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Der Chor in Drensteinfurt besteht nur ein Jahr länger

74 Jahre im Kirchenchor – Huberta Jägermann singt fast von Anfang an mit

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Wenn der Kirchenchor „Cantate Domino“ in St. Regina in Drensteinfurt in diesem Jahr auf sein 75-jähriges Bestehen zurückblickt, dann ist Huberta Jägermann fast von Beginn an dabei.

Dieser Termin steht unveränderlich in ihrem Kalender: Einmal in der Woche setzt sich Huberta Jägermann in ihren grauen Audi und fährt die sechs Kilometer aus der Bauerschaft Herrenstein bei Walstedde nach Drensteinfurt. Die Proben für den Kirchenchor der Pfarrgemeinde St. Regina verpasst die 89-Jährige so gut wie nie. Und das seit fast 75 Jahren, so alt wie die Geschichte des Chors ist.

„Ich war 15 Jahre, als ich das erste Mal dabei war“, sagt Jägermann. „Wer singen konnte, ging damals in den Kirchenchor.“ Musikalische Alternativen gab es in Walstedde zu jener Zeit kaum. Das kirchliche Leben bestimmte den Alltag in dem Dorf im südlichen Münsterland. Gottesdienste, Engagement in Gruppen der Pfarrgemeinde und Mitarbeit in deren Gremien – auch für die junge Huberta war das so. Und sie konnte singen. „Da war es also keine Frage, dass ich in den Kirchenchor ging.“

Männer schon damals „Mangelware“

Außergewöhnlich war dagegen ihre Stimmlage. „Ich habe von Beginn an Alt gesungen.“ Was gut war, gab es im Chor von St. Lambertus in Walstedde doch größtenteils Sängerinnen mit Sopran-Stimmen. „Auch damals waren Männer schon in der Minderheit.“ Die Altersspanne war dagegen viel größer als in heutiger Zeit. „Ich gehörte zu den Jüngsten, die Ältesten hätten meine Urgroßeltern sein können.“

Die Zeit mit den anderen Sängerinnen und Sängern war für Jägermann nicht nur musikalisch ein Genuss. Sie, die schon als Kind in der Kirchenbank laut mitgesungen hatte, erlebte im Chor vor allem Geselligkeit. Es war auch immer ein wenig wie ein Kaffee-Kränzchen, sagt sie. „Wir haben schon damals nicht nur gesungen, sondern auch viel geplauscht.“

Chorfeste als Höhepunkte

Höhepunkte? Da muss sie nicht lange überlegen: „Die Chorfeste.“ Einmal im Jahr trafen sich die etwa 25 Chormitglieder zusammen mit ihren Familien im Festsaal einer Gaststätte. Der Ort war bewusst gewählt, wurde doch nicht nur sakrales Liedgut gesungen. „Die Donau, so blau“, „Rosen aus dem Süden“ oder „Männer versuchen stets zu naschen“ sind Titel, die nicht in den Kirchenraum gepasst hätten. „Kaum war das letzte Chorlied verklungen, wurden die Tische beiseite geräumt und getanzt.“

Irgendwann wurden diese Feste von großen Adventskonzerten in der Kirche abgelöst. Der Kirchenchor trat gemeinsam mit dem Posaunen-Ensemble und dem Chor der evangelischen Gemeinde auf. „Das war von Beginn an eine ganz fröhliche Ökumene“, sagt Jägermann. „Und ebenfalls eine wunderbare Gemeinschaft.“

Eine Auszeit für die Kinder

Wenn der Kirchenchor „Cantate Domino“ in St. Regina in Drensteinfurt in diesem Jahr 75-jähriges Jubiläum hat, dann ist das auf die Ursprünge in Walstedde zurückzuführen. Im Zuge der Fusionen der Pfarrgemeinden wurden auch die Chöre zusammengeführt. Jägermann brachte da schon mehr als 40 Jahre Gesangserfahrung mit. „Mit einer Auszeit, als die Kinder klein waren“, sagt sie. Aber auch das sei „damals normal“ gewesen.

Wenn sie die CD mit den Adventsliedern in die Hand nimmt, die der Chor 2004 aufgenommen hat, werden ihr die Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte bewusst. „An so etwas war in der Nachkriegszeit natürlich nicht zu denken.“ Sie lacht bei der Erinnerung daran, als sie den Chor das erste Mal als Zuhörerin hat singen hören. „Die schiefen Töne, die es durchaus gab, hatte ich bis dahin nicht wahrgenommen.“ Auch englische Lieder kamen mit der Zeit dazu. Die musste sie auswendig lernen, da sie die Sprache nie gelernt hatte. „Wenn ich einige Worte mal nicht kannte, habe ich einfach so getan, als würde ich singen.“

Erst Alt, jetzt Tenor

Bei allen Neuerungen gibt viele Dinge, die geblieben sind, wie sie schon „damals“ waren. Nicht nur einige Lieder, die heute wie damals zum Repertoire gehören und für die Jägermann längst schon keine Liedzettel mehr braucht. Auch die Geselligkeit hat Bestand. Das passende Liedgut dafür auch. Zur „Blauen Donau“ ist Neues dazugekommen – etwa „Wenn wir die vielen Tabletten, die wir so brauchen, nicht hätten…“. Jägermann singt dann wie bei allen anderen Liedern nicht mehr im Alt, mittlerweile ist sie in den Tenor gewechselt.

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