettistin Ulrike Böhmer. Als Katholikin habe sie das Katholische schon mit dem Weihrauch inhaliert. Das hinderte sie nicht, mit feiner Ironie die Kirche und ihre Amtsträger aufs Korn zu nehmen.

Humvorvolle Seitenhiebe

Mit einem Blick auf das Reformationsjubiläum gab es einen Seitenhieb auf die evangelischen Amtsträger, die keinem weh tun wollten und das Reformationsfest kurz zum Christusfest weichgespült hätten, damit auch Katholiken damit etwas anfangen könnten. „Wir Katholiken kommen immer, egal wie das Fest heißt, Hauptsache es gibt etwas für das leibliche Wohl“, stellte Böhmer humorvoll fest.

Sie erinnerte auch daran, wieviel Verbindendes es doch schon gebe. Dass Präses Annette Kurschus bei den Benediktinern in der Messe nicht predigen durfte, fand Böhmer ebenso absonderlich wie „Kapläne, die wie vor 800 Jahren predigen“.

Verbindendes Liebesmahl

Voll besetzt war die Mensa der Jodokus-Nünning-Gesamtschule beim ökumenischen Gottesdienst. „Wir sind auf einem richtig guten ökumenischen Weg. Was wir vor fünf oder zehn Jahren noch nicht miteinander machen konnten, das können wir jetzt“, meinte Organisator Josef Baumeister. Der Gottesdienst wurde von Laien gestaltet. Wasser wurde gesegnet, mit dem sich die Teilnehmer gegenseitig Segen zusprachen.

An den Tischen gab es regen Austausch zwischen den Teilnehmern. Als Segensgebet über Brot und Wein wurde aus der Didaché, der Lehre des Herrn durch die zwölf Apostel, einer Kirchenordnung aus dem ersten Jahrhundert, gesprochen. Bereichert um mediterrane Köstlichkeiten hielten Christen aller Konfessionen, Laien wie Geistliche, dann die Agape, das trotz allem verbindende Liebesmahl.