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„Hier spricht Magdalene“ wird vom Pfarrer aufgezeichnet

97-Jährige aus Ibbenbüren hat eigenen Podcast

  • Magdalene Lohage, Jahrgang 1923, gebürtig aus Ibbenbüren-Laggenbeck, war Volks- und Hauptschullehrerin.
  • In ihrer Gemeinde St. Ludwig leitete sie einen Bibelkreis und hat gepredigt, bis sie 93 Jahre alt wurde.
  • In unregelmäßigen Abständen erzählt sie von ihren Erlebnissen - jetzt hat sie einen eigenen Podcast.
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„Vom Internet versteh ich ja nichts“, sagt Magdalene Lohage. Trotzdem hat die 97-Jährige aus Ibbenbüren jetzt einen eigenen Podcast auf der Plattform „Spotify“. „Ich ruf den Pfarrer Martin Weber an, und er nimmt meine Geschichten dann auf – per Telefon.“ Trotz dieses Umwegs ist die Sprachqualität erstaunlich gut. Um die weitere technische Umsetzung und die Pflege ihres Kanals kümmere sich dann Martin Weber, den sie schon lange von ihrem Ehrenamt in St. Ludwig kennt.

Sie habe erst nicht verstanden, was denn so toll an ihren Kolumnen sei, sagt Magdalene Lohage, die mit dem Eintritt in ihre Rente ab und an Zeitzeugenberichte für die Tagespresse publiziert hat: „Aber Pfarrer Weber meinte: Erzähl‘ du man, du kannst das gut.“

15 Folgen hat die ehemalige Lehrerin seit dem ersten Lockdown im März aufgenommen. Sie beginnen immer gleich mit ihrer Begrüßung: „Hier spricht Magdalene!“ „Die Geschichten schreibe ich vorher auf“, berichtet die 97-Jährige, Vorgaben bekomme sie nicht. Die Anlässe sind vielfältig, mal berichtet sie über eine Erstkommunion aus den 50er Jahren, dann von ihrer ersten Flugreise und in der Weihnachtszeit ist eine Betrachtung über das Schenken dran.

Wie die Familie heimlich ein Schwein schlachtete

Geprägt haben die 97-Jährige die Kriegsjahre. Am 4. September 1939 hat sie im Alter von 15 Jahren ein Kriegstagebuch begonnen, auch um das Erlebte zu verarbeiten. Einige dieser Stücke finden sich mittlerweile in der Playlist ihres Podcast-Kanals. Ihre Beiträge, die meistens zwischen zwei und fünf Minuten lang sind, haben einen Höhepunkt und eine Pointe. Daher sind sie selten langweilig und hinterlassen mal ein wehmütiges, mal ein fröhliches Schmunzeln beim Zuhörer. ‚Wie Magdalenes Familie 1947 heimlich in Laggenbeck schwarz ein Schwein schlachtet und das ganze Dorf dichthält‘, lautet zum Beispiel eine Anekdote über die Hungerjahre der Nachkriegszeit.

Was ihre Erzählungen so innig und unterhaltsam macht: Magdalene Lohage bewertet nicht, sondern beobachtet. „Ich weiß auch nicht, wie es kommt, ich habe dann Bilder in meinem Kopf und denke, dazu gibt es wieder eine Geschichte.“ Das Erzählen hat sie von ihrer Mutter übernommen. „Mutter stammte aus Braunschweig. Ich kannte mehr Braunschweiger Straßennamen als Namen aus Ibbenbüren, so oft hat sie davon erzählt.“

Keine Probleme mit dem Langzeitgedächnis

Hier geht’s zum Spotify-Kanal von Magdalene Lohage und Pfarrer Martin Weber.

Mit ihrem Langzeitgedächtnis habe sie keine Probleme, „von damals weiß ich die Zahlen, aber fragen Sie mich, was vorgestern war, da muss ich überlegen“, so die Seniorin, die in einem Sechs-Parteien-Haus in Ibbenbüren lebt. Bis sie 93 war, hat sie auch noch regelmäßig in der Kirche St. Ludwig gepredigt: „Die Leute haben gesagt: Es gefällt uns, wenn du predigst, wir verstehen dich so gut.“ „Meint ihr vom Hören oder vom Begreifen“, habe ich dann gefragt. „Beides!“, hätte die Antwort gelautet. Dazu meint Magdalene Lohage ganz bodenständig: „Ich habe mich immer bemüht, kurz und verständlich die Inhalte wiederzugeben.“ In „Kirche+Leben“ hat sie übrigens auch schon mal geschrieben. ‚Meine Bibelstelle‘ war das Thema. Dafür habe sie einen Abschnitt aus dem Exodus-Kapitel gewählt. „Gott sagt seinen Namen: Ich bin da! -  das ist für mich bis heute ein wichtiger Satz.“

Wie ergeht es jemandem, der so viel erlebt hat, in der Corona-Pandemie? „Mein Leben hat sich nicht viel geändert“, sagt Magdalene Lohage. „Ich gehe fast täglich einmal nach draußen, um kleine Besorgungen zu machen oder frische Luft zu schnappen. Ich habe eine gute Nachbarin, die mir mit Rat und Tat zur Seite steht. Sonntags besuche ich meine Freundin Mia in Laggenbeck oder sie kommt zu mir. Seit Kindertagen verbringen wir gemeinsam unsere Sonntagnachmittage. Mit meinen Nichten und Neffen habe ich guten Kontakt. Seit Jahren feiern wir Weihnachten zusammen. Natürlich überfällt mich auch ab und zu die große Einsamkeit, besonders, wenn das Wetter so dunkel ist.“

Das Leben nehmen, wie es kommt

Mit ihrem Rollator mache sie sich auch heute noch jeden Freitag auf zum Wochenmarkt in die Stadt: „Da treffe ich Bekannte. Wenn ich angesprochen werde: Du bist ja noch topfit! sage ich immer, „lass das top weg.“ Ihr Rezept für ihre Gesundheit: „Ich nehme das Leben, wie es kommt.“

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