Ab 15. September: 26 Veranstaltungen in Marl und Recklinghausen

Abrahamsfest: Juden, Christen und Muslime feiern zusammen

Seit dem ersten Abrahamsfest in Marl im Herbst 2001 gilt als Zielsetzung: „Begegnungen, gute Nachbarschaft und Zusammenarbeit, Frieden in der Stadt und  Stadt ohne Rassismus“, sagt Hartmut Dreier. Der evangelische Pfarrer war Mitgründer des Abrahamsfestes und ist auch in diesem Jahr wieder aktiv dabei.

Veranstaltet wird das Fest von der Christlich-islamischen Arbeitsgemeinschaft (CIAG)Marl in Kooperation mit den Kirchen und Moscheen in Marl, mit der Jüdischen Kultusgemeinde Kreis Recklinghausen und dem Integrationsrat der Stadt Marl.

Chöre aus drei Religionen

Eröffnet wird das Abrahamsfest am 15. September um 17 Uhr in der Synagoge Recklinghausen mit einem Konzert „Harmonien des Friedens“. Aus den drei beteiligten Religionsgemeinschaften singen und musizieren Chöre.

Schirmherr des diesjährigen Festes ist der WDR-Wissenschaftsredakteur Lorenz Beckhardt. Der gebürtige Marler wird am Montag, 23. September, um 19 Uhr im Pfarrheim Herz Jesu über das Thema „Wer die Vergangenheit begreift, gewinnt die Zukunft. Mein Verständnis für Frieden in Europa und der Welt“ sprechen. Bekannt geworden ist Beckhardt durch sein Buch „Der Jude mit dem Hakenkreuz – Meine deutsche Familie“.

Schulen, Gemeinden und Vereine machen mit

Insgesamt 26 Veranstaltungen in Schulen, Gemeinden und Vereinen laden dazu ein, den Frieden zwischen den Religionen zu leben und den interreligiösen Dialog zu pflegen. Legendär ist inzwischen der Abschluss des Abrahamsfestes, der am 11. Dezember im Marler Rathaus mit einem Gastmahl begangen wird. „Wir feiern mit interkulturellen Darbietungen, gemeinsamem Essen, mit allen Generationen, Kulturen und Religionen“, sagt Dreier von der CIAG.

Die meisten Veranstaltungen in den kommenden Wochen wollen Kinder und Jugendliche erreichen. „Kino & Pizza“ lautet ein Angebot, zu dem an sieben Nachmittagen Jugendliche in unterschiedlichen Jugendheimen eingeladen sind. Ein Treffen ist im jüdischen Gemeindehaus in Recklinghausen. In sechs Schulen kommen Schüler zu einem Workshop „Wie Juden, Christen und Muslime leben und feiern“ zusammen. Ein weiteres Angebot sieht vor, dass ältere Jugendliche Schülern eine Moschee, eine Kirche und die Synagoge erklären.

Ein Friedensfest am 22. Oktober

Anlässlich des jüdischen Feiertags „Simchat Thora“ am 22. Oktober wollen vor allem junge Menschen in der Synagoge ein „Fest für Frieden“ feiern.

Die Organisatoren möchten mehrere tausend Menschen erreichen. „In einer Welt wachsender Spannungen greifen wir das Friedensthema auf“, sagt Pastoralreferent Günter Tewes. „Wir möchten Mut machen, dass Menschen jeder Religion und Kultur zusammen in Frieden leben können.“

Einladung auch an religionslose Menschen

Während der Zusammenkunft der Organisatoren im Begegnungsraum der Marler Fatih-Moschee diskutierten die Teilnehmer auch darüber, wie mit der steigenden Zahl der konfessions- und religionslosen Menschen in der Region umzugehen ist. „Natürlich sind auch konfessionslose Menschen eingeladen, am Abrahamsfest teilzunehmen. Das ist keine Frage“, sagt Dreier. Da aber Religionslose nicht über Verbände oder Vertretungen zu erreichen seien, seien gezielte Einladungen schwierig.

Froh über die attraktiven Veranstaltungen ist Angelica Hilsebein von der Fachstelle Christen und Muslime im Bischöflichen Generalvikariat Münster: „Das Abrahamsfest bringt viele  Menschen zusammen. Es schafft viele Verbindungen und Begegnungen.“