UPDATE: Auch Bischof Hanke gegen Abgrenzung

AfD-Kirchenpolitiker warnt vor Beendigung des Dialogs

Der kirchenpolitische Sprecher der rheinland-pfälzischen AfD-Landtagsfraktion, Michael Frisch, warnt vor einem Ende des Dialogs zwischen der katholischen Kirche und seiner Partei. Die Forderung des Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, nach einem Abgrenzungsbeschluss der Kirche zur AfD sei unredlich, sagte Frisch. „Unter den Mitgliedern und Wählern der AfD gibt es viele überzeugte Christen, die der ZdK-Präsident mit seinen Bewertungen in die Nähe von Rechtsextremismus oder gar Nationalsozialismus rückt.“

Bischof Hanke: Mit Werten abgrenzen
Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke will der AfD mit christlichen Werten entgegentreten. Auf die Frage nach einer Abgrenzung der katholischen Kirche von der AfD sagte Hanke bei „katholisch.de“: „Wir müssen als Bischöfe positiv auftreten. Ich denke, verurteilend den Zeigefinger zu heben, ist nicht unbedingt der Weg. Wir müssen den Menschen Mut machen, die wirklichen Werte unseres Christseins neu zu entdecken.“ Die Bischöfe müssten die Menschen „mündig machen, sodass sie nicht irgendwelchen Predigern oder Lockvögeln hinterherlaufen, sondern selbst engagiert ihren Weg aus christlicher Verantwortung finden“.

Sternberg hatte die Abgrenzungsforderung damit begründet, dass das Ausmaß rassistischer Ausfälle von AfD-Politikern unerträglich geworden sei. Er nannte mehrere Beispiele. „Die AfD vollzieht eine Häutung zum Rechtsradikalismus; ihre Parolen erinnern zunehmend an den Nationalsozialismus“, so Sternberg.

AfD sieht „Pauschalverurteilung“

Frisch konterte: „Selbst wenn man die Äußerungen einiger AfD-Politiker so bewertet, wie er das macht, dann verbietet es sich, daraus eine Pauschalverurteilung einer demokratischen Partei abzuleiten, die bei der letzten Bundestagswahl von fast sechs Millionen Wählern unterstützt wurde.“ Frisch nannte es unverständlich, warum Sternberg nicht auch Abgrenzungsbeschlüsse gegen Parteien fordere, die das Abtreibungsrecht, die Embryonenforschung, die Leihmutterschaft und die aktive Sterbehilfe liberalisieren wollten.

Kontrovers diskutiert wird auch, dass erstmals bei einem Katholikentag, den das ZdK veranstaltet, ein AfD-Politiker auf einem Podium diskutiert: der kirchenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Volker Münz. Zur selben Diskussion sind auch die kirchenpolitischen Sprecher der anderen Fraktionen im Bundestag eingeladen.

Katholikentags-Gast erhofft Gesprächsbereitschaft

Münz sagte der Zeitung „Tagespost“, er hoffe, dass sich das Verhältnis zwischen AfD und Kirche „normalisiert“. Er verstehe sich als Brückenbauer und sei der Ansicht, „dass vor allem Christen miteinander reden können sollten“. Das setze auf beiden Seiten Gesprächsbereitschaft voraus.

Der Protestant sagte, ihm sei bewusst, dass man als Christ über Themen wie den Umgang mit Flüchtlingen „in unterschiedlicher Weise denken kann“. Aus der Bibel sei nicht unmittelbar abzuleiten, „wie viele Flüchtlinge wir in Deutschland aufnehmen sollen“. Eindeutig biblisch geklärt sei hingegen, „dass eine Ehe aus der Verbindung von Mann und Frau besteht“.

Über Rassismus und Antisemitismus in der AfD

Münz deutete an, dass er die AfD verlassen müsste, sollte sie rassistische oder antisemitische Positionen vertreten. Er missbillige etwa, was der Thüringer AfD-Politiker Björn Höcke über Afrikaner und das Holocaust-Mahnmal in Berlin gesagt habe. Höcke sei aus seiner Sicht aber „kein Antisemit oder Rassist“.

Sein AfD-Engagement sei durch seine christliche Überzeugung motiviert, sagte Münz. Er verstehe sich als konservativ, nicht als radikal. Die ethnische Herkunft eines Menschen spiele für ihn keine Rolle. „Was mir aber wichtig ist, das ist die christlich-abendländische Leitkultur, die von allen, gleich welcher Herkunft sie sind, zu akzeptieren ist.“