Friedensgebet, gemeinsamer Weg zur Demo oder Zurückhaltung

AfD-Empfang in Münster: Pfarrgemeinden reagieren unterschiedlich

Auf dem Prinzipalmarkt in Münster wird die Bühne der Gegenkundgebung stehen, während die AfD am Freitag Neujahrsempfang im Rathaus feiert. Man befindet sich in Sichtweite. Die Beteiligung der münsterschen Pfarreien und katholischen Gruppen ist unterschiedlich: von laut über leise bis gar nicht.

Das Stadtdekanat, der evangelische Kirchenkreis und die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Münster laden für 16.45 Uhr zu einem Friedensgebet ein. Der katholische Stadtdechant, Pfarrer Jörg Hagemann aus Münster-Wolbeck, sagt zu „Kirche+Leben“, die Kirchen hätten sich „konstruktiv engagieren“ wollen – also „für den Frieden und ein gelingendes Zusammenleben“, anstatt nur „gegen“ eine Veranstaltung aufzutreten. Allerdings hätten die Kirchen auch „nicht stumm bleiben“ wollen.

Lange Diskussion in den Kirchen über die Beteiligung

Nach Informationen von „Kirche+Leben“ wurde unter Katholiken und Protestanten lange diskutiert, ob sich die Kirchen als Institutionen an der Gegenveranstaltung ab 17.30 Uhr beteiligen sollen. Man habe sich dagegen entschieden. Ein Argument sei gewesen, dass die AfD eine – wenn auch von wenigen Menschen – demokratisch gewählte Partei sei, die auch in Münsters Stadtrat vertreten ist.

Da die AfD deswegen wie alle anderen gewählten Parteien zu behandeln ist, hat sie auch das Recht, Räume im Rathaus zu nutzen und zu mieten. Daher haben Stadtrat und Stadtverwaltung den Empfang zugelassen. Das historische Rathaus werde abgesperrt, um ein Zusammenstoßen von Anhängern und Gegnern der AfD sowie Vandalismus am Gebäude zu verhindern, teilt die Polizei auf Anfrage mit.

Zurückhaltung im Kirchenfoyer

Ähnlich zurückhaltend wie der Stadtdechant äußert sich der Leiter des Kirchenfoyers, eines Angebots der katholischen City-Pastoral neben der Lambertikirche. „Wir wollen uns politisch nicht aus dem Fenster lehnen“, sagt Rupert König. „Natürlich stehen wir für Gastfreundschaft und Toleranz und vertreten allein deshalb eine andere Position als die AfD.“ Gleichzeitig akzeptiere man aber die Offenheit einer Demokratie für unterschiedliche Auffassungen. König kann sich aber vorstellen, sich an der Aktion der Kaufleute am Prinzipalmarkt zu beteiligen und die Lichter im Schaufenster des Kirchenfoyers zu löschen.

Offensiver bringt sich die Pfarrei Heilig Kreuz ein. Dort lädt das Seelsorgeteam die Gemeindemitglieder ein, sich gemeinsam zur Demonstration aufzumachen. „Wir haben uns einhellig dazu entschieden“, sagt Pastoralreferent Daniel Drescher. „Auch, weil wir uns als Pfarrgemeinde zum Thema positionieren wollen.“ Die politische Diskussion spiele eine untergeordnete Rolle. „Wichtig ist uns, ein Zeichen zu setzen, dass wir für ein friedliches Miteinander stehen.“

Unterschiedliche Auffassungen in der Kirche

Drescher nimmt durchaus unterschiedliche Auffassungen in der Kirche wahr, wenn es um das Einmischen in aktuelle Diskussionen geht. „Wir können und müssen uns bei gesellschaftlichen Fragen aus dem Fenster lehnen“, ist sein Standpunkt. „Wenn wir die Chance haben, unser Gesicht in den Wind zu drehen, dürfen wir uns nicht zurücklehnen und nur eine Fürbitte sprechen.“

In St. Lamberti will man nicht auf die Ereignisse direkt vor der Tür eingehen. Die Abendmesse wird wie gewohnt um 18 Uhr stattfinden. „Wir setzen uns sonst unter Zugzwang, auf jedes Ereignis auf dem Prinzipalmarkt reagieren zu müssen“, sagt Pfarrer Ludger Winner auf Anfrage von „Kirche+Leben“.

Gebet für friedliche Veranstaltung

Aus Münsters Pfarreien werden aber viele Gruppen zur Demonstration kommen. Katholische Verbände, darunter Jugendverbände und Pfarrgruppen der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), haben ihre Mitglieder ermuntert, an der Kundgebung teilzunehmen.

Stadtdechant Hagemann sagt, am Ende des Friedensgebets werde er ausdrücklich auch dafür beten, dass es im weiteren Verlauf des Abends in Münster friedlich bleibt.