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In Mecklenburg-Vorpommern will die AfD regieren. Gegenüber den Kirchen tritt sie weniger krawallig auf - ein Experte ordnet ein.
Der Religionssoziologe Gert Pickel sieht hinter dem weitgehenden Verzicht der AfD Mecklenburg-Vorpommern auf kirchenpolitische Forderungen eine bewusste Wahlkampfstrategie. Die Partei setze auf Themen wie Familie und Heimat und vermeide Konflikte mit den Kirchen, sagt der Leipziger Wissenschaftler dem Evangelischen Pressedienst (epd).
In Mecklenburg-Vorpommern wird am 20. September ein neuer Landtag gewählt. Die AfD hatte am Samstag ihr Wahlprogramm verabschiedet, mit dem sie anstrebt, stärkste Partei zu werden.
Gert Pickel: AfD will sich wählbar geben
Pickel sagt, fehlende Bezüge zu Christentum und Kirchen seien nicht darauf zurückzuführen, dass die Kirchenbindung in dem Bundesland nicht stark ausgeprägt sei. Das sei in Sachsen-Anhalt auch der Fall, wo sich der Landesverband radikaler äußere und die evangelische und katholische Kirche als "Kirchensteuerkirchen" diskreditiere.
In Mecklenburg-Vorpommern wolle sich der Landesverband konservativer geben, als heimatverbunden und nicht so kontrovers wahrgenommen werden, sagt Pickel. "Man möchte möglichst als Regierungspartei erscheinen, die für alle wählbar ist."
Den Kirchen keine Munition liefern
Natürlich könne man aber nichts Pro-Kirchliches ins Programm schreiben. Das kollidiere mit der Linie der Bundespartei.
Pickel vermutet, die AfD wolle mit dem thematischen Verzicht auch den Kirchen nichts in die Hand geben, die sich auf der Leitungsebene gegen die AfD aussprächen. Möglicherweise erhoffe man sich auch, konservative Gläubige mit dem Fokus auf Familienpolitik als Wählende zu gewinnen.
Pickel: Was bei AfD-Regierung droht
Die Forderung nach einem "Baby-Begrüßungsgeld" von 3.000 Euro finde sich ähnlich wie in Sachsen-Anhalt im Wahlprogramm. Auch der Ruf, auf angebliche "Frühsexualisierung" zu verzichten, decke sich ebenso mit den Interessen christlicher Lebensschützer wie, ungeborenes Leben besser zu schützen. Damit sei die AfD durchaus in manchen christlichen Kreisen anschlussfähig, so Pickel.
Er warnt allerdings davor, den fehlenden kirchenpolitischen Bezug zu unterschätzen. Bei einer Regierungsbeteiligung heiße das mitnichten, dass die AfD nicht trotzdem versuche, Kirchengelder einzufrieren, das Kirchenasyl aufzuheben oder den Religionsunterricht aus der Schule zu schmeißen. Damit könne auch Druck auf die Kirchen ausgeübt werden, wenn diese die AfD nicht akzeptierten.