Genn nennt Verluste „schmerzhaft“ – Zuwachs bei Taufen und Ehen

8.114 Austritte im Bistum Münster – Messbesuch auf Tiefstand

Trotz eines Rückgangs ist die Zahl der Kirchenaustritte im Bistum Münster 2016 mit 8.114 auf hohem Niveau geblieben. Die Zahl der Besucher der Sonntagsgottesdienste erreichte mit 9,1 Prozent einen Tiefstand.

Im vergangenen Jahr verließen 8.114 Menschen im Bistum Münster die katholische Kirche, teilte die Bischöfliche Pressestelle am Freitag mit. Das sind zwar 17 Prozent weniger als die 9.794 Austritte aus dem Jahr 2015. Allerdings liegt die Zahl noch immer über dem Wert von 2010. Damals waren die Fälle sexuellen Missbrauchs bekannt geworden, und 8.063 Menschen im Bistum verließen die Kirche.

Nur noch 9,1 Prozent Gottesdienstbesucher

Die Zahl der Messbesucher erreichte einen neuen Tiefstand: 2016 kamen 172.582 Menschen sonntags zu den Gottesdiensten. Das sind 9,1 Prozent aller Katholiken – und 10.860 Menschen weniger als 2015. Messbesucher werden an zwei Wochenenden stichprobenartig gezählt. Ihre Zahl sinkt seit Jahren kontinuierlich, im vierten Jahr in Folge liegt sie unter zehn Prozent. 2006, also vor zehn Jahren, lag die Zahl der Gottesdienstbesucher noch bei 13,4 Prozent aller Katholiken.

Positive Entwicklungen gab es bei den Taufen. 14.670 Menschen wurden laut Pressestelle durch das Sakrament neu in die Kirche aufgenommen, 353 mehr als 2015. 369 Personen traten 2016 im Bistum Münster wieder in die katholische Kirche ein. Hinzu kamen 234 Übertritte aus anderen christlichen Konfessionen.

Mehr kirchliche Trauungen

Leicht gestiegen ist die Anzahl der kirchlichen Trauungen, von 3.650 im Jahr 2015 auf 3.698 im Jahr 2016. Zurückgegangen sind die Zahlen bei den Erstkommunionen (von 15.864 im Jahr 2015 auf 15.145 im Jahr 2016), den Firmungen (von 14.397 im Jahr 2015 auf 13.823 im Jahr 2016) und den kirchlichen Bestattungen (von 20.308 im Jahr 2015 auf 20.026 im Jahr 2016).

Bischof Felix Genn nannte die Zahl der Kirchenaustritte laut Pressestelle „schmerzhaft hoch“. Hinter jeder Austritts-Entscheidung stünden „individuelle Gründe“. Es bleibe Aufgabe der Kirche, auf die Menschen zuzugehen und zu zeigen, dass die Beziehung zu Jesus „das Leben bereichert“.

Genn dankt den Ehrenamtlichen in den Pfarreien

Genn nannte drei Punkte, denen sich die Kirche im Bistum widmen wolle. Erstens solle die Beziehung zwischen den gottesdienstlichen Feiern und dem Leben der Menschen gestärkt werden. Zweitens wolle die Kirche „intensiver auf Menschen zugehen, die sich in schwierigen Lebenssituationen oder am Beginn einer neuen Lebensphase befinden“. Drittens gehe es um ein neues Bewusstsein: „Kirche im Bistum Münster“ – das sind nach Worten des Bischofs nicht nur Hauptamtliche und Amtsträger, sondern „alle Getauften mit ihren individuellen Begabungen“.

Genn dankte den ehrenamtlich in den Pfarreien Engagierten, besonders den „mehr als 2.000 Frauen und Männern“, die sich in den Pfarreiräten engagieren. Diese Gremien werden im November neu gewählt.

Mit 1,89 Millionen Katholiken war das Bistum Münster Ende 2016 weiterhin die zweitgrößte Diözese in Deutschland. Spitzenreiter bleibt das Erzbistum Köln.