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Lyrisches Gedenken mit Sebastian Aperdannier in der Überwasserkirche am 11. Dezember

Advent 1941: Als die ersten Juden aus Münster deportiert wurden

  • Mit einem lyrischen Abend in der Überwasserkirche in Münster wird der ersten Deportation der Juden aus Münster im Advent 1941 gedacht.
  • Sebastian Aperdannier wird die Ereignisse der damaligen Zeit mit einer Erzählung in Erinnerung rufen.
  • Die Veranstaltung gehört zu einer Reihe, die von der Pfarrgemeinde im Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ angeboten wird.
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Mitten im Advent vor genau 80 Jahren wurden die ersten Juden aus Münster in Konzentrationslager deportiert. Aus einer Sammelstelle an der Warendorfer Straße wurden die Menschen abgeholte, um sie per Zug nach Riga zu bringen. Für den Großteil von ihnen war es die Fahrt in den Tod. Sebastian Aperdannier aus der Fachstelle Weltkirche des Bistums Münster hat die Ereignisse zum Anlass genommen, am 11. Dezember in der Überwasserkirche in Münster einen lyrischen Abend zu gestalten. Im Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ eine Veranstaltung mit besonderer Ausstrahlung.

Aperdannier hat die Hintergründe jenes Jahres recherchiert, um sie mit Gedichten jüdischer Lyriker und mit einem eigenen Text nachdrücklich in Erinnerung zu rufen. „Schon einige Tage zuvor waren Juden aus dem Umland, etwa aus Bocholt, nach Münster geholt worden, um sie vom Bahnhof in den Osten zu deportieren.“ Die Stolpersteine in der Stadt, die an das Schicksal einzelner Juden erinnern, belegen die damaligen Ereignisse.

Reale Menschen, fiktive Geschichte

Sebastian Aperdannier
Sebastian Aperdannier hat den lyrischen Abend zum Gedenken an die ersten aus Münster deportieren Juden konzipiert. | Foto: Michael Bönte

So hat die Geschichte „der Vater“, die er vortragen wird, einen realen Hintergrund und bezieht sich auf konkrete Menschen jener Zeit. Seine fiktive Erzählung zieht daraus eine besondere Kraft. Auch weil er es nicht bei der Wiedergabe der damaligen Ereignisse belässt, sondern sie in einen Kontext stellt, der sich viele Jahre später abspielt. Es geht um die Seite der Mittäter und Mitläufer, in der sich die Katastrophe des Holocaust widerspiegelt.

„Ich erzähle nicht Opfer-zentriert“, sagt Aperdannier. Was die Wirkung seiner Geschichte nicht weniger intensiv mache. „Der Nachhall der Geschehnisse auf das Leben der Menschen viele Jahrzehnte später zeigt, verstärkt das Gefühl für die Abgründe vor 80 Jahren.“ Es gehe um Schuld, um Scham und Depression. Eine Auseinandersetzung, die Aperdannier aus seiner Zeit in der Ehe-, Familien- und Lebensberatung kennt: „Die Probleme fast der Hälfte der Ratsuchenden war auf Traumata aus den Weltkriegen zurückzuführen, die über Generationen weitergegeben worden waren.“

Beginn erst um 21.30 Uhr - aus Gründen

Der jüdisch-lyrische Abend „Die Sichel mäht die Zeit zu Heu“ findet am Samstag, 11. Dezember, ab 21.30 Uhr in der Überwasserkirche in Münster statt. www.liebfrauen-muenster.de

Das Schicksal der Juden im Advent 1941 wird nicht ausgeblendet, sondern bekommt durch die Einordnung in die spätere Gesellschaft eine besondere Wucht. Aperdannier hat für den lyrischen Abend in der Überwasserkirche mit 21.30 Uhr einen späten Zeitpunkt gewählt, um mit der Dunkelheit und Stille die Finsternis jener Tage zu unterstreichen.

Die Veranstaltung ist Teil einer Reihe von Veranstaltungen, mit denen die Pfarrgemeinde Überwasser-Liebfrauen in Münster im Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ die Vergangenheit und aktuelle Situation von Juden in Münster in den Blick nimmt. Dazu gehören Besuche der Synagoge oder Führungen über den jüdischen Friedhof.

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