Präsident wünscht sich friedliche muslimisch-christliche Koexistenz

Ägypten: Moschee und größte Kirche im Nahen Osten eingeweiht

Ägyptens Präsident Abdel-Fattah Al-Sisi hat die muslimisch-christliche Koexistenz in Ägypten betont. „Dieser Anlass ist eine Botschaft, dass wir niemandem erlauben, sich zwischen uns zu stellen“, sagte er laut der Zeitung „Al-Ahram“ am Sonntagabend zur Einweihung der neuen koptisch-orthodoxen Kathedrale in Ägyptens neuer Verwaltungshauptstadt bei Kairo. Muslime und Christen in Ägypten seien „eins und werden eins bleiben“, so Al-Sisi. Zuvor hatte er eine neue Moschee für 17.000 Gläubige eingeweiht.

Al-Sisi rief die Ägypter auf, bewusst und wachsam für das Land zu sorgen. Die Religionsstreitigkeiten im Land endeten nicht;daher benötige der mit der neuen Kathedrale gepflanzte „Baum der Liebe“ weiter Aufmerksamkeit und Pflege, so der Präsident.

Kathedrale bietet Platz für 8.200 Besucher 

Ausdrücklich dankte das Staatsoberhaupt dem koptisch-orthodoxen Papst Tawadros II. Dessen besonnene Reaktion auf zahlreiche Angriffe auf Kirchen im Jahr 2013 habe es ermöglicht, nicht nur entstandene Schäden zu beheben, sondern Neues zu bauen. Bei dem der Geburt Christi geweihten Gotteshaus handelt es sich um die größte Kirche des Nahen Ostens mit Platz für 8.200 Besucher, wie ägyptische Medien berichteten.

An der Einweihungsfeier nahm auch der Großscheich der Al-Azhar-Universität in Kairo teil, Ahmad al Tayyeb. Er verwies in seiner Ansprache auf das islamische Recht. Dieses verpflichte Muslime, christliche und jüdische Gotteshäuser in gleichem Maße zu schützen wie Moscheen. Erstmals seien eine Moschee und eine Kirche zeitgleich gebaut und eingeweiht worden, so der sunnitische Geistliche.

Doppelweihe als hoffnungsvolles Zeichen

Auch Tawadros II. betonte bei der Moscheeeinweihung die Besonderheit des Moments. Das Land schreibe mit der beispiellosen Doppelweihe eine neue Seite in der Geschichte der Zivilisation, so das koptische Oberhaupt.

Im Anschluss an die Kirchenweihe feierte Tawadros II. in der neuen Kathedrale die Mitternachtsmesse. Die Mehrheit der ägyptischen Christen gehört der koptisch-orthodoxen Kirche an, nach deren Kalender Weihnachten am 7. Januar begangen wird.

Ägypten hatte zu den Weihnachtsfeiern die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Landesweit sind laut Bericht 230.000 Sicherheitskräfte zum Schutz von 2.600 Kirchen im Einsatz. Christen und christliche Heilige Stätten waren in der Vergangenheit wiederholt an hohen Feiertagen Ziel terroristischer Anschläge. Am Samstag wurde in Kairo ein Polizeibeamter beim Entschärfen eines nahe einer Kirche platzierten Sprengsatzes getötet.