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Werner Greß aus Hopsten hilft radelnd Kindern in Tansania und auf den Philippinen

70 Tage Gastfreundschaft rund um Deutschland hilft der Einen Welt

  • In 70 Tagen ist Werner Greß aus Hopsten mit seinem Fahrrad entlang der Außengrenzen um Deutschland herum gefahren.
  • Er kalkulierte 70 Euro pro Tag für Unterkunft und Essen. Eine WhatsApp-Gruppe "Wo ist Werner?" sorgte dafür, dass er fast überall bei Freunden von Freunden und nicht in Hotels übernachten konnte.
  • Was er so und durch Spenden sparte, ging an Kinderprojekte in Tansanie und die Philippinen: 8.000 Euro.

Mit viel Applaus haben viele Hopstener Werner Greß in seinem Heimatort empfangen. „Erzähl‘ mal, was du so alles erlebt hast!“, waren die Begrüßungsworte der Familie, Freunde und Nachbarn beim Wiedersehen. „Die Begegnung mit mir selbst, der Natur und den Menschen entlang der Strecke sind unvergessliche Erinnerungen für mich“, sagt der Heimkehrer. Er sei glücklich, heile angekommen zu sein, und begeistert von der großen Spendensumme von rund 8000 Euro, die durch seine Radtour zusammenkam.

In 70 Tagen ist Greß mit seinem Fahrrad entlang der Außengrenzen um Deutschland herum gefahren. Dabei war es sein Ziel, entlang der Tour Spenden für die Unterstützung von Kindern in Tansania und auf den Philippinen zu sammeln.

Gespartes Geld wird gespendet

„Ich selbst hatte mir vorgenommen, nicht mehr als 70 Euro pro Tag für Verpflegung und Unterkunft auszugeben“, sagt Greß zu seiner Idee, etwas Gutes zu tun für sich und für andere. Wer ihn auf seiner Tour unterstützen wollte, der konnte dies zum Beispiel machen, indem er ihm ein Bett zur Verfügung stellte oder eine Mahlzeit reichte. „Alles, was ich auf diese Weise sparen konnte, wurde für die beiden Eine-Welt-Projekte gespendet.“

Die Frage zu Beginn war lediglich, wie viel er für sich und seine Reise würde aufwenden müssen oder ob er möglichst viel durch die Unterstützung seiner Mitmenschen als Spenden auf die Seite legen könnte. Dass er am Ende nur die Hälfte für sich brauchte und obendrein so viele Geldspenden bekam, dass er stolze 8.000 Euro für den guten Zweck einsammeln konnte, damit hätte kaum jemand gerechnet.

WhatsApp-Gruppe „Wo ist Werner?“

Geholfen haben ihm unterwegs viele Begegnungen, aber auch die 150 Mitglieder der WhatsApp-Gruppe „Wo ist Werner?“. Der Freundes- und Bekanntenkreis teilte über WhatsApp vielen weiteren Bekannten den Aufenthaltsort von Werner Greß mit, sodass er an vielen Tagen ein warmes Bett nicht in der Pension hatte, sondern bei netten Menschen, die ihn spontan einluden.

„Meinen ungefähren Streckenverlauf hatte ich in der WhatApp-Gruppe angegeben. Die Gruppenmitglieder wiederum fragten weiter, ob jemand in einem bestimmten Landkreis oder in einer Stadt jemanden kennt, der mich für eine Übernachtung aufnimmt. Meistens hat das geklappt“, sagt Greß.

Kontakte über großen Bekanntenkreis

Eine wertvolle Hilfe war für ihn der große Bekanntenkreis von Peter Junk, dem Vorsitzenden des Eine-Welt-Projekts in der Pfarrei St. Georg in Hopsten. Über seine Kontakte, zum Beispiel über einen weit verzweigten Musikerkreis, seien viele Bekanntschaften entstanden.

Viele nette Gastgeber hat Greß kennen gelernt, aber auch andere Radfahrer, mit denen er ein Stück des Weges geradelt ist. Von Hopsten aus ging es los Richtung Niederlande, von dort entlang der norddeutschen Küstenlandschaft bis nach Dänemark, um von dort über Stralsund die Oder entlang der Grenze zu Polen abzufahren. Über Tschechien ging es dann weiter nach Rosenheim, Konstanz, Baden-Baden, dann durch das Saarland zurück ins nördliche Münsterland.

Die Zahl 70 wird zur symbolischen Zahl

70 Tage unterwegs, 70 Euro Budget pro Tag und durchschnittlich 70 Kilometer Tagesstrecke – die Zahl 70 wurde zu einem Symbol der Deutschland-Tour: Mit 70 Euro ermöglicht Pater Heinz Kulüke, dass philippinische Kinder, die sonst auf den Müllhalden nach Verwertbarem suchen, ein Jahr zur Schule gehen können. Für 70 Euro im Jahr versorgt Schwester Rashmi ein Schulkind mit Essen in Loiborsiret, einem Massai-Dorf in der Simanjiro-Ebene Tansanias.

Der Gedanke, diesen Kindern ein wenig Hoffnung auf ein besseres Leben zu geben, hat Greß motiviert, auch bei Regen und Hitze durchzuhalten und weiter zu radeln. „Ohne Motivation meiner Freunde und der vielen Menschen, denen ich begegnet bin, wäre es schwierig geworden, die Reise durchzustehen“, sagt der 60-Jährige, der mit einem normalen Tourenrad unterwegs war.

Dankeschön-Mails von einer Ordensfrau und einem Pater

Gefreut hat er sich über die Dankeschön-E-Mails aus Tansania und den Philippinen. So schrieb der Steyler Missionar Heinz Kulüke: „Bei 70 Euro pro Jahr kann dank Ihrer Fahrradtour mehr als 50 Kindern und Jugendlichen von den hiesigen Mülldeponien und aus anderen Slums geholfen werden, ein weiteres Schuljahr zu absolvieren. Nur mit einer Schulbildung haben sie eine Chance, einmal ein besseres Leben fern der Mülldeponien und Slums zu haben.“

Ordensfrau Rashmi von der Ordensgemeinschaft der Schwestern Unserer Lieben Frau schrieb, dass die Schwestern und Kinder in der Schule in Loiborsiret, die seit Beginn an vom Hopstener Eine-Welt-Projekt unterstützt wird, sehr glücklich über die sichere Heimkehr von Werner Greß seien. Sie hätten für ihn gebetet. Besonders beeindruckt habe sie, dass er sich so ins Zeug gelegt habe für Menschen, die er noch nie gesehen habe. „Ich hoffe, Sie können eines Tages nach Tansania kommen, damit wir uns treffen können“, schrieb Schwester Rashmi. Zudem gelte ihr Dank auch allen großzügigen Spendern aus Hopsten und aus ganz Deutschland.

Was das Leben bereichert

Etwas Gutes zu tun für sich und andere – diesen Satz wiederholt Greß gern, wenn er darauf angesprochen wird, wie eine solche Herausforderung auch andere motivieren könne. Seine weitergehende Antwort lautet: „Die Fragen, die sich jede und jeder stellen könnte, lauten: Was wäre eine echte Herausforderung, eine echte Grenzerfahrung für mich? Was kann ich tun, um innerhalb meiner begrenzten Möglichkeiten Bedürftige zu unterstützen – und sei es noch so klein? Und vor allem: Welches Projekt würde mein Leben bereichern und mir persönlich ganz viel Freude bereiten?“ Die Antworten darauf hat der Hopstener für sich gefunden.

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