Benediktiner Beda Maria Sonnenberg will Kirche als Öko-Vorreiter

Abt: Wenn’s um Natur geht, müsste jeder Christ „grün“ sein

Benediktinerabt Beda Maria Sonnenberg (52) fordert von Gläubigen eine verstärkte Hinwendung zur Umwelt. „Ständig beten wir zum 'Schöpfer des Himmels und der Erde'. Wenn wir das ernst nähmen, müssten wir die Natur anschauen, uns ihr aussetzen und sie wertschätzen - und nicht motorisiert durch sie hindurchrasen“, sagte der Vorsteher des Benediktinerklosters Plankstetten in der Oberpfalz im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). „Was den Umgang mit der Natur angeht, müsste in der Tat jeder Gläubiger 'grün' sein, weil es um die Sicherung eines Ausdrucks Gottes geht.“

Abt Beda Maria Sonnenberg Abt Beda Maria Sonnenberg leitet die bayerische Benediktinerabtei Plankstetten. | Foto: Christopher Beschnitt (KNA)

Der Mönch ergänzte: „Derart positioniert, könnte Kirche auch zugänglich für Menschen werden, die mit Religion erst einmal nichts am Hut haben, aber an Fragen der Schöpfung interessiert sind. Für diese Leute könnte Kirche zu einer missionarischen Sammelbewegung werden.“ Wer „ökologisch“ handele, erkenne vielleicht über kurz oder lang, dass er auch christlich handele, und werde so offen für die Frohe Botschaft.

Umdenken bei der Mobilität

Sonnenberg forderte: „Wir müssten die Natur als Offenbarungsquelle betrachten - als eine, die womöglich untrüglicher ist als alle Formen menschlicher Verschriftlichungen.“ Die Menschen lebten nicht losgelöst auf der Erde, sondern bildeten mit allen Tieren, Pflanzen, Steinen ein großes Ganzes. Als Konsequenz müssten Gläubige der Schöpfung einen Wert in sich zubilligen. „Wir behandeln sie nicht länger wie ein sich immer wieder von allein auffüllendes Lager zur Stillung unserer Bedürfnisse.“ Wichtig sei daher neben einem Umdenken bei der Mobilität auch die Hinwendung zur ökologischen Landwirtschaft, wie das Kloster Plankstetten sie betreibe.

Speziell die Kirche sollte dem Abt zufolge „ein Öko-Vorreiter sein und dabei keine falsche Rücksicht etwa auf Verbände, Parteien und Zusammenschlüsse nehmen und auch Traditionen und Gewohnheiten hinterfragen. Wenn Tausende von Leuten quer durch die Welt zu einem Weltjugendtag fliegen, ist so ein Termin nicht eine ökologische Katastrophe und daher lieber abzuschaffen?“