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Pater Martin Maier leitet das katholische Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat. Wie er die Folgen des US-amerikanischen Angriffs auf Venezuela einschätzt.
Pater Maier, was ist über die aktuelle Lage der Menschen in Venezuela bekannt?
Die Menschen haben Angst. Das berichten unsere Partnerinnen und Partner aus Venezuela. Niemand traut sich, auf der Straße offen zu sprechen, schon gar keine Kritik am Regime zu äußern. Denn dort kontrollieren nach wie vor die sogenannten Colectivos, die Schlägertrupps des Regimes. In den Armenvierteln Petare und 23 de Enero, Hochburgen des Chavismus, durften am vergangenen Sonntag keine Gottesdienste stattfinden. Die Menschen befürchten, dass die Repression noch weiter steigen und ihre Situation noch dramatischer wird. Deswegen kam es bereits zu Hamsterkäufen.
Wie sieht es an der Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela aus?
Natürlich kann die Angst vor Repression durch das nach wie vor regierende Regime oder vor weiteren Angriffen der USA dazu führen, dass noch mehr Menschen das Land verlassen. Migration ist aber immer auch eine Frage von Ressourcen. Man darf nicht vergessen: Es sind bereits mehr als acht Millionen Venezolanerinnen und Venezolaner infolge der schweren Staats- und Wirtschaftskrise nach dem Amtsantritt von Nicolás Maduro geflohen. Wer also die Möglichkeiten hatte, ist nicht mehr im Land. Ob es zu einer neuen Migrationsbewegung kommt, werden erst die nächsten Tage zeigen.
Hat das Eingreifen der USA Auswirkungen auf die Arbeit von Adveniat beziehungsweise der Partner vor Ort?
Als Lateinamerika-Hilfswerk der Kirche arbeitet Adveniat direkt mit den kirchlichen Institutionen und den Pfarrgemeinden in Venezuela zusammen. Das war auch schon in den vergangenen Jahren der große Vorteil. Adveniat gelingt es bis heute, Medikamente zu liefern, eine gesundheitliche und medizinische Basisversorgung in den Pfarrgemeinden aufrechtzuerhalten, den Unterhalt von Schwesterngemeinschaften und pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu sichern und Schulspeisungen der Partnerinnen und Partner vor Ort zu finanzieren.