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Zum 75. Jahrestag des Atomwaffen-Abwurfs in Japan

6. August: Hiroshima-Bombe und „Verklärung des Herrn“

Ein merkwürdiges Wort steht am 6. August im Kirchenkalender: Verklärung des Herrn. Was es mit dem Fest auf sich hat, steht seit dem Atombomben-Abwurf über Hiroshima am 6. August vor 75 Jahren in einem eigenartigen Licht.

Ein merkwürdiges Wort steht am 6. August im Kirchenkalender. Was es mit dem Fest auf sich hat, steht seit dem Atombomben-Abwurf über Hiroshima am 6. August vor 75 Jahren in einem eigenartigen Licht.

Der 6. August ist in der christlichen Tradition ein Tag mit einem merkwürdigen Namen, denn am 6. August feiert sie das Fest der „Verklärung des Herrn“. Ein Begriff, der kaum griffiger wird, wenn man die Bezeichnung im lateinischen liturgischen Kalender zu Rate zieht: Da ist von „Transfiguratio“ die Rede. Darin klingt etwas von Figur, von Gestalt und Aussehen – und in der Vorsilbe „trans“ etwas davon mit, dass eben dies entgrenzt, überstiegen wird. Aber hilft das zum Verständnis weiter?

In weltlicher, geschichtlicher Tradition ist der 6. August ein Tag, der sich als eine der größten Katastrophen der Menschheit ins kollektive Gedächtnis gebrannt hat: Am 6. August 1945 nämlich brachte ein US-Kampfflugzeug über der japanischen Stadt Hiroshima eine Atombombe zum Abwurf und zur Detonation. Allein im Moment der Explosion starben bis zu 100 000 Menschen. Der feurig-strahlende Atompilz stieg bis in 13 Kilometer Höhe auf. Es war der erstmalige Einsatz einer solchen Bombe in einem kriegerischen Konflikt. Drei Tage später folgte der Abwurf einer weiteren Atombombe über der Stadt Nagasaki. 

„Little boy“ und „Enola Gay“

Dass Menschen zu einer solchen Tat in der Lage sind, ist schier unvorstellbar. Kaum minder bizarr sind auch hier die Begriffe, die mit dem 6. August verbunden sind. Im Hintergrund der Tat und der hunderttausenden Menschen, die zunächst als namenlose Opfer verglühten, haben ausgerechnet die Tod und Vernichtung bringenden Waffen Namen erhalten, die im Menschheitsgedächtnis präsenter sind als die der Getöteten. „Little boy“ hieß die drei Meter lange Hiroshima-Bombe mit einer Sprengkraft von 13 Kilotonnen TNT, die Hiroshima zerstörte: „kleiner Junge“. 

Etwas Mütterliches sollte wohl der Bomber an sich haben, der die Bombe brachte: „Enola Gay“ hatte der 30-jährige Pilot Paul W. Tibbets seinen Flieger genannt – nach seiner Mutter Enola Gay Tibbets. Wie harmlos, wie naiv, wie pervers-putzig das alles ist! Der Name der Mutter wiederum geht zurück auf die Heldin des Lieblingsromans ihres Vaters. Dessen Titel: „Enola – Oder ihr fataler Fehler“. Fotos von damals zeigen die Crew des Bombers lächelnd, in kurzen Hosen und in die strahlende Sommersonne blinzelnd. Auch eine Art Verklärung, die das Apokalyptische einfach überstrahlen will.

Was auf dem Berg Tabor strahlte

Dass es irgendeine bewusste Verbindung zwischen dem 6. August 1945 und dem christlichen Fest gibt, dürfte unwahrscheinlich sein. Und doch: Die „Verklärung des Herrn“ steigert sich nicht auf 13 Kilometer Höhe, aber sie wird doch auf einem Berg, von der Tradition auf dem Tabor, verortet. Dort oben kommt es zu einem strahlenden Höhepunkt der Jesus-Geschichte, zu der er seine engsten Begleiter mitnimmt: Petrus, Jakobus und Johannes. Jesus betet. Und dann „veränderte sich das Aussehen seines Gesichts, sein Gewand wurde leuchtend weiß“, wie das Lukas-Evangelium berichtet. Jesus wid überstrahlt von überirdischem Licht. Eine Wolke kommt, daraus ertönt eine Stimme: „Dies ist mein geliebter Sohn.“

Was hier gezeigt wird, ist eindeutig: Jesus erscheint als der Sohn Gottes. Ganz Mensch. Und ganz Gott. Und es erscheint darin etwas für uns Menschen Wesentliches: Jesus weist in seiner Botschaft eben nicht nur auf die Schattenseiten des Menschen hin, auf Unvollkommenheiten, Fehler und Schuld. Er will vielmehr und vor allem das Gute im Menschen zum Strahlen bringen, den göttlichen Funken, der jedem Gottesgeschöpf als Her- und Hinkunft, als Ursprung, Möglichkeit und Ziel innewohnt. Eben das drückt beispielsweise die Kunst im Nimbus, im goldenen Heiligenschein über jenen Menschen aus, denen es gegeben war, das Lichte, Gute, Göttliche strahlend zum Vorschein zu bringen. Darin kommt die Berufung jedes Menschen zur Erfüllung.

Übermächtig, übertödlich

Hiroshima und Nagasaki aber zeigen, wohin es führen kann, wenn wir Menschen alles uns machbar Erscheinende auch machen, nur weil wir überheblich meinen, die Macht dazu zu haben. Hiroshima und Nagasaki haben die dunkle Seite des Menschen „verklärt“ und offenbart als etwas Übermächtiges. Die Atombombe steigerte die Tödlichkeit menschlicher Abgründigkeit sogar zum „Übertödlichen“: „Overkill“ heißt seitdem die reale Möglichkeit der Menschheit, sich selber mehrfach zerstören zu können.

Das Christentum hält dem Wahnsinn einer Bombe namens „Little Boy“ die Wahrheit des „geliebten Sohns“ entgegen. Dessen Ausstrahlung treibt bis heute Menschen an, dem erneuten Auf- und Wettrüsten unermüdlich mit Liebe und Frieden zu begegnen. 

Das jedoch ist keineswegs naiv, sondern der Gipfel des von Gott geschenkten Menschseins.

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